Nicht bei uns

31. Mai 2010 19:10

Der tschechische "kleine Mann" ist mindestens so ausländerfeindlich wie der österreichische

Eine Partei, die sich an intelligente, gebildete, jüngere Leute wendet, die die Nase voll haben von der Einfallslosigkeit, Mittelmäßigkeit und Korruption der traditionellen Sozialdemokraten und Konservativen. Eine wertkonservative Partei, die aber zur Kenntnis nimmt, in welchem Jahrtausend wir leben. Die eine nichtnationalistische, nicht- "Ausländer" -feindliche, eher pro EU eingestellte Linie vertritt. Eine Partei, die einen Wahlkampf führt, der eine Mischung aus verspieltem Witz und harter Knochenarbeit beim direkten Wählerkontakt darstellt. Eine Partei schließlich mit einem 72-jährigen, reichen Hocharistokraten als Spitzenkandidaten. Eine solche Partei bekommt auf Anhieb fast 17 Prozent und den dritten Platz.

In Tschechien. Der tschechische "kleine Mann" ist mindestens so ausländerfeindlich wie der österreichische. Sein Politikverständnis ist im Zweifelsfall zynisch-autoritär. Wie in Österreich. Die tschechische Politik ist noch desillusionierender als die unsere. Dennoch gibt es ein Protestpotenzial, das nicht nach ganz rechts geht, sondern zu einer eher bürgerlich-liberalen Richtung. Das konnte Karl Schwarzenberg, der in Österreich nichts werden konnte, jetzt ausschöpfen.

So eine Partei, so ein Erfolg in Österreich? Undenkbar, oder? Hier sind inzwischen alleKrone-geeichtes Mittelmaß, von der Wacht-an-der-Grenze-SPÖ über die Lehrergewerkschafts-ÖVP bis zu den nicht besonders intellektuellen Grünen. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 1.6.2010)

Kommentar posten
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Coriander
07.06.2010 09:09
Was ist sonucs Problem?

"Dies ist ein Kommentar von sonuc:

Na dann bestellen Sie doch den Standard ab!"

Ich verstehe diese Antwort nicht.

Ausgeflippter Lodenfreak
01.06.2010 17:41

Also mir erscheint es logisch, dass eine Gesellschaft, die durch den Kommunismus noch obrigkeitshörig geprägt ist sich jemanden zuwendet, der
1. ein älterer Mann
und
2. adeliger Abstammung ist.

Außerdem haben, auch wenn der Vergleich der Parteien schwierig ist, die Parteien mit radikalen (linken und rechten) Positionen in Tschechien nicht wirklich weniger Stimmen als in Österreich.

Ich weiß schon, dass die Sehnsucht nach einer bürgerlich-liberalen Partei bei manchen der oberen Mittelschicht groß ist aber man sollte noch abwarten ob sich so eine Bewegung wirklich in Tschechien durchsetzen kann. Witzig eigentlich, dass es in Ö die ÖVP wegen ihrer starken ruralen Verankerung nicht und nicht schafft, dieses Feld zu besetzen.

Karl Heiden
01.06.2010 15:35
Der tschechische "kleine Mann" ist mindestens so ausländerfeindlich wie der österreichische

Warum weiß das RAU so genau? Sitzt er regelmäßig auf ein Bier in den Gasthäusern auf der Kleinseite?

mikromalist
 
01.06.2010 14:45
Wir Österreicher sind eben konsequent,

wir gehen die Sackgassen bis zum Ende.
Wir wollen dreinreden, aber WÄHLEN wollen wir nicht.

Just N. Opinion
 
01.06.2010 11:46
die partei ist gut beschrieben.

es liegt aber nicht so sehr an der partei oder an deren programm. es liegt an der tatsache, dass diese partei durch einen menschen symbolisiert wird, der glaub- und vertrauenswuerdig wirkt.

dem man zutraut, zu halten, was er verspricht, und nichts zu versprechen, was er nicht halten kann.

der auftritt wie ein mensch und nicht wie eine von parteisekretaeren ferngesteuerte marionette oder ein abgehobenes politwesen ohne jeden realitaetsbezug.

der intelligent ist, sich zu benehmen weiss, konkrete zukunftsvorstellungen hat und auch den willen, diese umzusetzen.

gibt's so jemanden in oesterreich?

F F
09.06.2010 00:22

Aber sie meinen nicht den Schwarzenberg? Mit dem können es Österreichs Politiker ALLER Parteien locker aufnehmen

ricko
01.06.2010 13:25
KHG

Just N. Opinion
 
01.06.2010 14:47
sehr witzig.

Step_ner
01.06.2010 14:55

Haha :)

Santino Corleone
01.06.2010 11:44
Ist in Tschechien sicher einfach,

das alle generell Ausländer dort so super finden wie es der Herr R. gerne auch in Ö. hätte, nachdem es in CZ ja viel weniger Ausländer gibt. Ein, zwei Jahrzehnte sozialdemokratisch-grüne "Multikulti-Befruchtung" und wir sehen mal weiter.

Melvin Lasky
01.06.2010 11:35
Tschechenkenner Rauscher

Und allein der Ausdruck "ist mindestens(!) so ausländerfeindlich" zeigt, dass sich in Punkto Rassismus ein Österreicher grundsätzlich an die Spitze setzt!

Coriander
01.06.2010 11:15
RAU hat Recht.

Sollte in Ö jemand versuchen , etwas in der Politik ändern zu wollen, wird er unter Druck gesetzt und mundtot gemacht.
Solange es subjektiv "noch gut geht", wird sich nichts bewegen.
Und danach? Wer traut sich denn, etwas über das Eigeninteresse hinaus zu unternehmen?

Ausgeflippter Lodenfreak
01.06.2010 10:24

RAU schaut auf alle (in diesem Artikel: kleiner Mann, alle Parteien, Krone, Lehrergewerkschaft) herab und findet die Partei eines reichen Hocharistokraten super. RAU steht zu oft auf Seiten der "oberen Zehntausend" (Elsner!) und ist dafür extrem hart mit der Masse der Menschen die für ihn in diesem Artikel z.B. "ausländerfeindlich" und "zynisch-autoritär" sind.

exilkaerntner
01.06.2010 11:38
am posting von lodenfreak erkennt man...

an was es in österreich happert!

egal ob links oder rechts der mitte! man ist immer noch im klassenkampf. die jeweilige andere seite ist zu bekämpfen! mit allen mitteln!

ich für meinen teil würde eine solche wertkonservative partei in österreich durchaus begrüßen. egal ob der mann/frau an der spitze nun dem hochadel angehört oder nicht.

Ausgeflippter Lodenfreak
01.06.2010 17:29

Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass RAU als Person einen Hang zu den Reichen und Mächtigen hat und andererseits sehr unbarmherzigen mit den unteren sozialen Schichten ist und das dies immer wieder in seinen Kommentaren durchblitzt (schönstes Beispiel war der Artikel über den Gentleman-Radler versus die primitiven Polizisten).
Wenn Sie mir Klassenkampf vorwerfen, müssen Sie das auch bei RAU tun.

WFL1
01.06.2010 09:34

Zwischen dem heutigen Tschechien und Österreich gibt es halt doch fundamentale Unterschiede:
Siehe die konstant hohe Zustimmungsrate zur NATO in allen Teilen der tschechischen Bevölkerung, wohingegen in Österreich die inoffizielle Staatsreligion "Neutralität" herrscht (in Wirklichkeit antiamerikanisch-antiwestlich). In Tschechien - nach 40 Jahren Kommunismus - eine entspannte Haltung zu Großbürgertum und Adel, in Österreich das ressentiment-geladene Kleinbürgertum in Medien und Politik, das nichts als weiteres Kleinbürgertum duldet. Und diese Geisteshaltung
beherrscht alle Parteien.


man of constant sorrow
01.06.2010 13:45

Da haben Sie wohl recht. Und den Beweis für ihre Ausführungen findet man gleich im Posting des "Lodenfreaks" über ihrem.
Was für ein Zufall!? Möchte man fast sagen.

Ausgeflippter Lodenfreak
01.06.2010 14:00

Nach oben (NATO, Banker, Ex-Adel, usw.) buckeln und nach unten treten (Kleinbürgertum, "kleiner Mann", usw.) - so sieht also Großbürgertum aus?

Nix da Smoothies! Obst trinkt man gebrannt
01.06.2010 09:27

Ich hasse es, wenn RAU so recht hat.

Nathaniel Winerib
01.06.2010 08:52

Kari Schwarzenberg konnte schon alleine deshalb in Österreich "nichts werden", da er tschechisch-schweizerischer Doppelstaatsbürger ist und als solcher weder aktives noch passives Wahlrecht hat. Allerdings hat er als Geburtshelfer von trend/profil auch einiges für die österreichische Demokratie erreicht.

Sidlo
01.06.2010 07:48
Dass der tschechische kleine Mann eben bei weitem nicht

so ausländerfeindlich und autoritätsgläubig ist wie der österreichische zeigt sich eben schon daran, dass es in der tschechischen Republik den ekeligen muffigen rechten Rand eben nicht gibt, der bei uns aufs allerbeste durch diverse Parlamentsparteien bedient wird. Wie in aller Welt kommt der Autor dieser Zeilen zu so einer Behauptung? Hat das vieleicht der Schwarzenberg behauptet, der so gerne von sehr ähnlichen Brüdern mit verschiedenen Sprachen spricht?

Karlgaard
01.06.2010 10:55

das Ressentiment kleidet sich in Tschechien rot: 11 Prozent für Kommunisten ist im Land des Prager Frühling beschämend!

Sidlo
01.06.2010 11:50
Kommunisten sind doch von Natur aus das genaue Gegenteil

von ausländerfeindlich, weil von Natur aus international orientiert!

Teleobjektiv1
01.06.2010 09:54
Stimmt!

Der ekelige muffige rechte Rand hat sich in den Hradschin zurückgezogen!

Vielleicht würde es ja was nutzen, wenn wir unseren ekligen muffigen rechten Rand mal in die Hofburg sperren würden.

Oder nein, das dann doch lieber nicht?!

Sidlo
01.06.2010 11:47
Vaclav Klaus mag vieles sein,

aber zum ekeligen muffigen rechten Rand kann er wohl nicht gezählt werden.

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