Pannonische Wahl-Logik

31. Mai 2010, 18:55

Wie man aus einem politischen Mailüfterl einen Tornado macht - Von Peter Hajek

Was ist nach dem Burgenland-Wahltag in österreichischen Tageszeitungen nicht alles zu lesen: "Niessls Zittersieg" oder "SPÖ verliert auch Wahl im Burgenland" oder "Rechtes Lager ist Gewinner". Da fragt man sich schon, ob hier nicht der Wunsch Vater des Gedankens ist.

Nicht viel anders argumentieren die jeweiligen Parteisekretariate. Da wird von einer weiteren SPÖ-Niederlage gesprochen und davon, dass man mit einer populistischen Politik an die Wand gefahren ist. Eine Kleinpartei kürt sich mit neun Prozent zum Wahlsieger, und die Grünen machen für ihr eigenes Versagen den roten Landeshauptmann verantwortlich. - Geht's noch?

Fassen wir das - vorläufige - Wahlergebnis einmal mit kühlem Kopf zusammen. Die SPÖ hat demnach 48,6 Prozent erreicht, zwar ein Minus von 3,6 Prozentpunkten, was aber in Zeiten schwindender Wählerbindungen und sich aufsplitternder Parteisysteme ein sehr passables Resultat darstellt. Die SPÖ hält damit zumindest 18 von 36 Landtagssitzen und kann mit den Wahlkartenwählern vielleicht noch das 19. Mandat erringen. In der Proporzlandesregierung bleibt es weiterhin bei vier roten und drei schwarzen Landesräten. Ohne die SPÖ geht also weiterhin gar nichts im Burgenland.

Die ÖVP, die auch den Landeshauptmannstellvertreter stellt, verlor 2,2 Prozentpunkte, hält aber noch immer bei respektablen 34,2 Prozent Wähleranteil. Da blicken die Wiener Schwarzen ebenso wie die Kärntner ÖVP neidvoll ins Burgenland.

Die Freiheitlichen konnten einen Achtungserfolg landen, mehr aber nicht. Man hat zwei Mandate - was aufgrund der Wahlkarten auch noch nicht ganz sicher ist - dazugewonnen und hält jetzt bei ganzen vier Abgeordneten. Der Zuwachs von 3,6 Prozentpunkten auf 9,3 Prozent Wählerzuspruch ist für die Blauen schön, von politischer Relevanz werden sie aber im Burgenland weiterhin nicht sein. Und ob der Turnaround des verkorksten letzten halben Jahres geglückt ist, wird erst die Zukunft weisen.

Wirklich aufsehenerregend ist der vorläufige Einzug der Liste Burgenland in den Landtag. An der Spitze stehen zwei FPÖ-Dissidenten - Manfred Kölly und Wolfgang Rauter -, die frustrierten Wählern eine Stimme und möglicherweise neue politische Heimat geben konnten. Einmal mehr wurde aufgezeigt, wie mobil die Wähler/-innen geworden sind - und das in einem Bundesland, das für seine stabilen Wahlverhältnisse bekannt ist. Für die FPÖ ein Warnsignal, es gibt offensichtlich weitere Alternativen für frustrierte Wähler.

Bleiben die wirklich großen Verlierer - die Grünen. Aus jetziger Sicht werden sie nicht im Landtag vertreten sein, ein Umstand, der sich aber aufgrund der Wahlkartenwähler noch ändern kann. Die Grünen hatten es im Burgenland von jeher schwer, mehr als 5,5 Prozent haben sie noch nie erreicht. Das hat mit den fehlenden urbanen Zentren zu tun, aber auch damit, dass es die Grünen insgesamt - nicht nur die burgenländischen - nicht mehr schaffen, originäre Grünthemen zu positionieren. Wollen sie nicht weitere Rückschläge hinnehmen, müssen sie ihre Themenpalette erweitern.

Man hätte also auch andere Headlines produzieren können: "SPÖ gewinnt klar" oder "Grüne gehen im Neusiedler See baden". Es ist wohl kaum anzunehmen, dass damit weniger Auflage gemacht worden wäre. Insofern ist der Pressetenor schwer nachvollziehbar.

Die Parteisekretariate machen business as usual. Das kennt man ja schon. Aber ob sich die ÖVP einen großen Gefallen tut, wenn sie dem politischen Partner medial Unfreundlichkeiten ausrichtet, darf bezweifelt werden. Denn wenn man glaubt, dass man mit Tritten ans Schienbein der Roten einen Wahlerfolg in der Steiermark wahrscheinlicher macht (und die Chancen stehen eigentlich gut), kann man nur hoffen, dass die Wiener Zentrale noch andere Taktiken vorrätig hat.

Ein Punkt wird aber immer übersehen: Die Wähler/-innen sind nicht dumm und haben ein sehr gutes Gespür dafür, wie politische Ereignisse zu werten sind.

Es war eine spannende Wahl mit einem relativ unspektakulären Ergebnis. Jede weitere Interpretation erzeugt bei Wählern nur unnötig Unmut, denn übrig bleibt dann einmal mehr der Eindruck: "Die streiten doch nur, aber tun tun's nix!" - Wen wundert's. (DER STANDARD-Printausgabe, 1.6.2010)

Zur Person:

Peter Hajek ist Meinungsforscher und Geschäftsführer der Public Opinion Strategies (www.peterhajek.com) in Wien.

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    20 Postings
    Ich bin Böse
    02
    "Pressetenor"

    Ich hab "Presseterror" gelesen, stimmt wohl eher ...

    d. hebenstreit
    56
    Hehe. Die Linken haben abgebissen.

    Mim103
    00
    d.hebenstreit - ein schönes Beispiel

    dafür, dass Rechtsorientierte sich mit inhaltlichen Argumenten schwer tun, aber umso mehr Talent in den Disziplinen "Schadenfreude" und "Dummdreistigkeit" mitbringen.

    Frodo10
    103
    War klar, denn zu den Grünen ist zu sagen, dass

    Linksradikale in der Landesregierung uns international erheblichen Schaden zufügen würden.
    Österreichs Reputation im Ausland und sein guter Ruf wären auf einen Schlag ruiniert.
    Ich bin gegen derlei extreme Experimente.
    Dafür ist das Burgenland zu schade.
    Und wer will schon dann jeden Donnerstag die Rechten auf der Straße „WI-DER-STAND“ plärren sehen?

    Mim103
    00
    Wenn es die übliche Vorgangsweise der Rechtsradikalen

    wäre, "Widerstand" zu rufen, hätte man sehr viel weniger Probleme mit ihnen.
    Und, weil Ihnen dieser Fakt offensichtlich bislang verborgen blieb: Österreichs Reputation im Ausland und sein guter Ruf sind gefährdet dorch rechsradikale Entgleisungen und der Unfähigkeit der Justiz, diese zu ahnden

    Szergej Konstantinovics
    00
    Na klar.

    Während Rechtsradikale - womöglich in Form verschiedenster Splittergruppen - weder in der Landesregierung noch als LH (wie heißt doch das versumpfte südliche Bundesland ?) noch als seinerzeitige Vizekanzler-Partei dem Land oder gar der Republik Schaden anrichten - unbeschadet dessn, dass die Grünen weder ausgesprochen links, geschweige denn gar radikal sind ... da ginge noch Einiges !

    Der Mann im Fass
     
    26
    Aha.

    Und dass das in Oberösterreich schon lange gut funktioniert, wird wieder einmal totgeschwiegen.

    Ihr K(r)ampfposter seit doch wirklich armselig in eurer Kleingeistigkeit...

    Mongolischer Schweinsbiber
    01

    Das ist ein- und derselbe Troll, der mit mehreren Nicks postet. Ein bemitleidenswerter Zeitgenosse..

    Frodo10
    51

    Die OÖ Grünen werden international totgeschwiegen. Zurecht.

    A ndreas Bogeschdorfer
    01
    International werden die OÖ Politiker allgemein nicht wirklich wahrgenommen.

    Das hat nichts mit Grün, blau, rot oder schwarz zu tun, sondern mit der international unbedeutenden Größe eines Bundeslandes im kleinen Österreich.

    Um da international aufzufallen, muss man schon so dämlich wie das Kärnter BZÖ oder so widerlich wie Strache sein.

    Der Mann im Fass
     
    01
    Ach.

    Und warum?

    Fakten, Freund. Fakten!

    Nicht irgendwelche Behauptungen!

    DANN reden wir weiter. Nicht vorher.

    aunty
    15

    aber die burgenländischen grünen würden international großen schaden zufügen.

    - gehts noch?

    Frodo10
    20

    Na hör´mal!

    Mim103
    00

    Wir hören?

    Der Mann im Fass
     
    03
    ???

    Was ist der Inhalt und die Aussage dieses Postings?

    Atlantis-Couple
    12
    Denkzettel-Wahl?

    Eigentlich habe ich nach den Millarden-Entscheidungen über Griechenland und die EU eine Denkzettel-Wahl erwartet.

    Aber 2 Wochen später sind sie schon vergessen. Ein Bundesheer-Einsatz, der atemberaubende 30 Millionen Euro kostet. DAS ist das dominierende Thema gewesen.

    Business as usual.

    Kein Wunder, dass uns die Politiker als Stimmvieh ansehen.

    Wopa
    12
    ???

    ... das Stimmvieh hat - im Gegensatz zu ihnen -offensichtlich verstanden, dass es bei dieser Wahl um den Landeshauptmann und nicht um das EU-Parlament ging...

    dritter mann
     
    18
    31.5.2010, 22:58
    Sehr dankbar, aber ebenso betrübt.

    Erstmals seit zwei Tagen ein goldrichtiger Kommentar, der die Verhältnisse wieder auf den Punkt bringt. Aber - was bis dahin selbst von der derStandard-CRin mitgeteilt wurde: Ein trauriges Beispiel dafür, wenn die Nichtzugehörigkeit bis zur Unkenntnis der historischen Fakten reicht - und allein das schon zur Tugend/Moral/Ethik genügt, um dieses Defizit zu rechtfertigen...
    Nein, es ist nicht leider nicht die Gewohnheit, die feige macht. Es ist fürwahr die Trägheit des Geistes, der nichts anzunehmen bereit ist.

    rompitasche
    00
    muss ein gutes posting sein,

    sonst wäre es nicht so grün eingefärbt.

    Kann mir jemand in 2-3 Sätzen erklären, was der Teil zwischen Doppelpunkt und ... bedeutet ?

    dritter mann
     
    00
    Wer immer strebend sich bemüht...

    Also: Ich finde Hinweise darauf, nie in jungen Jahren in eine Partei eingebunden gewesen zu sein, eine mehr als entbehrliche Koketterie mit dem "Unpolitischen", das einen vom Verdacht jeglicher Parteilichkeit freisprechen soll. D. h. nach meinem Dafürhalten, Unwissenheit zur Tugend zu erheben. Und so zieht es sich bis heute von Grund auf weiter. Die sog. Eliten haben keine Ahnung von der Geschichte des 20. Jahrhunderts, sondern lediglich eine etwas wolkige Vorstellung von Ethik. Also: Ganz bös was in den KZ und sonstwo war. Die auf Grund ihrer Herkunft und in die Linksparteien Eingebundenen erhielten dagegen ein Bewusstsein für die ganze Brutalität des Gewesenen sowie - und das ist halt der Unterschied - für das persönliche Einbezogensein.

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