Wieso Alaba Tag und Nacht umarmt gehört

31. Mai 2010, 18:34
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Österreichs U19-Equipe qualifiziert sich auch via Facebook für die EM in Frankreich

Hall in Tirol - "Im Fußball geht es immer um das Forcieren von Qualitäten" , sagt Andreas Heraf dem Standard. "Also habe ich vor dem Match zu meinen Jungs gesagt: ‚Spielt Fußball.‘ Das können sie. Viel mehr Vorgaben habe ich ihnen nicht geben müssen."

Als Konsequenz dieser Ansprache betreut Andreas Heraf, ehemaliger Profi unter anderem bei der Vienna und bei Rapid, im Sommer in Frankreich (18. bis 30. Juli) einen U19-EM-Teilnehmer. Österreichs Junioren setzten sich am Sonntag beim Qualifikationsturnier in Hall in der entscheidenden Partie gegen die Alterskollegen aus Dänemark mit 4:3 durch und hielten Turnierfavorit Serbien, das gegen die Schweiz gewann, dank des Sieges im direkten Duell hinter sich. "Damit war keinesfalls zu rechnen" , sagt Heraf, der die jüngste Mannschaft im Turnier coachte. "Nur mit meinem 91er-Jahrgang hätte ich die Quali nicht geschafft."

In der Tat waren es vor allem die noch jüngeren Wilden wie die Legionäre David Alaba, Christoph Knasmüllner (beide Bayern München), Marco Djuricin (Hertha BSC Berlin) und Raphael Holzhauser (VfB Stuttgart), die ihre Qualitäten unter Beweis stellten. Das 4-3-3-System mutete spektakulär an, acht Treffer standen dann auch sechs Gegentoren in drei Spielen gegenüber. "Vorne ist bei uns die Qualität" , sagte Heraf. "Solange das Umschalten in die Defensive einigermaßen funktioniert, werde ich ihnen die Offensive nicht nehmen."

Der 17-jährige Alaba, zentraler Mittelfeldakteur im Team, berief sich sozusagen selbst für die U19-Auswahl ein. Von der Existenz des Quali-Turniers in Tirol erfuhr er nur via Internet-Plattform Facebook von seinem Freund Marco Djuricin. Der ÖFB hatte ihn gar nicht informiert. "Erst als Alaba signalisierte, dass er unbedingt bei uns spielen will, haben wir uns getraut, Bayern München zu kontaktieren" , gibt Heraf zu.

Die Rutsche legte Didi Constantini, der Teamchef der Großen. Als Glücksfall erwies sich der Champions-League-Finaleinzug der Bayern. "Sonst hätte sich Constantini Alaba für das A-Länderspiel gegen Kroatien geschnappt."

Wie wichtig Alabas Führungsfunktion bei der EM wäre, daraus macht der 42-jährige Heraf keinen Hehl. "Er hat in Tirol auf dem Platz und außerhalb des Platzes sofort das Kommando übernommen, ohne den Star raushängen zu lassen. Dieser Mensch ist ein Wahnsinn, ich könnte ihn Tag und Nacht umarmen." Die großen Bayern werden diesmal sofort vom ÖFB kontaktiert. Sagt Heraf.

Die schwierigste Aufgabe im Vorfeld der EM wird es sein, die Spielerfreigaben einzuholen. Gegen Dänemark waren acht Legionäre dabei, auf Heraf warten Anrufe nach Holland, Deutschland, Italien, England. Außerdem könnte der Austrianer Aleksandar Dragovic (19) ein Comeback im Nachwuchs feiern. Heraf: "Da muss ich noch mit Constantini reden."

Als Ziel für die Endrunde der besten acht Nachwuchsteams Europas (Auslosung am Freitag in Caen) peilt Heraf einen Top-3-Gruppenplatz an. Damit wäre man automatisch für die U20-WM 2011 in Kolumbien qualifiziert. 2006, als man sich zuletzt sportlich für eine U19-EM qualifizierte, wurde Österreich Dritter. Ein Jahr später sorgten Jimmy Hoffer und Co. bei der U20-WM in Kanada mit Rang vier für Aufsehen. (David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 1. Juni 2010)

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    Andreas Heraf (42) coacht seit zwei Jahren den ÖFB-Nachwuchs.

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