Neue Direktorin der Weltbank: Sri Mulyani Indrawat

31. Mai 2010, 18:18
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Die im Kampf gegen Korruption Gestählte

Mit der Ansage, ihr Amt zurückzulegen, Indonesien zu verlassen und zur Weltbank nach Washington zu gehen, hatte Sri Mulyani Indrawati Anfang Mai für einen veritablen Kursrutsch an der Börse von Jakarta gesorgt. Für die einen wurde die 47-Jährige aus der Regierung gemobbt, weil sie als Finanzministerin in Sachen Korruption auch gegen Leute der eigenen Partei scharf vorging. Ihre Gegner sagen, der Job in Washington sei für sie eine willkommene Absprungbasis, um von eigenen Verfehlungen abzulenken. Heute, Dienstag, tritt sie ihre Arbeit im Dreierdirektorium der Weltbank an, zuständig für Lateinamerika, Ostasien, den Mittleren Osten und Afrika.

"Mulyani wird einen exzellenten Job machen. Für Indonesien ist ihr Abgang ein schwerer Verlust" , sagte der Chefvolkswirt von Standard Chartered, Fauzi Ichsan, dem Standard. "Sie allein war es, die internationalen Investoren Vertrauen in das Land gegeben hat - durch ihren Einsatz gegen Korruption und Machtmissbrauch."

Für viele Mitarbeiter im Finanzministerium war Mulyani, die ihren PhD in Ökonomie an der University of Illinois, USA, gemacht hat, anfangs eine Zumutung. So fragte sie bei Verdacht Angestellte direkt ins Gesicht, wie sie es schafften, ihre Kinder bei so einem Gehalt auf ausländische Universitäten zu schicken. Niemanden ließ sie aus mit ihrem Verdacht, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Das war vor fünf Jahren. Mulyani war gerade Finanzministerin des 240 Millionen Einwohner zählenden Landes mit der weltgrößten muslimischen Bevölkerung geworden. Sie begann, nicht nur in ihrem Ministerium, sondern im ganzen Land gegen Korruption und Steuerhinterziehung zu kämpfen.

Ihre unerschrockene Art hat Mulyani, die verheiratet ist und drei Kinder hat, einen hervorragenden Ruf eingebracht. Fachleute schreiben es vor allem Mulyanis Qualitäten zu, dass Indonesien die Wirtschafts- und Finanzkrise weitgehend unbeschadet überstanden hat. Das Wirtschaftsmagazin Forbes setzte sie auf der Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt auf Platz 23, 2006 erhielt sie von Euromoney den Titel "beste Finanzministerin der Welt" .

Massive Kritik musste Mulyani in den vergangenen Monaten wegen der Rettung der Century Bank einstecken. 2008 hatte sie gut 500 Millionen Euro in die Hand genommen, um die Bank zu verstaatlichen. Parlamentarier werfen ihr vor, dass dabei Geld veruntreut worden sei, was sie zurückweist. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2010)

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    Sri Mulyani Indrawat

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