Zielpunkt - Investoren reiten ein

31. Mai 2010, 18:00
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BluO verspricht Erhalt der Supermarktkette

Wien - Zielpunkt sieht sich von Informationen über die Zukunft unter neuem Eigentümer abgeschnitten. Geschäftsführung und Mitarbeiter erfuhren über den Verkauf der Handelskette aus den Medien, Tengelmann setzte sie darüber offiziell erst am Montag in Kenntnis. Beschwerden der Belegschaft veranlassten die Investoren von BluO nun doch zu einer Reise nach Österreich: Sie versprachen den Aufsichtsräten des Unternehmens erste Einblicke in ihre Pläne. Das Treffen ist für heute, Dienstag, anberaumt.

Knapp und kurz angebunden zum Thema Zielpunkt gaben sich die Deutschen am Tag davor in Frankfurt am Rande einer Bilanzpräsentation der BluO.

Zielpunkt sei ihnen von Tengelmann nicht geschenkt worden, man habe "einen einstelligen Millionenbetrag" bezahlt, sagte Fondsgründer Peter Löw. Er plane die Handelskette unter dem gleichen Namen fortzuführen. Details zur Restrukturierung gab er keine, auch keine Angaben, wie er den Einkauf ohne Tengelmann bewerkstelligen werde. Die dürren Eckpunkte der Strategie: Die Investoren wollen alle Listungen abklopfen und auch neue Eigenmarken entwickeln. Der Focus liege auf österreichischen Produkten.

Dass BluO keinen Kontakt zum größten Geschäftspartner der Kette, Schirnhofer, aufgenommen ha-be, habe Tengelmann so eingefordert - andere Interessenten hätten sich offenbar nicht an diese Vorgaben gehalten. Die kartellrechtliche Genehmigung der Übernahme zeichnet sich für Anfang Juli ab. Das Ziel bei allen Deals: Die Unternehmen nach einem Jahr in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Der Luxemburger Fonds ist mit 200 Millionen Euro dotiert, mit einer Option auf weitere 100 Millionen. Vor dem Kauf von Zielpunkt waren noch 80 Millionen im Topf.

Experten sehen bei den Deals ein gleichbleibendes Muster: Gibt es keinen symbolischen Kaufpreis oder eine Mitgift, werden, um die Kosten rasch reinzuspielen, Vermögensteile verkauft. Im Fall der Alzchem waren es etwa vier Wasserkraftwerke: BluO stieg 2009 in den Dünge- und Nahrungsmittel-Hersteller mit seinen 1200 Mitarbeitern ein. Mit vielen Friktionen: Im Kräftemessen mit den Betriebsräten erreichten diese letztlich einen Vertrag zur Standortsicherung bis 2013.

Weiterführen wollte Löw einst Schöps, was in Verkauf und Filetierung endete. Mit der Textilkette Adler expandiert sein Fonds hingegen. Unter anderem auf Flächen von Woolworth Österreich. Das Unternehmen ist ebenfalls unter seinen Fittichen. Bis Jahresende sperren alle bisher noch verbliebenen Filialen zu. Man habe an die Weiterführung geglaubt. Nach der Aufgabe von vier Standorten wegen Problemen mit Vermietern habe sich das Geschäft aber nicht mehr rentiert, erzählt eine Managerin.

Von einer Filetierung von Zielpunkt will Feinkosthändler Karl Schirnhofer nichts hören. Ein bisserl an Hofer, Spar und Billa spiele es nicht, sagt er dem Standard. Er habe mit Zielpunkt einen Vertrag bis 2015, daran könne keiner vorbei. Bisher habe Zielpunkt Filialen nur im Einvernehmen mit ihm geschlossen. Vergangene Woche traf man sich vor Gericht: Die Kette wollte einen Standort gegen seinen Willen auflassen. Schirnhofer ist überzeugt, dass sich Zielpunkt mit zwei Dritteln der Supermärkte rentabel führen ließe - allein und ohne Großhandelspartner. "Die Industrie ist froh über jeden Abnehmer mehr." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2010)

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