ORF-Publikumsrat kritisiert "Chili"

31. Mai 2010, 14:46
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Wrabetz: "Programmerfolg nicht das, was wir uns vorgestellt haben" - ORF-Chef verweist auf "schwierigen Sendeplatz"

Der ORF-Publikumsrat Andreas Kratschmar hat am Montag erneut Kritik an den Society-Sendungen "Backstage" und "Chili" geübt. Nach zwanzig Wochen seien die Seherzahlen immer noch niedrig und lägen nur wenig über den Konkurrenzformaten. Generaldirektor Alexander Wrabetz räumte ein, "dass der Programmerfolg nicht das ist, was wir uns vorgestellt haben", betonte aber, dass der Sendeplatz besonders schwierig sei.

"Chili" sei seit dem Sendestart am 11. Jänner durchschnittlich bei 157.000 Zuschauern gelegen. Die Vorgängersendung "Mein cooler Onkel Charlie" habe am selben Sendeplatz Anfang Jänner noch rund 167.000 Zuseher vor den Bildschirm gelockt, so Kratschmar, der von einer "Sendung ohne Verantwortlichen" sprach.

"Das Format ist weit unter den Erwartungen geblieben, die zugegebenermaßen hoch waren." "Chili" sei ein "Missgriff auf diesem Sendeplatz", kritisierte er. Die Grüne Publikumsrätin Eva Blimlinger brachte zudem die Beschwerde vor, dass sich in der Sendung Witze nach Matcho-Art über das Gewicht von ORF-Moderatorinnen gefunden hätten.

"Schwieriger Sendeplatz"

Wrabetz betonte, dass "Chili" und "Backstage" einen schwierigen Sendeplatz hätten. "Dass der Programmerfolg nicht dort ist, wo wir uns das vorgestellt haben, ist klar." Allerdings habe man auch nie "Fantasiezahlen vertreten". Fest stehe: "'Chili' muss stärker werden und muss sich sein Publikum auch erkämpfen."

Vor konkreten Maßnahmen will Wrabetz jedenfalls auch einen Entscheid des Bundeskommunikationssenates (BKS) abwarten, der darüber befindet, ob der Werbeblock zwischen "Backstage" und "Chili" als Unterbrecherwerbung zu werten ist. Dieses sei für morgen, Dienstag, zu erwarten, so der ORF-General.

Für Wrabetz stellt sich hinsichtlich des Sendeplatzes von "Chili" in Folge die Frage, "ob wir die Struktur des Vorabends erhalten können". Die Möglichkeiten, die Sendung zu verschieben, seien limitiert. Setze man "Chili" früher an, müsse das Format gegen "Bundesland heute" antreten, was noch schwierigeres Terrain sei als die derzeitige Gegenprogrammierung zur "Zeit im Bild". Ein Sendeplatz danach funktioniere auch nicht, weil dann bereits die "ZiB 20" beginne.

Grundsätzlich starte die Sendung mit 60.000 Zuschauern, die sie dann um das dreifache steigere, "allerdings erst in den letzten Minuten", so Wrabetz. Er betonte auch, dass sexistische Ansagen unzulässig seien.

Kritik übten einzelne Publikumsräte auch an den diversen Satire- und Comedysendungen, die sich in letzter Zeit vermehrt mit äußerst spitzen Pointen des Themas Missbrauch in der Kirche angenommen hatten. Thematisiert wurde unter anderem die Sendung "Welt ahoi" auf Ö1 und "Dorfers Donnerstalk", wo ja der ORF wie berichtet eine allzu brisant erscheinende Stelle vor der Ausstrahlung entfernen ließ. (APA)

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