Hintergrund

Internationales Seerecht zieht Grenzen im Meer

31. Mai 2010 13:56

Völkerrecht verbietet Anwendung staatlicher Hoheitsgewalt gegenüber fremden Schiffen auf Hoher See

Hamburg - Das UNO-Seerechtsübereinkommen von 1982 definiert klare Grenzen im Meer. Über deren Einhaltung wachen der Internationale Seegerichtshof (Hamburg), die Kommission für die Grenze des Kontinentalschelfs (New York) und die Internationale Meeresboden-Behörde (Kingston/Jamaika). Das israelische Militär hat am Montag Schiffe einer Gaza-"Solidaritätsflotte" in internationalen Gewässern gestürmt. Nach bisherigen Information wurden sie rund 70 Seemeilen vor der Küste auf Hoher See aufgebracht, fernab vom Territorium Israels.

Die Zwölf-Seemeilen-Zone (1 Seemeile = ca. 1,85 Kilometer) gehört zum Staatsgebiet. Das jeweilige Land muss aber die Durchfahrt ziviler Schiffe dulden. Über weitere zwölf Seemeilen erstreckt sich eine Anschlusszone. Bis hierhin gelten hoheitliche Rechte wie Zoll-, Steuer- und Einwanderungsbestimmungen.

Die ausschließliche Wirtschaftszone reicht 200 Seemeilen ins Meer. Staaten haben dort das alleinige Nutzungsrecht für alles, was im Meer und am Boden zu finden ist. Unter bestimmten Bedingungen können bei den Vereinten Nationen Hoheitsrechte darüber hinaus beantragt werden. Dieser "Juristischer Kontinentalschelf" genannte Bereich kann sich bis rund 350 Seemeilen von der Küste erstrecken.

Die Hohe See schließt sich an die 200-Seemeilen-Zone an. Hier fehlt jede staatliche Souveränität. Auf Hoher See gilt für alle Länder die Freiheit der Schifffahrt, der Fischerei, der Forschung und der militärischen Übungen in Friedenszeiten. Umstritten ist, ob zur international besonders geachteten Freiheit der Seeschifffahrt auch das Recht gehört, fremde Häfen anzulaufen, um dort Handel zu treiben.

Das Völkerrecht verbietet die Anwendung staatlicher Hoheitsgewalt gegenüber fremden Schiffen auf Hoher See. Das Seerechtsübereinkommen erlaubt einem Staat Zwangsmaßnahmen gegen Schiffe unter fremder Flagge in seinen Küstengewässern nur, wenn "legitime Eigeninteressen" vorliegen oder Interessen der Staatengemeinschaft verfolgt werden (zum Beispiel der Kampf gegen Piraten oder Terroristen). (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 115
1 2 3
A la recherche de la Nouvelle Star
01.06.2010 19:42
"70 Seemeilen vor der Küste auf Hoher See aufgebracht"

Die Hohe See - laut Artikel dieser Qualitätszeitung - "schließt sich an die 200-Seemeilen-Zone an".

Ergo sind 70 Seemeilen nicht Hohe See sondern "ausschließliche Wirtschaftszone"?

Settembrini
01.06.2010 17:47
Aha. Fehler heißt das.

Seit 40 Jahren nerven mich Ben Segenreich und - früher - Mosche Meisels mit ihren langweiligen Berichten über die Befindlichkeiten der israelischen Innenpolitik, von denen der Weiterbestand des Planeten abhängt. Und jetzt das.

Helmut-S
01.06.2010 15:33
Schön das der Standard die Meinung der APA kopiert

Es gilt aber sehr wohl das San Remo Manual
http://www.icrc.org/ihl.nsf/3... 1f002d49ce

welches in einem bewaffneten Konflikt erlaubt, zivile Blockadebrecher auch in internationalem Gewässer zu stoppen, zu durchsuchen, und Fracht zu beschlagnahmen.

Die letzten Raketen aus Gaza sind nicht lange her, also würde ich schon sagen das man dies als bewaffneten Konflikt betrachten kann.

kasermandl
02.06.2010 22:59
na wenn sie das schon sagen würden

dann darfs eigentlich keine Widerrede geben.

k.

Mostbluzza
02.06.2010 09:07
naunau, wer darf denn rechtsgültig blockaden verhängen?

natürlich sind gaza und israel noch immer im "krieg", ansonsten wäre der boykott und die blockade gazas sowieso rechtswidrig.

und luftrechte gibts ja auch nicht, im nachbarland libanon, wo teile sowieso annektiert sind.
...
Die libanesische Armee erklärte am Dienstagabend, dass sie Flugabwehrraketen auf vier israelische Militärflugzeuge abgefeuert habe, die in sehr niedriger Höhe über dem Südlibanon geflogen seien. UN-Kontrolleure und der Libanon teilten mit, dass die Flüge der Israelis über das Hoheitsgebiet des nördlichen Nachbarn gegen den Beschluss 1701 des UN-Sicherheitsrats verstoßen habe..

http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=5536

stasi4u stasi4u
01.06.2010 18:03
interessant

wenn also ein hamas kommando ein israelisches schiff bzw. ein schiff mit israelischen staatsbürger im mittelmeer stürmt und in einen ägyptischen hafen schleppt ist dass dann keine entführung mehr sondern eine durch internationales seerecht legitimierte handlung?

Settembrini
01.06.2010 17:41
Himmelherrgottarschundzwirn!

Ich beantrage, daß jedem, der das und daß/dass nicht beachtet, das Recht zum Posten genommen wird. Bitte.

It'tksirkrk
01.06.2010 14:33
Rechtslage hin oder her...

... den Erschossenen oder Verwundeten kann das ziemlich egal sein. Entschädigung werden weder sie resp. ihre Angehörigen je sehen. Israel hat den Fettnapf des PR-Disastsers nicht nur betreten sondern ist mit Anlauf hinein gesprungen.

Ich wundere mich ehrlich gesagt sehr darüber, wie Israel, im allgemeinen eher für gefinkelte Aktionen mit guter Propagandadeckung bekannt, so offen in das Messer der Pali-Propaganda laufen konnte. Entweder hat da jemand geschlafen oder die Palis haben mit Hilfe der Türken eine wirklich gute Maskierung hinbekommen.

Jetzt jedenfalls steht die Isr.Regierung mit herunter gelassenen Hosen da und Hamas et.al. feiern einen PR-Triumph. Denen sind die 9 Toten ziemlich egal.

Fetz Pepi
01.06.2010 11:46
nicht nur das

nicht nur das, Israel ist dort nur Besatzungsmacht, und wäre obendrein verpflichtet die Zivilbevölkerung auf eigene Kosten zu versorgen anstatt sie in ein Ghetto zu sperren, und die Menschen in ihrem (Erwerbs-) Leben zu drastisch behindern

Adolf Ogi
01.06.2010 21:55
tut es ja

wer glauben sie bezahlt die Lebensmittel, die regelmäßig von Israel nach Gaza geliefert werden? Wer bezahlt die Behandlung von kranken und verletzten Palästinensern in israelischen Krankenhäusern?

Jan Sommer
01.06.2010 10:44
Die israelische Marine pfeift sich seit vielen Jahren gar nichts.


Wenn in internationalen Gewässern, hunderte Meilen weitab von Israel, kleine Fischerboote kontrolliert werden, werden auch ältere Leute vollkommen unnötig brutal herumgestossen und mit Fusstritten malträtiert.

Die durchwegs sehr jungen Israelis machen sich einen Spass daraus, dass ihnen die Bewohner der Nachbarländer bis hin zu den griechischen Inseln hilflos ausgeliefert sind.

Beschwerden sind nutzlos, weil die sofort als Antisemitismus abgetan werden.

Im östlichen Mittelmeer Alltag.
js

madtrouble
28.09.2011 10:58
Ha erwischt!

Jan Sommer auf der Seite der Türkei, dass muss doch gefeiert werden....
Oder zeigt das lediglich dass der Judenhass bei Ihnen grösser ist als der Türkenhass?????

Muffel
 
01.06.2010 11:25

Quelle für diese Behauptungen?

Jan Sommer
02.06.2010 07:13
Mit Betroffenen selbst gesprochen und die Abschürfungen und blauen Flecken selbst gesehen.


Inkl. sinnlos beschädigter Fischereiausrüstung.
js

eagle13
 
01.06.2010 08:57
Rein völkerrechtlich wäre Israel nur bei Einsatz der Schiffe als Sendeplattform berechtigt diese auf hoher See aufzubringen. Aus den mir derzeit vorliegenden Pressemitteilungen geht dieses nicht hervor. Denn als Sendeplattform müßten die Schiffe über

eigene Einrichtungen zum Senden von Funk und Massenpublikationen verfügen mit einer breiten Öffentlichkeitswirksamkeit.Hiervon unbenommen sind normale Funk und Fernmeldeanlagen,auch wenn dieser Angriff z.B. auf Amateurfunkkanälen bekannt gegeben wird oder Videos überspielt werden.
Israel beruft sich auf den Terminus der Notwehr im Zusammenhang mit der Aufbringung der Schiffe zu mindest titeln so heute österreichische Medien. Ich Frage mich, ob man es in den Medien auch als Notwehr bezeichnen würde, wenn Syrien, Jordanien, Libanon, die palästinenser Gebiete und Ägypten eine Luft, Land und Seeblocke gegen Israel verhängen würden, weil auf diesen Wegen die IDF aufgerüstet wird und in dem Fall wäre die Berechtigung ident der israelischen jetzt.

Idefix der zweite
 
03.06.2010 13:14

Etwas noch dümmeres fällt ihnen zum Thema nicht ein?

brennessel
01.06.2010 08:41
Mein subjektives Unrechtsempfinden sagt: Die Israelische Armee hat einen Fehler gemacht.

Ob es tatsächlich unrechtmäßig war, kann ich nicht beurteilen, da mir die juristischen Kenntnisse fehlen.

Erstaunlich aber, wie viele Völkerrechtler mit hellseherischen Fähigkeiten hier posten, die offenbar ganz ohne Beweise und ohne dabei gewesen zu sein, genau wissen was vorgefallen ist und wer schuldig ist.

Stephan Schaefer
 
01.06.2010 11:56

Gehen wir mal vom Völkerrecht aus!

a) Gaza hat auch eine Küste. Das bedeutet, dass die Anfahrt dort NICHT zu israelischem Gebiet gehört!

b) Die Blockade ist völkerrechtswidrig somit ist der Angriff auf den Convoi ebenfalls völkerechtswidrig

Mfg

maboco
01.06.2010 21:41

Völkerrecht ist aber nicht deine Stärke, oder?

Stephan Schaefer
 
02.06.2010 10:24

Wenn so wie Sie denken, die Küste des Gaza-Streifens gehört zu Israel so sind SIE derjenige, der das Völkerrecht NICHT begriffen hat!

Wenn die Küste des Gaza-Streifens zu Israel gehört so ist der Bevölkerung des Gaza-Streifens DAS UNBEDINGTE RECHT einzuräumen bei der Wahl des ISRAELISCHEN Parlaments/Präsidenten MIT ABZUSTIMMEN.

Warum?

Küste Gaza = Küste Israel
Bevölkerung Gaza = Bevölkerung Israel

Verstanden?

Mfg

Dr.Michi
01.06.2010 12:54
Echt?

Ich dachte die Selbstverwaltung (und auch da mischt die Autonomiebehörde mit) ist nur für innen zuständig, nach außen ist Israel Schutzmacht.
Nachdem es außerdem ständig Waffenstillstände gibt (zwischen Israel und der Hamas), klingt das ganze nach Kriegszustand. Und wenn Kriegsrecht dann war das alles wirklich rechtens. Da kann man lange streiten drüber, unterm Strich versuchen beide Seiten Fakten zu schaffen.
Etwas provokativ:
- Hätte sich Israel in der Vergangenheit auf internationales Recht verlassen gäbe es den Staat und die meisten seiner Bewohner nicht mehr
- Was würde die Hamas machen wenn die Seiten vertauscht wären (oder: Wer will wen "von der Landkarte fegen".

Stephan Schaefer
 
02.06.2010 11:35

Schutzmacht Israel für Gaza?

Warum überfällt sie dann einen Hilfskonvoy?
Auf solche Hilfe kann man verzichten und ist zudem noch völkerrechtswidrig!
Diese Schutzmacht fliegt zur Zeit auch täglich nächtliche Bombenangriffe!

Erklärung der Völkerrechtsverhältnisse z.B. auch hier:

http://www.muslim-markt.de/forum/mes... s/1810.htm

Hier wird auch das Seerecht (Teil des Völkerrechts) mit erwähnt und genau meine beiden Punkte erwähnt!

Ausserdem schreiben Sie selbst, dass Israel sich nicht an das Völkerrecht hält.
Eine echte Sanktion ist daher UNBEDINGT notwendig!

Mfg

An Standard.at: Falls dieses Post nicht durchkommt so gehören Sie selbst auch zu den Betrügern der zionistenhörigen Presse!

Dr.Michi
02.06.2010 12:29
Der verwässerte Betrug zionismushöriger Medien

Der Link als Erklärung des hier relevanten Teils des Völkerrechts ist aber nicht ernst gemeint, oder? (Titel: "Der verwässerte Betrug zionismushöriger Medien")
Die israelische Blockade des Gazastreifens ist natürlich höchst fragwürdig, aber die Gegenseite (Hamas) ist leider kein wohlgesinnter Verhandlungspartner (Ziel: Die Gründung eines islamistischen Gotteststaates auf dem Gebiet West-Palästina vor 1948). Somit sind der Eskalation alle Wege geebnet, der friedlichen Lösung leider ganze Gebirge in den Weg gestellt. Man wird wahrscheinlich die nächste Politikergeneration auf beiden Seiten abwarten müssen bis sich das ändert. Mein Mitleid gilt denen, die abseits der gegenseitigen Hetzerei "nur" in Frieden leben wollen.

Stephan Schaefer
 
01.06.2010 13:46

- Was würde die Hamas machen wenn die Seiten vertauscht wären (oder: Wer will wen "von der Landkarte fegen".

Schauen Sei sich die Entwicklung von Palästina an.

Da werden Sie feststellen, dass Israel versucht Palästina von der Landkarte zu entfernen.
Und Abbas schaut noch zu, wie WJL in ein Schweizer Käse verwandelt wird und langsam enteignet wird.
Dies nennt man an anderer Stelle Völkervertreibung was wiederum völkerrechtswidrig ist!

Mfg

Stephan Schaefer
 
01.06.2010 13:40

--- - Hätte sich Israel in der Vergangenheit auf internationales Recht verlassen gäbe es den Staat und die meisten seiner Bewohner nicht mehr

Weil Israel ohne Krieg und Unterdrückung und Verbrechen nicht existieren kann.

Falls es so ist, dann ist es Recht, wenn Israel verschwindet!


Mfg

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 115
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.