Begnadigung für verurteiltes schwules Ehepaar

31. Mai 2010, 11:17
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Bingu wa Mutharika hat das zu 14 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilte Paar begnadigt - UN-Generalsekretär Ban lobt "mutige Entscheidung"

Lilongwe - Der malawische Präsident Bingu wa Mutharika hat das zu 14 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilte erste schwule Ehepaar des Landes begnadigt. "Ich habe entschieden, dass sie mit dem heutigen Tag begnadigt sind und dass sie freigelassen werden", sagte Mutharika am Samstag nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in der Stadt Lilongwe. International wurde die Freilassung der beiden Männer begrüßt.

Mutharika sagte, er habe sich für die Begnadigung aus humanitären Gründen entschieden - nicht weil er dulde, was die beiden Männer getan hätten. "Unsere Traditionen und Kultur erlauben keine Hochzeiten von Homosexuellen", sagte er. Das, was die beiden Männer getan hätten, sei "völlig falsch".

Ban begrüßte und lobte diese "sehr mutige Entscheidung" der Begnadigung. Er forderte, das in Malawi diesbezüglich geltende "veraltete Recht" zu reformieren. Malawi hat derzeit den Vorsitz der Afrikanischen Union.

Strafe sollte Nachahmer stoppen

Ein Gericht in der Stadt Blantyre hatte gegen die Männer vor gut einer Woche die Höchststrafe verhängt. Der Richter sagte zur Begründung, die harte Strafe solle vor allem mögliche Nachahmer davon abhalten, dem "abscheulichen Beispiel" der beiden Angeklagten zu folgen. Malawi sei dafür noch nicht bereit. Die beiden 26 und 20 Jahre alten Männer hatten sich Ende Dezember in einer öffentlichen Zeremonie das Ja-Wort gegeben und waren direkt danach festgenommen worden.

Sie kamen nach Angaben einer Homosexuellen-Organisation in der Nacht zum Sonntag frei und wurden von Gefängniswärtern getrennt in ihre Heimatdörfer gebracht. Das bestätigte der Direktor der Bewegung CEDEP, die für die beiden Männer die Gerichtskosten gezahlt hatten.

Entscheidung zugunsten der Menschenrechte

Die USA begrüßten das Urteil. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, die Männer seien keine Kriminellen und seien nicht allein in ihrem Kampf. Die Verfolgung und Kriminalisierung aufgrund sexueller Orientierung müsse enden. Die Regierung in Großbritannien erklärte, das Land habe eine enge und starke Beziehung zu Malawi und begrüßte die Entscheidung zugunsten der Menschenrechte. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, sprach von einer "wunderbaren Nachricht". Er hoffe, dass in Malawi jetzt ein Umdenken der "vormodernen Gesellschaftspolitik" einsetze.

Homosexualität ist in Malawi verboten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch steht in Afrika in 38 von 53 Ländern Homosexualität unter Strafe, teilweise droht sogar die Todesstrafe. Nur in Südafrika sind gleichgeschlechtliche Zivilehen erlaubt. (APA)

 

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