Frauenbericht: Doppelte Benachteiligung

Blog31. Mai 2010, 10:09
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Migrantinnen sind öfter arbeitslos und ihr durchschnittlicher Verdienst ist um rund ein Drittel niedriger. Sie verfügen aber auch öfter über höhere Abschlüsse als österreichische Staatsbürgerinnen.

Der Frauenbericht 2010 berücksichtigte zum ersten Mal auch die in Österreich lebenden Migrantinnen . Diese sind besonders benachteiligt, wie die aktuelle Erhebung belegt. Sie haben demnach häufiger mit atypischen Arbeitsverhältnissen zu kämpfen als Österreicherinnen, die Arbeitslosenquote unter ihnen liegt höher und ihr durchschnittlicher Verdienst ist um rund ein Drittel niedriger.

Bei der Ausbildung der Migrantinnen zeigt sich ein differenziertes Bild: Während 2008 rund 22,3 Prozent der 25- bis 64-jährigen Österreicherinnen als höchsten Abschluss nur die Pflichtschule vorweisen konnten, waren es bei den Ausländerinnen rund 35,4 Prozent. Allerdings verfügten rund 36,5 Prozent der ausländischen Staatsbürgerinnen über einen Maturaabschluss oder eine akademische Ausbildung, bei den Österreicherinnen war es nur etwas mehr als ein Viertel. Insgesamt rund 17,4 Prozent der Ausländerinnen hatte einen akademischen Abschluss, wogegen es bei den Österreicherinnen lediglich rund 13,3 Prozent waren.

Mühsame Nostrifizierung

Ein Großteil der Migrantinnen aus Ländern außerhalb Europas zählt zur hochqualifizierten Bevölkerung, belegt der Frauenbericht. Die starke Diskrepanz zwischen dem vergleichsweise hohem Bildungsstand und der starken Benachteiligung der Migrantinnen am Arbeitsmarkt lässt sich, zum Teil, auf den oft mühsamen Prozess der Nostrifizierung ausländischer Diplome und Abschlüsse zurückführen. Nach jahrelangen, geldintensiven bürokratischen Hürdenläufen arbeiten diese Frauen schlussendlich oft in Niedriglohnbranchen und verrichten Aushilfsjobs.

Informelle Diskriminierung?!

Doch selbst hoch qualifizierte MigrantInnen, die im Land ausgebildet wurden, haben es auf dem Arbeitsmarkt oft schwerer als InländerInnen, das belegen aktuelle deutsche Studien. "Hindernisse ergeben sich nicht nur, wie viel diskutiert, durch fehlende Qualifizierung oder Sprachdefizite, sondern auch durch eine informelle Diskriminierung", betont Carola Burkert vom deutschen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf der Fachtagung „Beyond Anerkennung – Wege zum beruflichen Erfolg für hoch qualifizierte Migranten". Laut einer OECD-Studie müssen MigrantInnen allein ihres fremdländischen Namens wegen drei- bis vier Mal so viele Bewerbungen schreiben wie Deutsche, bis sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Für Österreich liegt uns keine vergleichbare Untersuchung vor, aber die Ergebnisse des Frauenberichts und Arbeitsmarktstatistiken lassen aufhorchen. (Olivera Stajić, 31. Mai 2010)

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