Niessl als kleiner Orban - Grüne stecken im Schilf

31. Mai 2010 10:00

Burgenland: Einer massiven Stärkung der Rechtstendenzen steht eine ebenso massive Schwächung der humanitären und christlichen Linken gegenüber

Die Verteidigung des fortdauernden und sündteuren Gugelhupf-Essens der Grenzsoldaten mit den burgenländischen Pensionisten hat Hans Niessl zwar nicht die Absolute gesichert, aber Werner Faymann die Schmach erspart, schon wieder in einem Bundesland abgestürzt zu sein.

Das burgenländische Wahlergebnis sollte man nicht nur im österreichischen, sondern auch im ost-mitteleuropäischen Vergleich beurteilen. Die Menschen an der Leitha und an der Raab sind ihren östlichen Nachbarn näher als Tirolern oder Vorarlbergern. Weshalb man den Landeshauptmann durchaus mit den Populisten in Ungarn und in der Slowakei vergleichen darf. Niessl hat natürlich nicht die Brillanz eines Viktor Orban, aber die populistischen Melodien halten einem Vergleich durchaus stand.

Alle drei Länder, Österreich eingeschlossen, haben nicht nur eine massive populistische Tradition (siehe auch die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen der Slowakei und Ungarn), sondern auch eine militante. Das Spielen mit der im Burgenland ansonsten völlig unüblichen direkten Demokratie in Sachen Eberau liefert Hinweise. Die auffällig große Zahl ungarischer Namen auf der Liste der FPÖ ist ebenfalls ein Hinweis auf Parallelen.

In der SPÖ, deren (auch burgenländische) Basis Niessls Rechts-Populismus als richtig und als Garant für die Behauptung der Führung im Lande betrachten wird, hat sich längst so etwas wie eine Wandlung zum Sozial-Nationalen ereignet - ähnlich wie in der Fidesz Orebans oder in der Partei des slowakischen Regierungschefs Robert Fico. Das ist der ideologische Befund nach dieser Regionalwahl.

Einer massiven Stärkung der Rechtstendenzen steht eine ebenso massive Schwächung der humanitären und christlichen Linken gegenüber. Die Grünen werden sich vielleicht noch über die Wahlkarten in den Landtag retten. Weil sich jedoch Eva Glawischnig persönlich in der Wahlkampagne engagiert hat, ist das Resultat auch ihre Niederlage.

In Tschechien flogen die Grünen ebenfalls aus dem Parlament. Der Vergleich hinkt wegen der unterschiedlichen Größe der Länder. Und die relativ hohen Anteile der Grünen in Westungarn können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie im Osten Europas nicht vom Fleck kommen und die österreichische Partei in diesen Sog gerät.

Das läßt für die Wahlen in der Steiermark und in Wien nichts Gutes erwarten. Eva Glawischnig ist als Regentin offenbar gescheitert und Maria Vassilakou hat mit ihrer Koalitionsaussage für Michael Häupl vermutlich den selben Fahler gemacht wie Michel Raimon mit seiner Verneigung vor Hans Niessl.

Die Grünen werden sich jetzt überlegen müssen, ob sie ihren "Aristokraten" Alexander van der Bellen in der Bundeshauptstadt nicht nur für die City als Spitzenkandidaten aufstellen, sondern für ganz Wien. "Sascha" hätte möglicherweise unter jungen Wählern den selben Appeal wie Karl Schwarzenberg in Tschechien.

Im Schilf des Neusiedlersees sind die Grünen bereits stecken geblieben, im steirischen Unterholz drohen sie zu verkommen und in der Wiener Polarisierung zwischen Michael Häupl und H.-C. Strache kann es zur griechischen Tragödie kommen. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 31.5.2010)

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fine
14.06.2010 01:48

fast schon besorgniserregend obstrus!

Section Control
01.06.2010 07:42
Grüne = christliche Linke?

Mag sein, aber nur eine winzige Splittergruppe in der Partei, die als Feigenblatt dient. Die Grünen sollten mal vom links-rechts Schema weg.

Savonarola
31.05.2010 19:48
Der Bias der Standardmitarbeiter ...

( polit. Grünpräferenz mit allen Implikationen ) macht die Lektüre von politischen Beiträgen anstrengend bis unerträglich.

1ager
 
31.05.2010 18:40
GRÜN heißt grün


und nicht:
lila
rosa
dunkelrot
unblau
antibraun

also: GRÜN soll wieder grün sein!

Hlsebastian
31.05.2010 17:27
Jeder Verlust der Linken (egal ob rot oder grün)

ist ein Gewinn für Österreich.

Banal Grande
31.05.2010 16:56
Glawischnig muss bleiben

So bleiben dem Land die grünen erspart.

bloody-nine
31.05.2010 16:52
es is wirklich sagenhaft

wie sehr sperl in letzter zeit in immer krauseres, hanebücheneres geschwafel und immer abstrusere assoziationen abgleitet.

niessl wie orban oder fico, weil nur wenige kilometer von diesen entfernt? die österreichischen grünen im abwärtssog der osteuropäischen?

W T F???

Es ist Zeit für Gerechtigkeit!
31.05.2010 16:41
Niessl als kleiner Orban, sagt Sperl der kleine Trollvottel!

Was hat Niessl mit Orban gemein?

Der Sperl verglawischnigt uns unter der Hand!

Ernst Dorfner
31.05.2010 14:22
Sozial-national, oder auch National-Sozial, kurz NS geschrieben

bormester
31.05.2010 14:05

So einen oberflächlichen Artikel hab ich schon lange nicht mehr gesehen!

another_stranger_me
31.05.2010 13:27

so, jetzt wo der wahlkampf vorbei ist, kann man nun endlich vernünftig darüber reden, wann man den grenzeinsatz abschafft

Neumann
31.05.2010 13:26
Symptomatisch

Der Kommentar ist wieder mal symptomatisch für die Oberflächlichkeit unsere Zeit. Tippfehler und falsche Details lassen auf Hast oder auch mangelnden Durchblick schließen, so schnitten doch die Grünen (LMP) gerade im konservativen Westungarn (Vas, Gyor-Moson-Sopron) deutlich unter dem Landesdurchschnitt ab.
Orbán wird hier zumindest Brillanz nicht abgesprochen - v.a. verglichen mit gewissen Vorgängern nachvollziehbar, zu seiner Person fallen mir allerdings dutzende Eigenschaften eher ein als der Populismus.
Die Kommentare der letzten Zeit unterstreichen ja mit ihren vorschnellen Folgerungen, dass (nicht nur) die Bgld-Ergebnisse wirklich zu denken geben sollten. Mehr Gründlichkeit und Ausgewogenheit wären ein besserer Anfang.

fridakeynes
31.05.2010 13:24
die grünen haben im burgenland endlich

eine auf den deckel bekommen! die vorangegangenen niederlagen in anderen bundesländern (lächerliche 0,x % plus waren ja bekanntlich grandiose wahlsiege) haben sie ja noch in erfolge umgedeutet, diesmal ist die botschaft klar: mit den jetzigen grünen ist kein hof zu machen, glawischnig ist schwach wie nie und die kniefälle vor den roten haben den grünen nicht gutgetan! sie vergessen anscheinend, dass ihre basis gutbürgerlich ist....und ein paar fetzige konzepte zu den alltäglichen problemen der staatsbürger wären auch gefragt, aber anscheinend sind die grünen von grassierender ideenlosigkeit seit van der bellens abgang befallen....schade um das potenzial!!!!

Poldi Fesch
31.05.2010 14:27
:)) ja, das gehoert

zu den lustigen Dingen bei den Gruenen, die am weitesten links stehende Partei hat die buergerlichsten Waehler

Section Control
01.06.2010 07:44
Ist nun mal so

Poldi Fesch
01.06.2010 10:14
bleibt aber

lustig

rapidfans.at
31.05.2010 13:21
habe früher auch die grünen gewählt.

nur hab ich mittlerweile nur mehr das gefühl, dass es sich um fantasten handelt. viele ansätze sind ja menschlich und humanitär ok und nachvollziehbar. aber immer nur das unmögliche zu fordern, und damit dann nichts auch nur ein stückweit verbessern zu könenn, damit werden sie nicht weiter kommen.

in wirtschaftlich turbulenten zeiten setzten sie leider auf zu wenig verschiedene themen.

Neumann
31.05.2010 13:26
Bandbreite

Ja, die inhaltliche Bandbreite der Grünen in Ungarn ist ist als positives Beispiel zu werten. Auch wenn der größte Erfolgsfaktor wohl das von den Liberalen v.a. in Budapest hinterlassene Vakuum war.

pinguin78
31.05.2010 13:04

griechische tragödie...

Neumann
31.05.2010 12:45
Symptomatischer Kommentar

Der Kommentar mir wieder mal symptomatisch für die Oberflächlichkeit unsere Zeit. Tippfehler und falsche Details lassen auf Hast oder auch mangelnden Durchblick schließen, so schnitten doch die Grünen (LMP) gerade im konservativen Westungarn (Vas, Gyor-Moson-Sopron) deutlich unter dem Landesdurchschnitt ab.
Orbán wird hier zumindest Brillanz nicht abgesprochen - v.a. verglichen mit gewissen Vorgängern nachvollziehbar, zu seiner Person fallen mir allerdings dutzende Eigenschaften eher ein, als der Populismus.
Die Kommentare der letzten Zeit unterstreichen ja mit ihren vorschnellen Folgerungen, dass (nicht nur) die Bgld-Ergebnisse wirklich zu denken geben sollten. Mehr Gründlichkeit und Ausgewogenheit wären ein besserer Anfang.

Lalai Dama
31.05.2010 12:43
Das halbe FPÖ-Team

mit Benkö Ilse; Molnar Geza sitzt ohnehin schon bald im ungarischen Parlament, dem richtigen Ort für gescheiterte Möchtegern-Herrenmenschen

rosenkavalier71
31.05.2010 18:13

wen meinen Sie da genau?

Marquis
31.05.2010 12:29
Die Grünen brauchen einen Macht und Ideologiewechsel

Wem interessieren im Zeiten der Finanzkrise, astronomischer Schuldenberge, Euro Abwertung, Inflationsangst, Klimawandel, Umweltzerstörung und enormer Migrationsdruck noch

Feminismus und nie wieder Faschismus ?

Die Grünen sollen endlich aus ihrer Lethargie aufwachen und begreifen, dass außer ihnen, sich niemand für FreundinnenWirtschaft und Hackordnung im Hühnerstall interessiert.

Jene Grüne Straßenkatze
31.05.2010 11:38
...

Ich finde es ja toll, eine Analyse zu verfassen, die voraussetzt, dass Populismus etwas Abzulehnendes ist, um dann in der Conclusio den Austausch von Spitzenkandidaten aufgrund von Popularität vorzuschlagen.

Bravo, Ironie gelungen.

Dr Schnorrle
 
31.05.2010 11:41

Sie wissen aber schon, dass Populismus und Popularität nicht ganz genau das gleiche sind, oder?

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