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Journalisten sollten vorsichtig sein, an der Stadt, in der und über die sie schreiben, etwas zu loben. Oder "besser als früher" zu nennen: Es könnten - erst recht auf kommunalen Eigen-PR-Events - Politiker in Hörweite stehen und laut "Öha!" rufen. Und fortan erklären, dass gelobt wurde, was sonst ausgiebigst gezaust wird.
So begab es sich, dass Ulli Sima, Wiens SP-Umweltstadträtin, mich bei der "Eröffnung" der "ersten Wiener E-Bike-Tankstelle" (einer Steckdose) per "Öha!" stellte. Und forderte, den Satz, dass Radfahren in Wien nicht bloß "eh ganz okay" sei, sondern "viel besser funktioniert" als noch vor einigen Jahren, nochmal zu hören. Sima grinste mich triumphierend an: "Du hast es gesagt!" (gegen das kommunalpolitische Vereinnahmungs-Du ist man machtlos). Ich wand mich.
Aber Fakt ist: Ich hatte tatsächlich gesagt, dass Radfahren in Wien heute besser funktioniert als vor zehn Jahren. Einfach qua Häufigkeit: Wo Autofahrer früher nicht mit Radfahrern rechnen mussten, treten sie nun so massiert auf, dass sie ohne gröbere Lackschadengefahr nicht mehr zu ignorieren sind. Und das nicht wegen, sondern trotz der Art, wie Radfahren in der Stadt gefördert wird.
Doch als ich an dieser Stelle meiner Wiederholung angekommen war, war Sima schon wieder weg. Und ersparte sich so auch die zweite Einschränkung: Ich war gerade heimgekommen. Nicht aus Kopenhagen, Graz, Berlin oder München - sondern aus Prag. Und im Vergleich zur "goldenen Stadt" würde ich mich am Rad sogar in einem Nascar- oder Autocrash-Rennen wohl und sicher fühlen. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/28.5.2010)
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Das war in den "Stadtgeschichten" bereits nach einigen Ausgaben so: nichts mehr über die Stadt sondern nur mehr über die Befindlichkeiten von A., B. und C.. Und hier nichts mehr über Rad & Co sondern über R., S. & T.
Bemerkenswert an dieser Kolumne: der Politikerin S. muss es politisch schon sehr schlecht gehen, dass Sie unseren R. irgendwie genötigt/erpresst hat, ihren Namen voll auszuschreiben. Wie sang schon der berühmte Wiener Chansonnier Richard Weihs: "Simaring, oh Simaring"...
Herzelichst
Ihr Lappe
geplanten 8%: Erst bei 8% spricht man von einem "allgemein anerkannten Verkehrsmittel".
Die Radverkehrspolitik in Wien besteht hauptsächlich aus
- geschönte Statistiken (man könnte auch sagen: Lügen) a la "steigt jedes Jahr stark an"
- Anlage von Gehsteigradwegen, über die Fussgänger gegen Radler aufgehetzt werden.
Mit Fahrradförderung hat das nichts zu tun.
Was wäre Wien ohne die Suderanten.
Der "Radverkehrsanteil" ist schlicht und einfach ein schlechtes Maß der Fahrradbenutzung.
Manchmal wird er definiert als Prozent der Wege die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, sprich berücksichtigt die zurückgelegten Distanzen nicht, und manchmal wird er definiert als Prozent der Bevölkerung die ein Fahrrad benutzt, sprich berücksichtigt die Intensität der Nutzung durch die Nutzer nicht.
Die Zählstelle am Ring zeigt eindeutig einen sehr starken Anstieg der Fahrradnutzung was vermuten lässt dass das auch anderswo in Wien der Fall sein wird.
Insofern: wer primitive Maßzahlen verwendet ohne sich deren Schwächen vor Augen zu halten sollte diese nicht überinterpretieren.
Für den Radverkehrsanteil wird gewöhnlich der modal split herangezogen, hat natürlich Schwächen, aber eine gemeinsame, halbwegs belastbare, überprüfbare und vergleichbare Diskussionsgrundlage braucht man halt, wenn man Aussagen über den Radverkehr treffen will.
Aber was wäre denn ein besseres Maß?
Aus einer Zählstelle am Ring kann man keine vernünftige Aussage für ganz Wien treffen.
Neben Ringstraße schlage ich vor: Triester Straße (irgendwo zwischen Matzleinsdorfer Platz und Spinnerin am Kreuz), linke und rechte Wienzeile, Hadikgasse, Praterbrücke oben und unten, innerer und äußerer Gürtel.
ist unten ja schon so stark befahren, dass es manchmal schon angenehmer wäre oben drüber zu fahren.
Besonders lieb hab ich diejenigen, die mir in der Nacht bei Nieseln in der Auffahrtsspirale auf der falschen Seite entgegenkommen. Natürlich ohne Licht.
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