Partnerzeremonie für Homosexuelle "nur am Dienstag"

30. Mai 2010, 19:33
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Salzburger Marmorsaal bleibt an den Trauungstagen Freitag und Samstag Hetero-Paaren vorbehalten

Salzburg - Als Ende 2009 der ressortzuständige Vizebürgermeister Harald Preuner (VP) verkündete, den Marmorsaal im Salzburger Schloss Mirabell für Partnerschaftszeremonien gleichgeschlechtlicher Paare zu öffnen, war dies für viele eine Überraschung. Ausgerechnet die sonst nicht gerade für liberale Haltungen bekannte Stadt-VP wagte diesen Schritt, während beispielsweise der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl schwulen und lesbischen Paaren den Zutritt zum Trauungssaal verwehrt hatte.

Ganz ohne Diskriminierung geht das Thema aber auch in Salzburg nicht über die Bühne. Für die Partnerschaftszeremonien steht der als "schönster Trauungssaal der Welt" geltende Marmorsaal nur dienstags zur Verfügung. Die beiden anderen Trauungstage - Freitag und Samstag - bleiben heterosexuellen Paaren vorbehalten.

Was wie eine Nebensächlichkeit klingt, ist für Verpartnerungswillige eine Diskriminierung. Man habe eine große Feier - ähnlich einer Hochzeit eben - mit Verwandten und Freunden geplant, erzählt ein Betroffener. Dann hieß es: "Nur am Dienstag." Aber wer habe am Dienstag schon Zeit?

Dass der Saal für Homosexuelle ausschließlich unter der Woche geöffnet sei, rechtfertigt ein Sprecher Preuners mit organisatorischen Problemen. Da die Eintragung der Partnerschaft formell vor der Feier im Marmorsaal in den Räumen des Standesamtes zu erfolgen habe, wären die personellen Kapazitäten des Standesamtes an heiratsstarken Samstagen ausgeschöpft, wird das Büro Preuners in einer Gratiszeitung zitiert.

Das Thema hat auch die Kommunalpolitik erreicht. "Eine Ungleichbehandlung, die in einer weltoffenen Stadt wie Salzburg nicht vorkommen darf", kommentiert Bürgerlistengemeinderätin Ingeborg Haller die Dienstagsregelung. Organisatorische Gründe lässt sie nicht gelten. Wenn die Stadt wolle, dass der Trauungssaal für alle offenstehe, dann müsse für Homosexuelle das Gleiche gelten wie für Heterosexuelle. Haller hat im Gemeinderat einen Antrag auf Gleichstellung homosexueller Paare eingebracht. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 31. Mai 2010)

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