Analyse

Arbeitslosigkeit und Sicherheit wichtigste Themen

30. Mai 2010 20:57

SORA-Wahltagsbefragung: 73 Prozent der SPÖ-Wähler gaben als wichtigsten Grund für ihre Wahl an, dass sie Niessl weiterhin als Landeshauptmann haben wollen

Das Meinungsforschungsinstitut SORA hat nach nach der Landtagswahl im Burgenland eine Wahltagsbefragung durchgeführt. Die Ergebnisse:

Wer hat wen gewählt?

Die SPÖ konnte 2010 überdurchschnittlich stark unter Frauen punkten. In dieser Gruppe erzielte sie 56 Prozent, während sie unter Männern nur 40 Prozent erreichte. Dieser Abstand ist im Vergleich zu früheren Wahlen extrem groß. Bei den Männern konnten umgekehrt ÖVP und FPÖ positiver abschneiden, sie kamen auf 38 Prozent (ÖVP) bzw. 16 Prozent (FPÖ). Die Grünen wiederum wurden von beiden Geschlechtern in etwa gleich stark gewählt, ebenso die Liste Burgenland.

WählerInnen unter 30 gaben ihre Stimmen vor allem der ÖVP, sie ist in dieser Altersgruppe mit 37 Prozent stärkste Partei. Die SPÖ erzielte hier 29 Prozent, die FPÖ 23 und die Grünen 10 Prozent. Bei den über 60jährigen lag die SPÖ mit 58 Prozent mit deutlichem Abstand vorne, die ÖVP erreichte 35 Prozent. Die restlichen Parteien blieben in dieser Altersgruppe im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Wahlmotive

Das wichtigste Motiv der SPÖ-WählerInnen 2010 für ihre Entscheidung war der Wunsch, dass Hans Niessl Landeshauptmann bleiben solle. 73 Prozent stimmten dieser Aussage sehr zu. An zweiter Stelle der Wahlmotive folgte die Meinung, die SPÖ vertrete die persönlichen Interessen am besten (68% stimmten sehr zu) sowie das Stammwählermotiv (67% stimmten sehr zu). Ein weiterer wichtiger Entscheidungsgrund für die SPÖ war deren bisherige Arbeit in der Landesregierung. Und 55 Prozent stimmten für die SPÖ, um deren absolute Mehrheit zu erhalten. Das Asylzentrum Eberau bzw. das Auftreten der SPÖ dagegen war hingegen kein wesentliches Wahlmotiv.

Der wichtigste Grund, 2010 die ÖVP zu wählen, war für ihre AnhängerInnen das Stammwählermotiv. Rund zwei Drittel bezeichneten dieses als sehr wichtig. 60 Prozent gaben als Grund für ihre Entscheidung an, dass die SPÖ die absolute Mehrheit verlieren solle. Dahinter folgten in der Reihung der Wahlmotive die Interessensvertretung (55%) und die Kompetenz der Partei in Wirtschaftsfragen (52%).

Das Auftreten gegen Zuwanderung war das meistgenannte Motiv für eine Stimme für die FPÖ, 72 Prozent bezeichneten es als sehr wichtig. Eine große Rolle spielte weiters die Einschätzung, dass die FPÖ auf die wichtigen Themen setze und der Wunsch, dass die Partei in die Landesregierung kommen solle. Das Kippen der absoluten Mehrheit der SPÖ war für rund 64 Prozent der FPÖ-WählerInnen ein sehr wichtiges Motiv.

Den direkten Vergleich der Spitzenkandidaten konnte Hans Niessl deutlich für sich entscheiden, 58 nannten seine Person als sehr wichtiges Wahlmotiv. Auf dem zweiten Platz landete Franz Steindl mit 35 Prozent, dahinter folgte Johann Tschürtz mit 32 Prozent.

Die Wahlmotive für die Grünen und die Liste Burgenland können aufgrund der geringen Fallzahl für beide Parteien nicht gesondert ausgewiesen werden.

Wahlkampfthemen

Das wichtigste Thema für die BurgenländerInnen bei ihrer Wahlentscheidung 2010 war das Problem der Arbeitslosigkeit. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass dieses Thema für sie sehr wichtig sei. Ebenfalls wichtig waren Sicherheit (60%) und – mit etwas Abstand – der Umweltschutz und das Setzen auf erneuerbare Energien (51%). Aktuelle Themen wie etwa der Assistenzeinsatz des Bundesheeres an der Grenze (34%) oder das Asylzentrum Eberau (33%) spielten demgegenüber nur für rund ein Drittel der Befragten eine sehr wichtige Rolle.

Im Wahlkampf diskutierte Veränderungen wie etwa die Verkleinerung des Landtages, die Abschaffung des Proporzes oder die generelle Diskussion um den Erhalt oder Verlust der absoluten Mehrheit der SPÖ hatten ebenfalls nur geringe Bedeutung.

Wichtigste Motive der NichtwählerInnen für ihre Entscheidung war die Meinung, dass sich durch die Wahl im Burgenland nichts ändern werde (18% stimmten sehr zu). Gleichauf lag das Motiv, dass keiner der Kandidaten ansprechend sei, knapp dahinter folgte die Enttäuschung über die bisher gewählte Partei (15%). Unattraktive Parteien und generell mangelndes Interesse an der Wahl spielten ebenfalls eine Rolle für die NichtwählerInnen. (red, derStandard.at, 30.5.2010)

Kommentar posten
12 Postings
hatschepsut333
31.05.2010 17:00
verstehe ich nicht mehr ...

und schon wieder bekommt der kaffeesud in den medien raum und platz. wie soll bei einer exit-poll, bei der - angeblich vor dem wahlklokal - wählerInnen gefragt werden, nichtwählerInnen nach ihren motiven gefragt werden?

in den letzten jahren hat in der wahlforschung weder prognosemäßig noch sonst wie auch nur irgendwas gestimmt. aber die müssen ja auch was verdienen, nur ernst nehmen?

Quasselmodo
31.05.2010 08:44
Selten

so eine unglaubwürdige Studie gesehen.
Es gab genau 1 Partei, die zu Eberau und Assistenzeinsatz eine abweichende Meinung darstellte, und diese Partei hat - relativ gesehen - am meisten abgelegt. Da ist wohl wieder die Differenz aus mit dem Verstand Reden und mit dem Bauch Handeln sichtbar.
Ich hoffe immer noch, dass irgendwann auch das mit dem Verstand Handeln eintritt. Ich bin eben ein unverbesserlicher Optimist.

Erika Rothen
31.05.2010 09:38
Warum sollten die Burgenländer gescheiter sein

als die kronenzeitungslesenden Stammtischler in den anderen Bundesländern?

Kubaner
31.05.2010 07:09
unnötig

Der Assistenzeinsatz des Bundesheeres an der Grenze ist überflüssig. Wird von Nissl verlangt, egal was das kostet! So wird Geld verschwendet! Eingsperrt ghörns!

le concierge
31.05.2010 02:52
Stammwählermotiv

2/3 der ÖVP und SPÖ Wähler geben also an, das Stammwählermotiv war sehr wichtig für ihre Wahlentscheidung.
Sehr schockierend, dass also bei 55% der abgegebenen Stimmen offensichtlich die politische Ausrichtung des Elternhauses ein gutes Stück zur Wahlentscheidung beigetragen hat.
Bei politischem Mitläufertum blind die eigene Partei zu wählen, lass ich mir einreden, aber so viele gibts da im Bgl auch nicht (s. http://burgenland.orf.at/stories/71851/ )
Bei diesem Stammwähleranteil dämmert mir, warum sich unsere Politik in diesem kläglichen Zustand befindet: Es hat keinen Sinn sich mit Politik wirklich zu beschäftigen und seine Stimme wohlüberlegt abzugeben. Eine fundierte Meinung in Ö. versinkt sofort im Meer der Ignoranz.

Thomas Felder
30.05.2010 22:04
WählerInnen unter 30 gaben ihre Stimmen vor allem der ÖVP

absolut unverständlich

Ceterum Censeo2
31.05.2010 15:20
Ich würde mir an Stelle der SPÖ sehr viele Gedanken machen,

denn ihr sterben die Wähler/innen im wahrsten Sinne des Wortes weg. Gegen die Demografie ist kein Kraut gewachsen, zumindest kurzfristig nicht.

Bis dato hat die SPÖ rein gar nichts zur Umpositionierung unternommen.. Das wird ihr massiv auf den Kopf fallen

haribellafonte
31.05.2010 11:40

Die SPÖ hat sich halt schon als Pensionistenpartei plaziert, und fällt für die Jungen schon mal aus.

jimmydean
31.05.2010 09:58
verstehe ich auch nicht

gibt's da bei der jugend so einen neuen trend "ich werde bauer?"... oder wollen die alle einen großkonzern mit filialen im ausland gründen, um die gruppenbesteuerung voll auszunützen ? ...ansonsten bringt ihnen die övp-politik nämlich genau nichts...

Entropix
31.05.2010 09:45
Begründung?

Thomas Felder
01.06.2010 11:03

die övp tut doch rein gar nichts für junge menschen, im gegenteil, stemmt sich gegen moderne bildung wo es nur geht

aceFruchtsaft
31.05.2010 09:30

Die ÖVP hat halt Wirtschaftskompetenz...
zumindest stirbt dieser Mythos nicht aus.

;)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.