Sparvarianten: Von den Dienstautos bis zur Musik

30. Mai 2010, 19:58

Bei Politikergehältern zu sparen bringt nichts - Sparvarianten mit Vorbildwirkung gäbe es aber genug

Wieder hat jemand eine Umfrage bezahlt, deren Ergebnis man von vornherein kennt: Über 80 Prozent der Bevölkerung wollen die Gehälter der Politiker kürzen. Vermutlich so lange, bis sich nur noch Leiharbeiter oder unbegabte Besserwisser für politische Aufgaben zur Verfügung stellen.

Da zu sparen bringt wirklich nichts. Zumal die österreichischen Regierer und Abgeordneten ohnehin einem Einfrieren ihrer Bezüge zugestimmt haben.

Tatsächlich aber gibt es Varianten des Sparens, die zwar keine Budgetsanierung bringen, die aber durch ihre Vorbildwirkung den Sparwillen in der Bevölkerung befeuern könnten.

Eine spektakuläre Einsparung wäre die Abschaffung der Dienstautos (mit Ausnahme des Bundespräsidenten). In Wien könnten die Minister mit dem Taxi fahren, mit dem Mietauto zum Flughafen und wieder zurück, in die größeren Städte mit den ÖBB. Wahrscheinlich mit dem Nebeneffekt einer beschleunigten (Komfort-)Reform der Bundesbahnen.

Eine zweite Maßnahme wäre die Halbierung des Personals in den Regierungskanzleien. Die Minister haben zu viele Pressesekretäre, bei Doris Bures beispielsweise ist eine Person nur damit beschäftigt, Inserate in den Medienboulevard zu schaufeln.

Apropos Inserate: nicht dass dem Boulevard Einschaltungen der Regierung vorenthalten werden sollen. Aber dass beispielsweise die Schulministerin Claudia Schmied das meiste Geld in ein Blatt schiebt, das ein Instrument der Unbildung ist, sollte mitten in der Krise nicht geduldet werden. Also: Herunter mit der Zahl der Regierungsinserate zugunsten einer gerechteren Verteilung - nach dem Prinzip der Presseförderung zum Beispiel.

Interessant wäre auch eine systematische Suche nach leerstehenden oder nicht effizient genützten Räumen in Bundesgebäuden. Man könnte sie um gutes Geld vermieten.

Sollte man - ein größerer Brocken - an einen Wiederverkauf der Eurofighter denken? Viele Jahre könnte man mit dem Erlös die noch vorhandenen Kasernen sanieren oder manche von ihnen durch variable Container-Compounds ersetzen. Apropos Bundesheer: Die Heeresspitäler sind wenig ausgelastet. Man sollte sie auflassen. Die Heeres-Musikkapellen sind ebenfalls ein Kostenpunkt. Ihre Aufgaben könnten ganz leicht von der lokalen Blasmusik übernommen werden.

Vom unnötigen Grenzeinsatz (inklusive Gugelhupf-Essen mit Pensionisten) ist in dieser Kolumne nach einem Lokalaugenschein schon die Rede gewesen. Jetzt nach den burgenländischen Wahlen sollte das Auslaufen dieses Einsatzes fixiert werden.

Zum Sparen (oder besser: Nichtsparen) gehören auch symbolische Gesten. Hat es ausgerechnet der Sozialminister nötig, in den Promi-Vorführungen des ORF und ATV bald schon ebenso oft an reich gedeckten Tischen zu sitzen wie Raiffeisen-Chef Christian Konrad? Oder: Was hat die Justizministerin bei Weinverkostungen verloren? Besser wäre es für sie und für die Republik, würde sie sich stattdessen juristisch weiterbilden.

Den Lesern, vor allem den Wissenden unter ihnen, fallen sicher weitere Varianten ein. (Gerfried Sperl/DER STANDARD-Printausgabe, 31.5.2010)

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Laandaks
00
31.5.2010, 12:17
Ja, diese unfähigen ehrenamtlich tätigen Trotteln gehören endlich einmal als solche deklariert...

...

wobei ich mich auf das Sperl-Zitat beziehe, daß Politikerqualität von der Bezahlung abhängt, weil sonst "nur noch Leiharbeiter oder unbegabte Besserwisser für politische Aufgaben zur Verfügung stellen."

Eben, nicht wahr? Geld regiert die Welt, und wer viel kassiert, ist automatisch gut. Was ja u.a. bisherige Politiker (es gilt die Unschuldsvermutung...) und Manager zuhauf bewiesen haben. Wir haben ihnen einfach zu wenig bezahlt, das war's..!

Deshalb sind auch alle Geistlichen unfähig, wenn nicht sogar pädophil, alle Lehrer geistige Armutschkerln, alle, die weniger als 2.000 € mtl. verdienen, per definitionem Sperli doof und alle, die ehrenamtlich was machen, Trotteln.

Soo einfach ist das. (Und wenn der Standard mehr zahlte..?;-) )

zitronen_bob
02
31.5.2010, 10:05
Sind ja alles recht nette Vorschläge ...

... und teilweise wahrscheinlich auch nicht ganz so ernst gemeint ...

Aber im Grunde lenkt die ganze lähmende Diskussion um Minimaleinsparungen doch nur davon ab, dass wir uns längst nicht mehr damit abmühen müssen, große Einsparungspotentiale zu finden - Landesregierungen und unzählige Landtagsabgeordnete, unfassbare Doppel- und Mehrfach-Gleisigkeiten in Gesetzgebung und Verwaltung, Heereseinsatz an einer EU-Binnengrenze, noch immer unzählige Krankenkassen ...

fischer heimo
01
31.5.2010, 12:10
Ich fuerchte es spiegelt den Horizont unserer Politiker wieder ...

Ueber den Tellerrand gucken war noch nie deren Staerke.
Denken bis zur Nasenspitze (=naechste Wahl) und danach die Sintflut ...

zitronen_bob
00
31.5.2010, 14:22
Denken bis zur Nasenspitze (=nächste Wahl) ...

Sehr richtig - genau das ist auch der Grund, wieso in unserem Land die Regierungsarbeit auf Bundesebene durch im Schnitt 10 (!) Landtagswahlen während einer Legislaturperiode mittlerweile völlig gelähmt wird!

Es findet immer eine der Regierungsparteien einen guten Grund irgendwelche notwendigen Massnahmen gerade jetzt n i c h t umzusetzten, weil ja in ein paar Monate wieder eine Landtagswahl stattfindet ...

gk76
00
31.5.2010, 09:56
Nicht die Gehälter der Politiker müssen wir reduzieren

sondern die Anzahl der Politiker

Wenn es weniger Versorgungsposten gibt, wird der Wettbewerb um die verbleibenden Positionen verstärkt, was sich wieder auf die Qualität auswirken müsste.

Entropix
00
31.5.2010, 12:01
und dazu

ist es erforderlich, die Kaste der Berufspolitiker ersatzlos abzuschaffen. Wer sein (fürstliches) Einkommen samt (noch fürstlicherer) Altersversorgung allein den Wählerstimmen zu verdanken hat, wird alles tun, auch lügen, um beides zu behalten. Deshalb: Politiker werden bei Antritt eines Amtes in ihrem normalen Beruf karenziert, erhalten weiterhin ihr Gehalt samt Altersversorgung, sind maximal zwei mal wählbar und kehren dann an in ihre Arbeitsstelle zurück.

Ludovico Settembrini
02
31.5.2010, 09:48
was hat diese justizministerin

im ministerium zu suchen?????

john.carter.denton
02
31.5.2010, 09:36
mit dem taxi?

wozu gibt es öffentliche verkehrsmittel?

und eine nähere ausführung, warum es nichts bringen sollte, bei den gehältern einzusparen, wäre auch interessant.

meanwhile in fair london town
04
31.5.2010, 09:32
Vermutlich so lange, bis sich nur noch Leiharbeiter oder unbegabte Besserwisser für politische Aufgaben zur Verfügung stellen.

haette dieser artikel nicht schon vor ein paar jahren erscheinen sollen?

Ich habe vor einiger die CVs unserer Spitzen gelesen (online) und kann nicht sagen dass ich besondere Qualifikationen (ausser Parteibuch) gefunden habe... der BK bestes Bsp - Uni geschmissen, niemals die Wlet ausserhalb der SP-GW gesehen und jetzt als Leihgabe der Wiener Stadtreg im BKamt !

der_willi
01
31.5.2010, 09:22
generelles werbeverbot für alle parteien!

misanthropie
03
31.5.2010, 09:18
Über 80 Prozent der Bevölkerung wollen die Gehälter der Politiker kürzen. Vermutlich so lange, bis sich nur noch Leiharbeiter oder unbegabte Besserwisser für politische Aufgaben zur Verfügung stellen.

sehen Sie manchmal in richtung unserer politiker?
das sind besser angezogene arbeitslose..
ich finde, die sollte schon nach ihrer leistung bezahlt werden (steuergeld in den rachen der banken werfen schaff ich auch grad noch)

Graf Bobby
21
31.5.2010, 09:29

aber wahrscheinlich schaffen Sie es nicht wirtschaftliche und weltwirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen. Ich finde es obszön, wenn immer wieder von "den Banken Geld in den Rachen werfen" geschrieben wird. Keine Frage, auch ich bin empört, dass es soweit gekommen ist, kein seriöser Wrtschaftswissenschafter hätte aber eine Alternative dazu gesehen (außer um den Preis eines Zusammenbruchs der Bankenwirtschaft und damit der Realwirtschaft).

Grisu der kleine Drache
00
31.5.2010, 10:24

Wenn wir ab sofort von jedem Politiker in Österreich verlangen würden, dass er imstande ist, "wirtschaftliche und weltwirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen", wären schlagartig sehr viele (wenn nicht die meisten) Positionen verwaist, bis hinauf zum Bundeskanzler.

Kompetenz ist in der Welt der österreichischen Politik kaum gefragt und deshalb auch oft nicht vorhanden.

Und genau das ist das Drama. Wirklich fähige Politiker mit fettem Gehalt wären mit tausendmal lieber als die inkompetenten Schreihälse, die kleinkarierten und kurzsichtigen Sesselkleber, die verlogenen Populisten, die alle miteinander leider viel zu häufig auch noch gewählt werden, wie wir erst gestern im Burgenland wieder zur Kenntnis nehmen mussten.

insertnamehere
 
00
31.5.2010, 09:13
"Herunter mit der Zahl der Regierungsinserate zugunsten einer gerechteren Verteilung"

Zum Beispiel hin zum Standrad.
Genau so liest sich das für mich.

Davon abgesehen sind die Mil-Musiken (zumindest in Sbg. und OÖ) auf einem Niveau, das "die lokale Blaskapelle" im Normalfall nicht mal anzukratzen versuchen braucht.

Dimple
01
31.5.2010, 09:06
@ Dienstwagen

Daß Regierungsmitglieder Dienstautos haben (vielleicht wirklich besser einen Pool als persönliche), ist ja noch einzusehen. Was nicht einzusehen ist, ist, daß die 40.000er-Grenze nicht für PolitikerInnen und allgemein den öff. Dienst gilt - ein Passat statt einem Audi A6 oder A8 ist auch ausreichend.

Und sowieso ist mehr Öffi-Fahren für PolitikerInnen auch ganz günstig (Kontakt zum Volk - und zwar ausserhalb des Wahlkampfes).

lg
Dimple

der tueftler
00
31.5.2010, 08:39
einsparungen, vorbilder, nonsens

manche vorschläge würden gigantische beträge einsparen: etwa der verzicht auf politisch motivierte großprojekte, deren nutzen marginal, deren kosten aber gigantisch sind, etwa das koralmloch, der assistenzeinsatz, die bundesländer usw. dazu kommen jene sparmaßnahmen, die wenig bringen, aber vorbildwirkung haben, dazu gehören eben politikergehälter. in die kategorie nonsens gehört die weinverkostung, was bitte soll hier gespart werden?
ein sonderfall ist die presse-bestechung durch inserate. einerseits können viele zeitungen ohne solche nicht leben, andererseits ist das so nicht wünschenswert, weil damit genehmere berichterstattung erkauft werden soll, genau das gegenteil der pressefreiheit! da sollte man unabhängige förderungen vorziehen.

Miss Deutung
03
31.5.2010, 08:06

* Abschaffung der Landtage und der Landesgesetzgebungskompetenz (Art. 12-16 B-VG);
* Vereinheitlichung des Sozialversicherungswesens;
* Kündigung des StV BGBl. II Nr. 2/1934.

bibliothekar
01
31.5.2010, 08:05

Heer brauchen wir keines, heeresmusikkapellen sollten wir uns aber schon leisten können!

Zinnmo
 
02
31.5.2010, 10:04

Allerdings würden da auch 3 reichen statt 9.

Das sag ich als ehemaliger Militärmusiker. Die Militärmusik ist eine tolle Sache, aber dass z.B. Burgenland eine eigene hat, ist lächerlich.

bladerunner
02
31.5.2010, 10:21

Als ehemaliger OÖ-MilMusiker kann ich das bestätigen. Der Alte hat sich um jedes Garagen-Eröffnungs-Fest in ganz Ösistan gegeiert, wir waren die meiste Zeit im Bus von A nach B nach C, um die Sachen abzuklappern, die z.B. die MilMus NÖ oder B wegen Lächerlichkeit nicht angenommen haben.

1000 Kopfläuse können nicht irren
01
31.5.2010, 08:05
Bundesrat abschaffen, Zahl der Nationalratsabgeordneten verringern, Gemeindeämter zusammenlegen, Zahl der Gemeinderatsmitglieder überdenken,...

... Zahl der Landtagsabgeordneten überdenken, Zahl der Büromitarbeitern von diversen Posten (Minister, Landeshauptleute, etc.) überdenken.

Und vor allem - (dabei) EHRLICH sein!

romagnolo
06
31.5.2010, 07:21
Abschaffung des Bundesrates und Vermietung der Räumlichkeiten für Kindergeburtstage.

Der Unterhaltungswert steigt um den Faktor 100, die Kosten sinken.

DaPonte der Koch
 
02
31.5.2010, 06:34
Dienstfahräder statt Dienstautos!

von mir aus auch tandems...
man stelle sich vor, mit welcher sagenhaften geschwindigkeit sich, die radweg situation verbessert.

träum

auch die nähe zum volk währe wohl im bereich von aug in aug.

hbnichts
 
02
31.5.2010, 03:54
nope, streicht den Politikern ihr 'pork barrel'

. . . Gesellschaften und Parteien haben die besten, kompetente Fachleute für alle Ressorts zu stellen und der Wähler trifft die Wahl.
Damit ist eine vom Wähler getroffene Koalition gegeben.
Weg mit dem Parteifilz, Freunderlwirtschaft und Ernennungen.
Bürokraten sind öffentlich auszuschreiben und von unabhängigen Personalberatern zu bewerten.
Die Demokratie müsste eben wieder erfunden werden.

alcharismi
 
02
31.5.2010, 00:34
Sparen

ließe sich auch durch eine Reform des Krankenkassensystems.

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