Niessl sprach die Wähler an - aber zu wenige

30. Mai 2010, 19:37
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Landeshauptmann Hans Niessl war das stärkste Argument für die SPÖ-Wähler, die Sozialdemokraten wieder zur stärksten Landtagspartei zu machen - Bei jungen, mobilen Wählern konnte dagegen die sonst schwache ÖVP Trost finden

Traditionell blickt das Burgenland an Wahltagen erst einmal nach Tschanigraben. Nicht dass die diesmal 63 Wahlberechtigten sich zu einer Art Trendgemeinde formieren würden, aber als klare rote Hochburg kann Tschanigraben die nachmittägigen Spekulationen anfeuern. Und wenn, wie diesmal, elf statt, wie 2005, acht, die ÖVP wählen, dann wird das nicht nur im Büro von Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl als ein Zeichen gewertet.

Auch ein Zeichen natürlich, als das Ergebnis von Eberau hereinkam. Dort, wo die ÖVP sich mithilfe von Innenministerin Maria Fekter ein Haxl stellte, stürzte sie von 65,7 auf auf 50,7 ab. Angesichts der Vorgeschichte beinahe ein sanfter Fall, da die SPÖ dort, wo sie sich besonders ins werbliche Zeug gelegt hat, bloß von 31 auf 33,9 Prozent stieg. Deutlicher Sieger in Eberau war die FPÖ, die von einem auf elf Prozent zulegte - ein von der Bundespräsidentenwahl bekanntes Muster: Da hatte FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz im unteren Pinkatal überdurchschnittlich abgeschnitten.

FPÖ konnte mit Ausländerthema punkten

Die Wahltagsbefragung des Sora-Instituts für den ORF bestätigte: Wichtigstes Wahlmotiv der blauen Wähler war das Auftreten der FPÖ gegen Zuwanderung (72 Prozent), gefolgt vom Wunsch, die SPÖ-Absolute zu brechen und die FPÖ in die Regierung zu bringen (je 64 Prozent).

Die ÖVP-Wähler waren sich ihrer Motive wesentlich weniger sicher: Als Stammwähler bezeichneten sich zwei Drittel, die Ablehnung der SPÖ-Mehrheit bewegte 60 Prozent der Schwarzen und die von Parteichef Franz Steindl im Wahlkampf strapazierten Konzepte nur 52 Prozent.

Für die Grünen hat der Wahltag eigentlich recht optimistisch begonnen. Die Stimmung wich freilich allmählich einer deutlichen Ernüchterung. Im Bezirk Oberpullendorf ging fast die Hälfte der Wähler verloren. Auch im kroatischen Großwarasdorf (Veliki Boristof), wo Landtagsabgeordneter Josko Vlasich wohnt, reduzierten sie sich von von 9,5 auf 6,3.

Bei den Burgenländern gelten die Grünen nach wie vor vor allem als Öko-Partei - vier von fünf Grün-Wählern nannten die Umwelt als wesentliches Motiv, ein Drittel auch die menschliche Politik. Das von gut 70 Prozent der Grün-Wähler genannte Ziel, Grüne in die Landesregierung bringen zu wollen, wurde jedenfalls klar verfehlt.

Was motivierte am Sonntag, die Landeshauptmann-Partei zu wählen? Laut Sora ganz klar der Landeshauptmann selbst. "Hans Niessl soll Landeshauptmann bleiben", sagten 73 Prozent der SPÖ-Wähler. Weitere Motive waren, dass die SPÖ die Interessen ihrer Wähler vertritt, gute Arbeit geleistet hat und das Land aus der Sicht ihrer Wähler in die richtige Richtung führt. Das Sicherheitsthema, obwohl in den Diskussionen besonders präsent, hat die Burgenländer laut Sora übrigens weniger beeinflusst als die Arbeitsmarktlage.

Pensionisten wählten Rot

Die treuesten SPÖ-Wähler sind jedoch längst in Pension: Unter den Pensionisten hat die SPÖ eine satte 60-Prozent-Mehrheit, bei den Arbeitern sind es nur 50 Prozent, und bei den Angestellten liegt die ÖVP mit 43 Prozent möglicherweise sogar vor der SPÖ , die rechnerisch nur auf 42 Prozent kommt, was aber statistisch nicht signifikant ist.

Geografische Muster sind da aussagekräftiger. So gab es im Süden drastische Verluste für die SPÖ: Mogersdorf verzeichnet da ein Minus von 16 Prozent, die ÖVP konnte dort 18 Prozent dazugewinnen.

Jugend schwenkte zur ÖVP

Auffallend stark ist die Volkspartei nicht nur bei Selbstständigen und Bauern, sondern auch bei den Wählern unter 30: Von diesen haben 37 Prozent Schwarz und nur 29 Prozent Rot gewählt.

Die Liste Burgenland konnte erwartungsgemäß dort punkten, wo sie ein Heimspiel hatte. In Großhöflein bei Eisenstadt, wo Wolfgang Rauter daheim ist, kam die Gruppierung auf mehr als 21 Prozent, zweistellig war die Liste auch in Heiligenkreuz. (cs, wei)
Landeshauptmann Hans Niessl war das stärkste Argument für die SPÖ-Wähler, die Sozialdemokraten wieder zur stärksten Landtagspartei zu machen. Bei jungen, mobilen Wählern konnte dagegen die sonst schwache ÖVP Trost finden. (cs, wei/DER STANDARD-Printausgabe, 31.5.2010)

  • FP-Chef Johann Tschürtz hatte gut lachen: Seine Partei legte deutlich zu.
    foto: christian fischer

    FP-Chef Johann Tschürtz hatte gut lachen: Seine Partei legte deutlich zu.

  •  Die ÖVP von Franz
 Steindl verlor ebenso ... 
    foto: christian fischer

    Die ÖVP von Franz Steindl verlor ebenso ... 

  • ... wie die Grünen von Michel Reimon.
    foto: christian fischer

    ... wie die Grünen von Michel Reimon.

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