Kleiderstreit bei Al-Jazeera: Moderatorinnen kündigen

30. Mai 2010, 18:47
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Geschäftsführung fand Kleidung nicht konservativ genug

Doha - Wegen ständiger Kritik an ihrer Kleidung haben fünf Moderatorinnen des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera gemeinsam gekündigt. "Unsere Entscheidung ist unwiderruflich", sagte eine von ihnen der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag in Doha, wo der Sender beheimatet ist. Die Zeitung "Al Hajat" berichtete, die Frauen hätten in der vergangenen Woche das Handtuch geworfen, weil sie von der Geschäftsleitung ständig aufgrund ihrer Kleidung gegängelt worden seien, die nicht konservativ genug sei.

Der Streit um die Kleider sei nicht der einzige Grund, sagte ein Redaktionsmitglied von Al-Jazeera, das nicht namentlich genannt werden wollte, AFP. Eine der Ex-Mitarbeiterinnen sagte, es handle sich "um eine Anhäufung von Beschwerden aus fünf oder sechs Jahren aufgrund einer Politik, die professionelle Regeln nicht befolgt und bei denen der Angestellte nicht nach seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung, sondern nach den Launen gewisser Führungsmitglieder behandelt wird". Die Moderatorinnen des Nachrichtensenders "sind sehr anständig angezogen", sagte die Mitarbeiterin. Es werde aber verlangt, "sich noch anständiger zu kleiden und das verletzt unsere Würde".

Die Gründung von Al-Jazeera im Jahr 1996 galt als Revolution der Nachrichtenlandschaft in der arabischsprachigen Welt, vor allem wegen der bis dato ungewöhnlich offenen Berichterstattung. Der Sender berichtete über den Beginn des Krieges in Afghanistan Ende 2001 praktisch exklusiv und strahlte Video- und Audiobotschaften von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden aus.

Beobachter stellen bei dem Sender jedoch eine zunehmend islamistische Ausrichtung fest. Die Geschäftsführung wollte den Bericht über die Moderatorinnen nicht kommentieren. Aus der Umgebung der Leitung verlautete aber, es sei vor einigen Monaten eine "Kleiderordnung" erlassen worden, auch seien die Damen aufgefordert worden, sich nicht zu sehr zu schminken. Es sei aber nicht verlangt worden, sich zu verschleiern, hieß es. (APA/AFP)

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