Schöne Lieder, starke Stimmen, aber kein Plot

30. Mai 2010, 18:18
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Vergnüglicher Wittenbrink-Abend "Denn alle Lust will Ewigkeit"

Graz - Sie sehen sexy aus, aber schon ein bisschen morbid (Kostüme: Tanja Kramberger): Die drei Damen, die sich in Korsagen, Strümpfen, Schnürstiefeln und High-Heels mit blass gepuderten Gesichtern um eine Tafel im Grazer Schauspielhaus setzen und Rotwein trinken, haben offensichtlich noch etwas vor. Doch was genau, bleibt bis zum Ende unklar. Hin und wieder stirbt eine von ihnen - durch Gift, Brachialgewalt oder eine Kugel -, um dann wieder trällernd aufzuerstehen.

Und singen können Jaschka Lämmert, Verena Lercher und die (für die erkrankte Susanne Weber eingesprungene) Anne Weber ganz wunderbar. Ein Liederabend ist eben ein Liederabend und muss auch nicht mehr sein. Warum also Franz Wittenbrink, der ehemalige Politaktivist, Komponist und Regisseur des Abends, der mit ein paar Änderungen schon in Salzburg und Hannover gezeigt wurde, ankündigte, eine Geschichte von Frauen, die sich in den Tod verlieben, zu erzählen, bleibt dahingestellt. Ebenso, was der vom italienischen Polizisten zum Elvis (mit dem Sexappeal eines Vertreters) mutierende Mann (Gustav Königs) und die Vögel fütternde Sandlerin (Steffi Krautz) mit all dem zu tun haben.

Aber egal, es wird gesungen: Brahms, Schumann und Bach, ebenso wie Lou Reed, Sting, Nina Hagen und Carol King. Nicht nur bei Natural Woman von Letzterer hört und sieht man eine starke Lämmert, die mit ihrer Präsenz ein Höhepunkt eines insgesamt netten Abends ist. Das Publikum erklatschte sich bei der Premiere am Samstag gleich mehrere Zugaben. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD/Printausgabe, 31.05.2010)

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