Dennis Hopper 1936-2010

30. Mai 2010, 18:16
26 Postings

Der Schauspieler, Fotograf und Regisseur, "Easy Rider" und Proponent des jungen US-Kinos der 1970er- und 1980er-Jahre, erlag seinem Krebsleiden

Wien/Los Angeles - Im Jahr 1955 proben weiße US-Mittelstandskinder den Aufstand: Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) heißt Nicholas Rays Drama, das sich am unüberbrückbaren Konflikt zwischen einer hilflos-desinteressierten Elterngeneration und ihren verlorenen Kindern entzündet. James Dean spielt den Antihelden. Aber auch ein unbekannter drahtiger Junge aus Dodge City, Kansas, gibt sein Debüt als Halbstarker.

Der Name des knapp Neunzehnjährigen ist Dennis Hopper, er hat Sommertheatererfahrung und einen Fernsehserienauftritt vorzuweisen. Dean dreht noch Giganten, dann verunglückt er im selben Jahr tödlich. Hopper hingegen, der in Giganten ebenfalls eine Nebenrolle spielt, schickt sich an, auch im Leben einzulösen, was Deans zornige junge Männer versprochen haben.

In Hollywood gilt er schnell als schwierig, ab Ende der 50er-Jahre arbeitet er wieder hauptsächlich fürs Fernsehen. Parallel dazu erweitert er sein Betätigungsfeld in andere Richtungen, findet Anschluss an andere (Sub-)Kulturen - er macht Fotos, malt und beginnt Kunst zu sammeln. Er hängt mit Künstlern ab, mit Schauspielkollegen und Musikern, wird ein "Rock 'n' roll Groupie" und macht sich den dazugehörigen Lifestyle zu eigen. Hopper freundet sich mit Peter Fonda an und mit Jack Nicholson, zwei Altersgenossen, die wiederum mit B-Movie-Meister Roger Corman assoziiert sind.

Corman zieht junge Talente an - er bietet kaum Geld, aber im Rahmen seiner streng kalkulierten Exploitation-Filme gewisse kreative Freiheiten. Fonda und Hopper stehen bei The Trip (1967) vor der Kamera, Nicholson hat das Drehbuch geschrieben. Ende der 60er-Jahre realisieren sie dann ihr gemeinsames Projekt Easy Rider: Der Film erzählt ebenfalls von Unangepassten, von Tagedieben, die auf ihren Motorrädern das amerikanische Freiheitsversprechen auf seine Belastbarkeit testen und bei ihren Landsleuten erbitterten Widerstand provozieren.

Hopper selbst ist hinter seinem fetten Schnauz kaum zu erkennen. Billie, die Figur, die er spielt, hat etwas Manisches. Als Regisseur setzt Hopper auf eine dynamische Inszenierung, mit Zooms, Jump Cuts und anderen Elementen, die den Vorstellungen eines klassischen Inszenierungsstils widersprechen, der möglichst keine Aufmerksamkeit auf die filmischen Mittel lenken soll.

Easy Rider, der unter anderem den Titelsong von Steppenwolf verwendet, kostet weniger als eine halbe Million Dollar und wird zum Kassenerfolg. Er gehört zu jenen Werken, die damals immer vehementer von einem Bedürfnis zeugen, Filme anders zu machen und andere Geschichten zu erzählen - ein "New Hollywood" zu versuchen und mit den Konventionen des alten zu brechen.

Der Erfolg von Easy Rider ermöglicht Hoppers zweite Regiearbeit: The Last Movie heißt sie - der Titel eine große Geste, die sich auf fatale Weise gegen den Regisseur und Hauptdarsteller wendet, der erst fast zehn Jahre später wieder einen Film drehen wird. The Last Movie, eine irritierende, kluge und formal avancierte Auseinandersetzung mit dem Geschäft der Illusionskunst, wird in den USA verrissen. Hopper, der bezeichnenderweise einen Stuntman namens Kansas spielt, stürzt ab.

Anarchischer Gestus

Sein Alkohol- und Drogenkonsum kostet ihn fast das Leben. Erst 1980 folgt mit Out of The Blue seine dritte Regiearbeit, eine weitere moderne Ballade, nur dass inzwischen eine neue Generation aufmuckt: Linda Manz spielt ein zorniges junges Mädchen, Hopper ihren Vater Don, der aus dem Gefängnis kommt. Er trägt Cowboyhut und Jeans; wenn er als Baggerfahrer über die Müllhalde brettert, dann hat auch das etwas von jenem anarchischen Gestus, der Hoppers Star Persona umgibt. Ein bisschen kann man in Don schon den furchterregenden Frank Booth erkennen, den Hopper 1986 in Blue Velvet, David Lynchs böser Verkehrung von Vorstadtidyllen, spielen wird und der schließlich sein Comeback einläutet.

Hopper wird zum unermüdlichen working actor. Er dreht oft mehrere Filme im Jahr - vom Hollywood-Blockbuster wie Speed bis zur Indieproduktion Red Rock West. Er führt unter anderem 1988 beim Gang-Drama Colors wieder Regie, eine seiner schönsten späten Rollen hat er 2008 in der Philip-Roth-Adaption Elegy.

2009 wurde bekannt, dass Hopper an Prostatakrebs erkrankt ist. Im März 2010 nimmt er noch, abgemagert und gezeichnet, an der Enthüllung eines Sterns am Hollywood Walk of Fame teil. Mit seiner fünften Ehefrau Victoria Duffy lag er zuletzt in einem erbitterten Scheidungskrieg. Hopper hinterlässt neben der gemeinsamen, 2003 geborenen Tochter Galen drei weitere, erwachsene Kinder. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 31.05.2010)

  • Dennis Hopper als Stuntman Kansas in seinem verkannten Meisterwerk "The 
Last Movie"  (1971) - eine irritierende, formal avancierte 
Auseinandersetzung mit dem Geschäft der Illusionskunst.
    foto: der standard

    Dennis Hopper als Stuntman Kansas in seinem verkannten Meisterwerk "The Last Movie" (1971) - eine irritierende, formal avancierte Auseinandersetzung mit dem Geschäft der Illusionskunst.

Share if you care.