Grenzgänger

Dennis Hopper 1936-2010

30. Mai 2010, 18:16
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    foto: der standard

    Dennis Hopper als Stuntman Kansas in seinem verkannten Meisterwerk "The Last Movie" (1971) - eine irritierende, formal avancierte Auseinandersetzung mit dem Geschäft der Illusionskunst.

Der Schauspieler, Fotograf und Regisseur, "Easy Rider" und Proponent des jungen US-Kinos der 1970er- und 1980er-Jahre, erlag seinem Krebsleiden

Wien/Los Angeles - Im Jahr 1955 proben weiße US-Mittelstandskinder den Aufstand: Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) heißt Nicholas Rays Drama, das sich am unüberbrückbaren Konflikt zwischen einer hilflos-desinteressierten Elterngeneration und ihren verlorenen Kindern entzündet. James Dean spielt den Antihelden. Aber auch ein unbekannter drahtiger Junge aus Dodge City, Kansas, gibt sein Debüt als Halbstarker.

Der Name des knapp Neunzehnjährigen ist Dennis Hopper, er hat Sommertheatererfahrung und einen Fernsehserienauftritt vorzuweisen. Dean dreht noch Giganten, dann verunglückt er im selben Jahr tödlich. Hopper hingegen, der in Giganten ebenfalls eine Nebenrolle spielt, schickt sich an, auch im Leben einzulösen, was Deans zornige junge Männer versprochen haben.

In Hollywood gilt er schnell als schwierig, ab Ende der 50er-Jahre arbeitet er wieder hauptsächlich fürs Fernsehen. Parallel dazu erweitert er sein Betätigungsfeld in andere Richtungen, findet Anschluss an andere (Sub-)Kulturen - er macht Fotos, malt und beginnt Kunst zu sammeln. Er hängt mit Künstlern ab, mit Schauspielkollegen und Musikern, wird ein "Rock 'n' roll Groupie" und macht sich den dazugehörigen Lifestyle zu eigen. Hopper freundet sich mit Peter Fonda an und mit Jack Nicholson, zwei Altersgenossen, die wiederum mit B-Movie-Meister Roger Corman assoziiert sind.

Corman zieht junge Talente an - er bietet kaum Geld, aber im Rahmen seiner streng kalkulierten Exploitation-Filme gewisse kreative Freiheiten. Fonda und Hopper stehen bei The Trip (1967) vor der Kamera, Nicholson hat das Drehbuch geschrieben. Ende der 60er-Jahre realisieren sie dann ihr gemeinsames Projekt Easy Rider: Der Film erzählt ebenfalls von Unangepassten, von Tagedieben, die auf ihren Motorrädern das amerikanische Freiheitsversprechen auf seine Belastbarkeit testen und bei ihren Landsleuten erbitterten Widerstand provozieren.

Hopper selbst ist hinter seinem fetten Schnauz kaum zu erkennen. Billie, die Figur, die er spielt, hat etwas Manisches. Als Regisseur setzt Hopper auf eine dynamische Inszenierung, mit Zooms, Jump Cuts und anderen Elementen, die den Vorstellungen eines klassischen Inszenierungsstils widersprechen, der möglichst keine Aufmerksamkeit auf die filmischen Mittel lenken soll.

Easy Rider, der unter anderem den Titelsong von Steppenwolf verwendet, kostet weniger als eine halbe Million Dollar und wird zum Kassenerfolg. Er gehört zu jenen Werken, die damals immer vehementer von einem Bedürfnis zeugen, Filme anders zu machen und andere Geschichten zu erzählen - ein "New Hollywood" zu versuchen und mit den Konventionen des alten zu brechen.

Der Erfolg von Easy Rider ermöglicht Hoppers zweite Regiearbeit: The Last Movie heißt sie - der Titel eine große Geste, die sich auf fatale Weise gegen den Regisseur und Hauptdarsteller wendet, der erst fast zehn Jahre später wieder einen Film drehen wird. The Last Movie, eine irritierende, kluge und formal avancierte Auseinandersetzung mit dem Geschäft der Illusionskunst, wird in den USA verrissen. Hopper, der bezeichnenderweise einen Stuntman namens Kansas spielt, stürzt ab.

Anarchischer Gestus

Sein Alkohol- und Drogenkonsum kostet ihn fast das Leben. Erst 1980 folgt mit Out of The Blue seine dritte Regiearbeit, eine weitere moderne Ballade, nur dass inzwischen eine neue Generation aufmuckt: Linda Manz spielt ein zorniges junges Mädchen, Hopper ihren Vater Don, der aus dem Gefängnis kommt. Er trägt Cowboyhut und Jeans; wenn er als Baggerfahrer über die Müllhalde brettert, dann hat auch das etwas von jenem anarchischen Gestus, der Hoppers Star Persona umgibt. Ein bisschen kann man in Don schon den furchterregenden Frank Booth erkennen, den Hopper 1986 in Blue Velvet, David Lynchs böser Verkehrung von Vorstadtidyllen, spielen wird und der schließlich sein Comeback einläutet.

Hopper wird zum unermüdlichen working actor. Er dreht oft mehrere Filme im Jahr - vom Hollywood-Blockbuster wie Speed bis zur Indieproduktion Red Rock West. Er führt unter anderem 1988 beim Gang-Drama Colors wieder Regie, eine seiner schönsten späten Rollen hat er 2008 in der Philip-Roth-Adaption Elegy.

2009 wurde bekannt, dass Hopper an Prostatakrebs erkrankt ist. Im März 2010 nimmt er noch, abgemagert und gezeichnet, an der Enthüllung eines Sterns am Hollywood Walk of Fame teil. Mit seiner fünften Ehefrau Victoria Duffy lag er zuletzt in einem erbitterten Scheidungskrieg. Hopper hinterlässt neben der gemeinsamen, 2003 geborenen Tochter Galen drei weitere, erwachsene Kinder. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 31.05.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
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a go go
02
31.5.2010, 18:26
True Romance

Legendär und unvergesslich die Szene mit Christopher Walken, als er ihn über die Sizilianer aufklärt.
Einfach großartig.

http://www.youtube.com/watch?v=tqccyUpnZwA

light sleeper
11
31.5.2010, 16:40
hab's gut da oben!

genialer schauspieler (was hatte ich für eine gänsehaut bei blue velvet), innovativer regisseur - dessen kunst wohl zu wenig anerkannt wurde, toller fotograf.
ein ikone ist wieder mal von uns gegangen, that's live.
vergessen werden wir ihn nicht.

Armand Hammer
20
31.5.2010, 17:22
die brutalen, grauslichen dinge

gefallen den meisten menschen am meisten
hollywood ist perverse gehirnwäsche

silverfinger
00

easy rider ist grauslich ja, aber nur weil es einen blick auf eine verbohrte gesellschaft wirft

Mathias
 
00
hollywood ist perverse gehirnwäsche

... so wie Grimms Märchen?

Cayenne69
00
31.5.2010, 15:41

Was habt ihr alle ?

Er hatte ein langes interessantes Leben. Hat Kinder und Enkel und man wird sich noch lange Zeit an ihn erinnern. Freut euch doch für ihn...

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
00
31.5.2010, 15:21

Ein großartiger Schauspieler. Nie vergessen werde ich seinen Dialog mit Jack Nicholson in Easy Rider.

Avicenna
 
01
31.5.2010, 13:15
Was für ein Verlust

Denis Hopper, der eigenwillige, schwierige Charakterkopf hat intensive Auseinandersetzung mit seiner Person und seinem Werk eingefordert. Ein cooler Typ, der nicht recht als Ikone taugte, seinen Weg ging und gerade darum doch ein Star war. Selbst seine Rollen in Kult-Filmen waren gebrochen (Easy Rider, Apocalypse Now, Blue Velvet, True Romance, Speed oder -ruhiger- Elegy). Ein mutiger Zweifler, ein unbeirrbarer Individualist, der sich aber auch völlig zurücknehmen konnte. Unglaubliche gute Arbeiten als Fotograf und Chronist der wilden 60er waren das Ergebnis. Auch die werden bis heute eher unterschätzt. Hopper war im besten Sinne anarchisch, oft verzweifelt, aber aus seinen Erfahrungen gewann er einen klaren Blick. Jetzt ruht er sich aus..

Dr. Lari and Mr. Fari
 
13
31.5.2010, 10:30
eine GANZ Großer.

In der auf arte und in anderen Programmen zirkulierenden Doku über ihn ist alleine schon aufregend, wie er seine Schauspielschüler unterrichtet.

Schade, daß er schon abtreten mußte; ein paar sorgfältig glaubwürdig zwiespältige Charakterrollen wären sich bis zur Vergreisung noch locker ausgegangen...

Dr. Mag. H. Odensack
00
31.5.2010, 10:00
einer meine lieblingsschauspieler.

ruhe in frieden

major grubert
19
31.5.2010, 08:39
auch dieser

nachruf laesst mehr als zu wuenschen uebrig. ist die red so schwach besetzt oder wollt ihr einfach nicht?
apropo, clint ist heute 80 geworden, schafft ihr da mehr?

steppenwolf1070
11
31.5.2010, 06:02
RIP

Roter Baron
01
31.5.2010, 10:18

yep
schade um ihn
er war ein guter mann


roter baron

Der Alte vom Berge
00
31.5.2010, 01:04
*Grins*

Der Alte vom Berge
01
31.5.2010, 00:16
Die hohe Kunst der Provokation,...

...auf den Punkt Gebracht.


http://www.youtube.com/watch?v=sBIYVgvkFHg


Mehr ist JEDEM Vater nicht Möglich zu Tun.


Sowie für sich Selbst.

--


P.s.: Brilliant GESPIELT !

°°


Der Alte vom Berge
01
31.5.2010, 00:39
Stolz...

...ist der Stein über den der Mensch stets Stolpert.

^^

Der Alte vom Berge
00
31.5.2010, 00:32
Rien nè va plus...

...als Rettungsanker.

*sigh*

Der Alte vom Berge
11
31.5.2010, 00:23
Ich lese sehr Viel,...

...besonders solche Sachen über Geschichte. ^^

OyOy
11
30.5.2010, 20:59
R.I.P.

Rudi Lölein
53
30.5.2010, 22:08

ich weiß nicht was mehr nervt, die RIP-schreiber oder die "in china ist ein fahrad umgefallen"-schreiber

Jesse James666
01
31.5.2010, 11:36

Du nervst mehr!!!

Johnny Drama
01
31.5.2010, 08:19

Wenn Sie sich von den "unsinnigen Posts" genervt fühlen, was machen sie dann überhaupt noch hier

Wolke7engelchen
00
31.5.2010, 07:58

hier sinds die RIP Schreiber

Doktor Leid
00
30.5.2010, 21:50
für IHN im Jenseits lieber ein kühles P.I.R.

El Clandestino ****
06
30.5.2010, 19:58
SEHR SEHR GROßER VERLUST

....für den FILM und ganz Allgemein war das wohl einer der symphatischsten Großen!!! RIP

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