Ultraschalllaute nicht nur zur Ortung, sondern auch zur Kommunikation

31. Mai 2010, 11:39
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Deutsche Forscherin führte Feldversuch durch: Fledermäuse zeigen diferenziertes Antwortverhalten

Wien/Berlin - Fledermäuse produzieren Laute im Ultraschallbereich offenbar nicht nur zur Orientierung, sondern auch zur Kommunikation und Übermittlung sozialer Information: Das hat Silke Voigt-Heucke im Rahmen ihrer Diplomarbeit am Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien und am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin herausgefunden. Die Tiere nutzten die Echoortung auch dazu, Informationen über Art- und Gruppenzugehörigkeit anderer Individuen zu erlangen, teilte das Leibniz-Institut in einer Aussendung mit.

Für ihre Untersuchung hat die Wissenschafterin Exemplaren der Kleinen Hasenmaulfledermaus (Noctilio albiventris) in Panama Echo-Ortungsrufe von Tieren der eigenen und von verwandten Spezies vorgespielt - bei den eigenen Artverwandten wiederum von ihnen bekannten sowie unbekannten Individuen. Alle Versuchstiere lauschten den Lauten interessiert und zeigten ein differenziertes Antwortverhalten, je nachdem, von wem die Rufe stammten.

Freunde und Fremde

So streckten die Versuchstiere ihre Flügel aus und präsentierten dabei ihre darunter versteckt liegenden Duftdrüsen. Andere "Antworten" waren beispielsweise Putzen, Kopfnicken oder Gähnen, wie Voigt-Heucke erklärte. Die Häufigkeit, mit der sie auf die Rufe von "Freunden" und "Unbekannten" reagierten, unterschied sich stark. Auf Echoortungsrufe anderer Fledermaus-Arten reagierten die Versuchstiere nur verhalten. Hörten sie aber Rufe der eigenen Art, antworteten sie zusätzlich mit einer Abwandlung eines normalen Ortungsrufes. Dies könnte ein "Hallo, hier bin ich" verbunden mit einer individuellen Signatur im Ruf darstellen, vermuten die Forscher.

Wesentlich mehr Interesse als bei allen anderen Echoortungsrufen zeigten die Versuchstiere, wenn sie unbekannte Individuen der eigenen Art hörten. "Es ist, wie wenn Menschen einen alten Bekannten treffen, da muss man sich nicht groß vorstellen. Trifft man dagegen einen Fremden, muss ich mich ordentlich vorstellen", ist für Voigt-Heucke ein mögliche Interpretation dieses Verhaltens.

Voigt-Heucke, deren Arbeit in der Fachzeitschrift "Animal Behaviour" publiziert wurde, schreibt mittlerweile an ihrer Dissertation an der Freien Universität Berlin - und wieder stehen die Laute von Fledermäusen im Mittelpunkt ihres Interesses. Sie untersucht den Gesang von Großen Abendseglern (Nyctalus noctula), einer auch hierzulande beheimateten Art. Deren Männchen geben im Herbst - ähnlich wie Vögel - einen Balzgesang von sich, um Weibchen anzulocken. Zu hören ist dieser allerdings für den Menschen nicht, auch hier wird im Ultraschallbereich "gesungen". (APA/red)

  • Silke Voigt-Heucke animiert Fledermäuse zum Antworten.
    foto: dina dechmann

    Silke Voigt-Heucke animiert Fledermäuse zum Antworten.

  • Die Kleine Hasenmaulfledermaus kommt in Mittel- und Südamerika vor und lebt am liebsten in der Nähe von Gewässern.
    foto: silke voigt-heucke

    Die Kleine Hasenmaulfledermaus kommt in Mittel- und Südamerika vor und lebt am liebsten in der Nähe von Gewässern.

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