Zielpunkt vor ungewisser Zukunft

30. Mai 2010, 17:47
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Wien - Die Handelskette Zielpunkt blickt in eine ungewisse Zukunft. Mit der Übernahme durch den Luxemburger Finanzinvestor BluO ist unklar, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. "Vor allem für die 3.000 Mitarbeiter" hofft Zielpunkt-Chef Johann Schweiger aber dennoch, dass auch der neue Eigentümer die Supermarktkette auf jeden Fall weiterführt. Denn: "Das Potenzial bei entsprechenden Investitionen ist da", wie er im Gespräch mit der APA versicherte.

Bei Schließung von 20 bis 30 Filialen und Investitionen in das Filialnetz - Branchenkenner gehen von etwa 50 Mio. Euro aus - sollte nach Meinung des Zielpunkt-Geschäftsführers eine Fortführung des Unternehmens gelingen. Eine Filetierung, wie das manche Handelsexperten sehen, sei für ihn jedenfalls kein Thema, so Schweiger.

Wie berichtet, wird der deutsche Handelsriese Tengelmann seine Österreich-Tochter Zielpunkt - vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigung - an die Luxemburger Beteiligungsgesellschaft BluO abgeben. Verkauft wird bei diesem Share Deal das operative Geschäft und die Marke Zielpunkt. Die Immobilien, von denen etwa ein Drittel im Eigentum von Tengelmann und der Rest angemietet ist, bleiben in Besitz der Deutschen.

Harter Sanierer

BluO ist in Österreich als harter Sanierer bekannt, der zuletzt die Textilketten Adler und Schöps sowie die Woolworth-Kaufhäuser übernommen hat. Welche Pläne die Beteiligungsgesellschaft hat, der nicht gerade viel Erfahrung im österreichischen Lebensmittelhandel nachgesagt wird, soll am Montag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt erläutert werden.

Bei einem Umsatz von zuletzt 660 Mio. Euro hat Zielpunkt, der in Österreich mit seinen 311 Standorten auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt, in den vergangenen vier Geschäftsjahren Verluste geschrieben. Branchenexperten schätzen den Jahresverlust zuletzt auf etwa 20 Mio. Euro. Ein Drittel der Märkte erwirtschaftet negative Deckungsbeiträge.

Schweiger, der gemeinsam mit dem Ex-Adeg-Vorstand Andreas Bachleitner bis zuletzt ebenfalls um die Zielpunkt-Märkte ritterte, habe schließlich vergangenen Mittwoch selbst aus den Medien erfahren, dass jemand anderer den Zuschlag für die Handelskette erhalten hat. Er sei erst Donnerstag früh vom Verhandlungsteam informiert worden. Und bis dato habe BluO noch keinen Kontakt mit ihm aufgenommen, wie er sagte.

Haub, der mit seinem Tengelmann-Konzern auch Herr über die Baumarktkette Obi und den Textildiskonter kik ist, habe immer wieder betont, dass ihm beim Verkauf die Sicherung des Weiterbestands von Zielpunkt wichtig sei, erinnerte Schweiger. Er hoffe jedenfalls, dass dies ebenso für den neuen Eigentümer gelte. Auch die österreichische Handelslandschaft biete Platz für eine dritte große Supermarktkette - als Gegengewicht zu den Platzhirschen Rewe und Spar - davon könnten Industrie und Konsumenten profitieren.

Zielpunkt ist aus der 1967 gegründeten Löwa hervorgegangen und bereits mehr als 33 Jahre am österreichischen Markt präsent. 1972 hat die deutsche Tengelmann-Gruppe den Lebensmittelhändler übernommen. Der Markenwechsel in den vergangenen Jahren von Zielpunkt auf Plus, einhergehend mit einem zu wenig auf österreichische Konsumenten abgestimmten Sortiment, hat dem Händler merklich mehr geschadet als genützt, weshalb vor zwei Jahren denn erneut Kehrtwende von Plus auf Zielpunkt mit deutlich mehr Österreich-Bezug erfolgte. (APA)

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