Kurzarbeit wird kaum noch genutzt

30. Mai 2010, 17:03
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Trendumkehr im März - im Mai nur mehr ein Neuantrag und eine Verlängerung

Wien - Eine wirkliche Entspannung am Arbeitsmarkt gibt es noch nicht. Ende April waren insgesamt 330.000 Menschen ohne Arbeit. Ein Instrument der Arbeitsmarktpolitik wird aber immer mehr zum Auslaufmodell:die Kurzarbeit.

In der ersten Maihälfte gab es laut Auskunft des Arbeitsmarktservice nur mehr einen Neuantrag und einen Antrag auf Verlängerung. Auch in den Wochen davor zeigte sich bereits ein ähnliches Bild. Die Trendumkehr erfolgte demnach Mitte März. In der ersten Märzhälfte gab es noch fünf Neuanträge und 13 Verlängerungen. In der zweiten Märzhälfte dann nur mehr einen Neuantrag und neun Verlängerungen. Auch im ganzen April gab es nur mehr ein Unternehmen, das Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet hat.

Dabei boomte dieses Instrument vor einem Jahr noch. Mitte 2009 waren rund 60.000 Arbeitnehmer in Österreich zur Kurzarbeit angemeldet.

Grundsätzlich kann Kurzarbeit von Betrieben bis zu 24 Monate beantragt werden, wenn sie mit vorübergehenden Auftragseinbrüchen zu kämpfen haben. Die Arbeitszeit der Mitarbeiter kann um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Für die Arbeitnehmer bedeutet das aber nicht eine 90-prozentige Einkommenseinbuße. Das AMS kompensiert nämlich durch einen Zuschuss den Großteil des Ausfalles.

Nun habe sich aber die Auftragslage der Betriebe wieder so weit gebessert, dass sie bestehende Kurzarbeits-Programme auslaufen lassen, heißt es beim AMS. Zuletzt befanden sich noch knapp über 14.000 Menschen in 149 Betrieben in Kurzarbeit.

Großteil in Niederösterreich

Der Großteil davon entfällt auf Niederösterreich. Dort waren Mitte Mai rund 6700 Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Am zweithäufigsten wird dieses Instrument derzeit noch in Oberösterreich genutzt - dort sind es 2580. Ebenfalls mehr als tausend Kurzarbeiter gibt es in Salzburg (1447) und Tirol(1376). InWien waren Mitte Mai nur mehr 353 Kurzarbeiter gemeldet.

Die Zuschüsse von staatlicher Seite haben im Vorjahr etwa 220 Millionen Euro ausgemacht. Heuer darf sich Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) daher aus diesem Titel eine beträchtliche Einsparung erhoffen. Aus wirtschaftspolitischer Sicht wurde die Kurzarbeit von Experten durchaus als erfolgreiches Instrument eingestuft. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut wurden rund 8400 Jobs gesichert, die ansonsten verlorengegangen wären. (go, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2010)

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