Bregenzer Hafenumbau abgespeckt

30. Mai 2010, 17:04
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Der neue Bregenzer Hafen wurde am Samstag eröffnet: Trotz Investition von 17 Millionen Euro bleibt ein Teil des Hafenareals Provisorium

Bregenz - Bregenz hat einen neuen Hafen, und die Volkspartei ist glücklich. Bürgermeister Markus Linhart freute sich bei der Eröffnung vergangenen Samstag über „ein neues Tor zur Stadt", sein Parteichef, Landeshauptmann Herbert Sausgruber, lobte die Landesfirma Illwerke, die der ÖBB, wie von Sausgruber gewünscht, den Hafen abgekauft hatte. Illwerke-Direktor Ludwig Summer bezeichnete denn auch Investitionen in Grund und Boden in Krisenzeiten als sichere Wertanlage.

17 Millionen Euro wurden von den Illwerken, der Walter-Klaus-Gruppe und der Stadt in die Hafenrenovierung investiert. Der Bau des Hafengebäudes wurde aber zum Politikum, denn es musste auf Politiker- und Bürgerdruck komplett umgeplant werden. Nun steht als Kompromiss ein Glasgebäude in Wellenform. Die Arbeit wäre leichter gewesen, hätte man dem Architektenteam weniger ins Handwerk gepfuscht, merkte Architekt Elmar Nägele bei der Eröffnung vorsichtig an. Es sei halt für Architekten ungewohnt, dass die Leute mitentscheiden, konterte Sausgruber in seiner Rede.

Auch der zweite im Siegerprojekt des Wettbewerbs vorgesehene Hochbau, der Umbau des alten Hafenrestaurants, wird nicht nach Architektenvorschlag realisiert. Der in der Jurybegründung gelobte "Stadtabschluss" wird in absehbarer Zeit nicht gebaut. Davon war jedoch beim gegenseitigen Schulterklopfen am Samstag nichts zu hören.

Zwischen dem neuem Hafenplatz und der Pipeline, dem öffentlichen Strand, wird ein Provisorium bleiben. "Vorerst planen wir keine weiteren Investitionen", sagte Jakob Netzer, Geschäftsführer der Hafen Bregenz GmbH, zum Standard.

Statt der geplanten Überbauung der Hafenwerkstätten strich man die Werkstattbauten neu und entfernte die Pin-up-Kalender aus dem Touristen-Blickwinkel. Neben den Werkstätten wurden neue Parkplätze für die Schifffahrtsbediensteten geschaffen. Ein Umstand, der besonders Vizebürgermeister Gernot Kiermayr (Grüne) ärgert: "Von Parkplätzen war nie die Rede." Die Autos markieren nun die Trennung von Rad- und Fußgängerweg. Kiermayr: "Ein unattraktiver Eingang zur Stadt."

Die Entflechtung von Fußgänger- und Radlerverkehr ist für Kiermayr die wesentliche Errungenschaft des Hafenumbaus. "Jetzt geht es darum, dass die Menschen den Hafen als ihren Hafen begreifen." Dazu gehöre auch, so der Vizebürgermeister, dass die Hafenbetreiber der Forderung von Bootsbesitzern nach Absperrungen nicht erfüllen. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 31. Mai 2010)

  • "Welle" nennt man in Bregenz den gläsernen Kassenkiosk - Bürgerproteste
und Politikerängste verhinderten das ursprünglich geplante Gebäude
    foto: dietmar stiplovsek

    "Welle" nennt man in Bregenz den gläsernen Kassenkiosk - Bürgerproteste und Politikerängste verhinderten das ursprünglich geplante Gebäude

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