Kredite wurden für Haushalte teurer, für Betriebe billiger

30. Mai 2010, 17:00
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Während es die Banken bei den Einlagen immer billiger geben, ziehen die Zinsen für Privatkredite seit Dezember kräftig an

Während die Sparzinsen sinken, sehen sich private Haushalte seit Dezember mit steigenden Kreditkosten konfrontiert. Die Zinsen für neue Darlehen sind bis März von durchschnittlich 4,26 auf 4,75 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hielt der Abwärtstrend bei den Kreditkosten für Unternehmen an. Die Arbeiterkammer kritisiert, dass die Banken die Zinsspanne zu lasten der kleinen Kunden ausdehnten. Das Auseinanderdriften von Einlagen- und Kreditzinsen sei nicht akzeptabel, sagt Konsumentenschützer Harald Glatz zum STANDARD.

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Wien - Während Unternehmen so günstig an Fremdkapital kommen wie seit 15 Jahren nicht, werden die Konsumenten von den Banken schon wieder kräftiger zu Kasse gebeten. Die Zinsen für neue Kredite steigen seit drei Monaten in Folge, wie aus Daten der Nationalbank hervorgeht: War im Dezember 2009 ein Langzeittief von 4,26 Prozent erreicht worden, "kosteten" Darlehen im März bereits 4,75 Prozent. Auch die Zinsen für bestehende Kredite steigen seit Ende 2009, wenn auch nur mäßig.

Zum Vergleich: Unternehmen zahlen für Ausleihungen 2,37 Prozent, bei Summen von mehr als einer Mio. Euro sogar nur 1,79 Prozent. Besonders schmerzhaft für die Privatkunden ist, dass gleichzeitig die Einlagensätze weiter sinken. Hatten die Banken im Dezember noch durchschnittlich 1,24 für Einjahresgeld offeriert, musste man sich im März mit 1,04 Prozent begnügen. Auch für länger gebundene Sparguthaben rutschen die Zinsen deutlich.

Die Arbeiterkammer ist wegen des Auseinanderdriftens von Einlagen- und Kreditzinsen alarmiert:"Wenn die Banken auf Kosten der kleinen Leute ihre Gewinne erhöhen, ist das nicht akzeptabel" , wettert Harald Glatz, der in der AKden Konsumentenschutz leitet. Für seinen Kollegen Christian Prantner ist die "Erhöhung der Zinsspanne umso unnachvollziehbarer, als die Banken dank gestiegener Sparvolumina jede Menge billigen Geldes zur Verfügung haben" . Darüber werde man reden müssen.

In einigen Großbanken wird versichert, in den letzten Monaten keine Verschärfung der Konditionen vorgenommen zu haben. Notenbank-Chefstatistiker Aurel Schubert bestätigt zwar die "Gegenbewegung" , spricht aber von Sonderfaktoren bei den Konsumentendarlehen. So zeige der Trend bei Wohnbaukrediten weiter nach unten.

In der Arbeiterkammer spricht man von zunehmenden Lockangeboten, die sich bei näherem Hinsehen als das Gegenteil erweisen. Ärger bereiten den Konsumentenschützern Anbieter wie die Santander Consumer Bank (früher GE Money), die Geld für zwei Prozent ausleihen. Dieser Satz gilt aber nur für 2000 Euro, die meist zusätzlich geborgten Mittel sind um ein Vielfaches verzinst. Schlechte Konditionen registriert Prantner zudem bei der Finanzierung von Warenkäufen wie Autos oder Möbeln:"Wenn die Kunden vor dem Objekt der Begierde stehen, spielt der Zinskostenvergleich oft keine Rolle."

Allerdings dürften die Zinsen weiter steigen und die Trendwende auch die Unternehmen erreichen, obwohl die Europäische Zentralbank ihren Leitsatz von einem Prozent heuer nicht mehr antasten dürfte. Grund sind die neuen Refinanzierungsschwierigkeiten von Banken im Gefolge der Schuldenkrise, die das gegenseitige Misstrauen wieder erhöht haben. Der in London fixierte Satz für Dreimonatsgeld auf Dollar-Basis hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt.

Anspannungen am Geldmarkt

Wegen der neuerlichen Anspannungen an den Geldmärkten haben US- und Euro-Notenbank zwar ihre Dollar-Bereitstellung wieder aufgenommen, allerdings zu unattraktiven Zinsen. So bunkern die Geldinstitute ihre überschüssige Liquidität lieber bei der Europäischen Zentralbank, als es anderen Banken zu leihen. Über Nacht wurden dort zuletzt 295 Mrd. Euro veranlagt.

Zudem ziehen sich US-Geldmarktfonds zusehends von der Finanzierung europäischer Banken zurück und kaufen keine kurzfristige Schuldtitel (Commercial Papers) mehr. Das Kreditvolumen ausländischer Institute über diese Schiene ist laut US-Notenbank Fed gegenüber Ende März um ein Fünftel oder 45 Milliarden Dollar eingebrochen.

Dazu kommt noch die Problematik höherer Eigenkapitalanforderungen, die auf die Banken zukommen:Alles zusammen erhöht den Druck in Richtung einer Steigerung der Zinsspanne. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2010)

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