Bullen kollidieren, McLaren staubt ab

30. Mai 2010, 20:14
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Webber und Vettel sorgen mit Unfall für McLaren-Doppelsieg - RBR-Teamchef Horner versuchte die Wogen zu glätten

Istanbul - McLaren hat am Sonntag im Formel-1-Grand-Prix der Türkei von einer Red-Bull-Kollision profitiert und einen Doppelerfolg gefeiert: Lewis Hamilton triumphierte nach 58 Runden auf dem 5,338 Kilometer langen Kurs im Istanbul Park knapp vor seinem englischen Landsmann Jenson Button. Der Australier Mark Webber, der vom Start weg 40 Runden lang geführt hatte, landete nach einer Kollision mit seinem deutschen Red-Bull-Teamkollegen Sebastian Vettel nur auf Rang drei, verteidigte aber seine WM-Führung erfolgreich.

Das Manöver

Das Manöver am Ende der 40. Runde sorgte für viel Gesprächsstoff, nicht nur bei Red Bull: Vettel, der Hamilton im Nacken sitzen hatte, griff auf der schmutzigen Innenseite seinen Teamkollegen Webber an, hatte die Nase vorne, zog aber dann beim Bremsmanöver vor der Kurve nach rechts und krachte in den Boliden von Webber. Während der Australier das Rennen fortsetzen konnte, musste der Deutsche sein Auto mit kaputtem Hinterreifen abstellen. Beim Abgang von der Strecke zeigte er seinem Teamkollegen noch den Vogel.

Webber musste zur Box, da sein Frontflügel durch die Kollision beschädigt worden war, und fiel damit eine halbe Minute hinter das McLaren-Spitzenduo zurück, womit die Chance auf den Hattrick nach seinen Triumphen in Spanien und Monaco, wo er ebenfalls aus der Pole Position gestartet war, dahin war. Die McLarens sorgten Ende der 48. Runde ebenfalls für einen spektakulären Zweikampf, denn Button griff Hamilton an und sorgte fünf Kurven lang für ein packendes Rad-an-Rad-Duell mit seinem Teamkollegen.

Das Vorzeigebeispiel

"Das war Spaß und Kampf, aber immer fair. Wir haben uns immer genügend Raum gelassen, denn wir wollten ja nicht rausfliegen", betonte Titelverteidiger Button, der nun fünf Punkte hinter Webber WM-Zweiter ist. Und Hamilton meinte in Anspielung auf die Attacke von Vettel: "So ein dummes Manöver würde ich nie machen." Die McLaren-Box beendete jedoch den Zweikampf, weil beide Piloten im Finish Sprit sparen mussten. "Wir hatten ja so sehr gepusht, um mit Red Bull mithalten zu können, deshalb mussten wir am Ende auf Benzin, Bremsen und Reifen achten, um unsere Autos heil ins Ziel zu bringen", erklärte Hamilton nach dem "sehr, sehr spannenden Rennen", das ihm den zwölften GP-Sieg seiner Karriere und den ersten in dieser Saison brachte.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner war verständlicherweise stinksauer, dass für sein Team am Ende nur Platz drei durch Webber herausschaute. "Wir haben heute viele Punkte liegen lassen, das hätte nicht passieren dürfen", betonte der Brite mit Blick auf die Konstrukteurswertung, in der nun McLaren einen Punkt vor Red Bull liegt. "Wir haben unseren Piloten immer gesagt: 'Gebt euch Platz und behandelt euch mit Respekt und Achtung.' Doch heute wollte keiner Kompromisse machen, und so haben wir Platz eins und zwei an McLaren verschenkt und sind sehr enttäuscht, weil wir eine Menge Punkte verloren haben. Wir hatten uns so eine gute Position im Rennen erarbeitet und auch die bessere Strategie, haben wir es doch geschafft, Sebastian beim ersten Boxenstopp an Hamilton vorbei auf Platz zwei zu bringen. Und dann das - wir werden jetzt mit den Fahrern und Renningenieuren reden."

Das Erklärungsmodell

Für die Pilotenkollegen Nico Rosberg, der unmittelbar hinter seinem deutschen Landsmann und Mercedes-Teamgefährten Michael Schumacher Fünfter wurde, und Hamilton war Vettel der Schuldige an dem Unfall, weil er nach rechts zog. "Seb war absolut auf Top-Speed und ist plötzlich nach rechts gekommen. Ich war total überrascht, denn das ging so schnell, dass ich nichts machen konnte", gab auch Webber zu Protokoll.

Für Vettel lag die Schuld dagegen beim "Aussie". "Es ist recht eindeutig. Ich war auf der inneren Seite und hatte Vorrang für die nächste Kurve und habe mich aufs Einlenken konzentriert. Dann habe ich einen Schlag bekommen und es war vorbei. Wenn man die Szene sieht, ist es recht eindeutig", meinte der 22-Jährige, der in der WM nun mit weiterhin 78 Punkten hinter Webber (93), Button (88), Hamilton (84) und dem Spanier Fernando Alonso (79), der im Ferrari auf Rang acht landete, nur noch Fünfter ist.

Nach dem Rennen sickerte aus dem Red-Bull-Lager durch, dass es ein internes Kommunikationsproblem gegeben habe. Da Hamilton enormen Druck auf Vettel ausgeübt hatte, habe man Webber über Funk mitteilen wollen, dass er seinen Teamkollegen, der schneller fahren konnte, passieren lassen sollte. Doch dazu kam es nicht mehr - und so hatte McLaren am Ende gut lachen. "Ich widme diesem Sieg meinem Vater, der morgen seinen 50. Geburtstag feiert", betonte Hamilton mit einem breiten Grinsen. Und Button dankte dem Team für die tolle Arbeit in den vergangenen Wochen: "Dass wir jetzt so knapp an Red Bull dran sind, das hätte vor drei Wochen niemand für möglich gehalten." (APA)

  • Ein hartes Duell zwischen den RBR-Piloten brachte die Entscheidung.
    foto: epa/lubomir asenov

    Ein hartes Duell zwischen den RBR-Piloten brachte die Entscheidung.

  • Sebastian Vettel hatte Erklärungsbedarf: Der Deutsche sah die Hauptschuld aber nicht bei sich.
    foto: epa/srdjan suki

    Sebastian Vettel hatte Erklärungsbedarf: Der Deutsche sah die Hauptschuld aber nicht bei sich.

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