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Nach Bratislava kommt man zum Beispiel mit einem Angebot der Rail Tours Austria. Hin mit dem Twin City Liner auf der Donau, zurück per Bahn, was je rund eine Stunde dauert, plus eine Nächtigung inklusive Frühstücksbuffet im Austria Trend Hotel kostet ab 139 Euro pro Person.

Das Ufo von Bratislava auf der Brücke über die Donau.
Ursprünglich, nach der Wende, fuhren die Österreicher zum Einkaufen nach Bratislava - vom Bauernspeck zum Zeichenbedarf, für Schillingbringer damals unglaublich billig. Anschließend gerieten Opernbesuche in der Donaustadt in Mode, die heute noch die - wie es heißt - "dritte Oper Wiens" beherbergt und wo Lucia Popp sowie Edita Gruberova debütierten.
Dann kamen Flat Tax, Autoindustrieboom, EU und schließlich der Euro über die Slowaken, ihr Wohlstand nahm zu, die Preise zogen an: Für den konsumorientierten Österreicher - und die ebensolche Österreicherin - ein Dämpfer, was die Attraktivität eines Städtetrips in die Wiener Twin City angeht. Dort bieten heute H & M, Betty Barclay und Billa ihr Sortiment zu den gleichen Preisen wie hierzulande an. Nur Essengehen ist rund um die Hälfte billiger.
Doch von derart pragmatischen Erwägungen abgesehen, gibt es auch viele andere gute Gründe, um die von Wien aus 57 Kilometer in die Metropole der slowakischen Republik zu überwinden. Etwa, um mit offenen Augen und Sinn für das - aus österreichisch-nachbarschaftlicher Sicht - Andere durch die Straßen der 427.000-Einwohner-Stadt zu gehen.
Mit Sinn für die vielschichtigen Spuren, die die Geschichte im Stadtbild hinterlassen hat: von der Blütezeit als Krönungsort der ungarischen Könige ab dem 16. Jahrhundert über die k. u. k. Regentschaft; von der modernistischen ersten tschechoslowakischen Republik über den Nazi-Satellitenstaat Slowakei zum grauen Realsozialismus der wieder auferstandenen ÈSSR; schließlich hin zur jetzigen slowakischen Eigenstaatlichkeit, die Bratislava unter anderem viele neue diplomatische Vertretungen gebracht hat.
Diese schon im Überblick reichhaltige - um nicht zu sagen: überreiche - Historie wird zum Beispiel am Rand der Altstadt offenbar. Dort, wo die Panská, die Bratislavaer Herrengasse, am Rudnayovo Námesti auf die Neue Brücke stößt: Auf jene Donauüberquerung samt anschließender Stadtautobahn, die von Technokraten in der bleiernen Zeit nach der Niederschlagung der sozialistischen Demokratisierungsbewegung in den 1970er-Jahren quer durch die alten Stadtteile gefräst wurde.
Rechter Hand der Park vor dem katholischen St.-Martins-Dom, linker Hand ein nicht renoviertes Jugendstilhaus mit einer Steinfigur auf der Fassade. Die leerstehende ehemalige Apotheke im Erdgeschoß ist noch immer auf Ungarisch, Slowakisch und Deutsch beschildert: die drei Bratislavaer Verkehrssprachen aus der Kaiserzeit. Daran anschließend ein saniertes Biedermeiergebäude - und dann sofort die Straßentrasse mit all ihrem Gedröhn, betoniert und mit einem orangegelben Sicherheitsgeländer versehen.
"1968 wurde hier für den Brückenbau ein ganzer Stadtteil weggesprengt - mit dabei auch die neologische Synagoge, die an dieser Stelle stand", erklärt Stadtführerin Bianca mit Blick auf die Autobahnbrücke. Darunter ist seit 1991 auf einer schwarzen Wand das Abbild des ehemaligen jüdischen Versammlungs- und Gotteshauses zu sehen. Als Teil eines Denkmals für die rund 75.000 slowakischen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, die meisten von ihnen durch das damalige hitlertreue slowakische Regime an die Nazis ausgeliefert.
Auch an vielen anderen Stellen haben Stadtplaner im Auftrag der kommunistischen Machthaber dem Bratislavaer Stadtbild in den 1970er- und 1980er-Jahren Prestigebauprojekte beigefügt. Weithin sichtbar zum Beispiel der langstielige Aussichtsturm dort, wo die Neue Brücke das gegenüberliegende Donauufer erreicht.
Seinem Aussehen Ehre machend, wird er nunmehr Ufo genannt und beherbergt in 80 Meter Höhe ein per Aufzug erreichbares Restaurant, das sich der gehobenen Küche verschrieben hat; Gerüchten zufolge soll dort zu ÈSSR-Zeiten eine hochsensible Abhöranlage gegen Westen gerichtet gewesen sein.
Sowie, nicht zu vergessen, das Hotel Kyjev: ein 15-stöckiger, rötlich verkleideter Gebäudekasten in der Rajská - in den 1970ern das erste Haus am Platz, das heute mit seinem "Retro-Charme" Gäste anzuziehen versucht. Doch wer mit eingesessenen Bratislavaern spricht, wird vielfach auf Kritik an dem unveränderten Plattenbau-Äußeren und verstaubten Inneren des zentral gelegenen Etablissements stoßen. Blitzmoderne Einkaufs- und Freizeitzentren, wie sie an den Ufern der Donau entstanden sind, entsprechen dem herrschenden Geschmack weit mehr. (Irene Brickner/DER STANDARD/Printausgabe/29.05.2010)
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"... das sich der gehobenen Küche verschrieben hat ..."
made my day! gehobene Küche ca so: I wü oba I kau net. allein die Einrichtung ist ja schon zum schrein. huuiiii, ich bin so ein hippes Restaurant, aber ich schaffs über das Ost-möchtegern Design nicht hinaus.
Bitte ned gleich drauflosstricheln.
Warum heißt Pressburg nicht mehr Pressburg und seit wann?
Laibach detto.
Ich versteht das einfach nicht. Jahrelang hab ich keinen anderen Namen gekannt und plötzlich heißen die zwei Städte anders. Warum ausgerechnet die zwei? Kein Mensch sagt Pari oder Lisboa oder spricht von Praha. Gibts da irgend eine vernünftige Erklärung?
Pressburg ist schwierig. Das hieß früher auch auf slowakisch Presporok. Dann wurde es umbenannt. Bezeichnend ist die Tatsache, dass es einige Zeit lang Bratislav hieß, also einen tschechischen Namen hatte. Offenbar war die Umbenennung doch nicht so wichtig, wenn es darauf nicht ankam.
Recht haben Sie.
Und vor lauter unreflektiert-vorauseilender Vermeidung deutschsprachiger Namen, die schon alteingesessen waren, als die N@zis noch nicht einmal in die Windeln sch!ssen, kommen dann so grauenvolle Wörter wie "Bratislavaer Stadtteil", "Ljubljanaer Bürgermeister", "Hodmezövasarhelyer Autobahnabfahrt" (OK, der ist von mir *g*) usw. heraus.
...Überkompensation, die danach trachtet, deutsche Anklänge in unseren östlichen Nachbarländern zu vermeiden, um nicht schlafende Hunde der Vergangenheit zu wecken.
Ich persönlich bin aber der Meinung, dass derartige Exonyme nichts kolonialistisches an sich haben, eine Stadt wie Bratislava/Pressburg/Pozsony, die seit jeher am Schnittpunkt dreier Sprachen liegt, nur mehr mit dem (künstlichen)* Namen Bratislava zu bezeichnen, den ohnehin kein Österreicher perfekt ausspricht (richtig: Bratjislava), scheint mir eine Art sprachlich-kultureller Verlust und Verleugnung zu sein.
Die Slowaken selber haben mit "Pressburg" übrigens auch nicht wirklich ein Problem:
www.pressburgtradecenter.com
*vor 1919 hieß die Stadt auf slowakisch Prešporok
Schlimm ist es, wenn Leute irgendwelche tschechischen Ortsnamen irgendwie rausstammeln. Der Tscheche in mir wird dann immer sehr unrund und ersucht diese Menschen, den deutschen Namen zu verwenden, wenn sie von der tschechischen Sprache absolut keine Ahnung haben.
d, t, l und n werden vor i (und e) (beinahe)* immer palatisiert ausgesprochen, sprich dj, tj, lj und nj.
Sonst wäre ja auch die Unterscheidung ti/ty, ni/ny, di/dy sinnlos.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia... islava.ogg
*Ausnahmen: teraz, jeden, ten, vtedy
Pari gibt's auch nicht, das heißt schon Paris.
Es kommt immer darauf an, wo die Stadt ist.
Italienische Stdte werden meist eingedeutscht, französische Städte hingegen im Original übernommen.
Keine Ahnung, warum das so ist.
Allerdings kenne ich persönlich Ljubljana nur als Ljubljana und Bratislava nur als Bratislava.
keine frage, die altstadt-fassaden sind perfekt restauriert. essen & freudlichkeit der bedienung unterm hund, aber das ist in der slowakei fast standard. einen verträumten nachmittag ist bratislava allemal wert.
Eine schöne Stadt, es bleibt mir bis heute ein Rätsel wie es so viele Wiener geschafft haben, in einer Stadt die nur 1h entfernt ist noch nie gewesen zu sein.
Ein Besuch lohnt sich, alleine um die aus der K&K Zeiten stammenden Architektur zu bewundern.
Die Siedlung Petrzalka ist allerdings weniger gut gelungen - Kommunistiche Plattenbausiedlung
ich persönlich bin oft dort und find bratislava einfach schirch. gut, die altstadt ist nett, aber nix besonderes, find ich. das kann in restösterreich jede bessere landes- und bezirkshauptstadt. und alles was außerhalb der altstadt ist ist baulich eine beleidigung, inkl. diverser büro- und einkaufszentren. innen drinnen ists in den bürogebäude sowieso unpackbar (pos. ausnahmen gibt's natürlich auch), da kann man kaum glauben dass man nur 1h von wien entfernt ist.
Wenn die öffentlichen Verkehrsverbindungen endlich mal an die Post-Ostblock-Zeit angepasst würden, könnte man vielleicht weitere WienerInnen zu einem Besuch motivieren (und denen, die pendeln müssen, das Leben zu erleichtern).
Die derzeitigen Verbindungen werden dem Begriff Twin City kaum gerecht.
Sie kommen in Petrzalka an, nach 57 Minuten Fahrzeit, von dort können Sie mit Bus (spottbillig) und Taxi (billig) weiter reisen.
Worüber genau beschweren Sie sich? Oder gehts nur ums prinzipielle Gesudere?
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