Lena Meyer-Landrut lag schon vor Ende der Wertung uneinholbar vorn - mögliche Titelverteidigung im nächsten Jahr
Oslo - Lena Meyer-Landrut setzte
sich mit ihrem Lied "Satellite" am Samstagabend in Oslo im Finale
gegen Sänger und Bands aus 24 anderen Ländern durch, wie bereits kurz
vor Abschluss der Punktevergabe aus 39 Ländern feststand. Der ESC ist
der weltweit größte Showwettbewerb dieser Art.
Die 19-jährige Meyer-Landrut galt zwar im Vorfeld als Favoritin,
ihr Sieg kommt aber dennoch einer Sensation gleich. Die aus Hannover
stammende Maturantin war erst in einer von Fernsehmoderator Stefan
Raab organisierten Casting-Show entdeckt worden. Bis zum Beginn
dieser Show im Februar war sie auch in Deutschland vollkommen
unbekannt. In Oslo kam Lena am Ende auf 246 Punkte und lag damit mit
deutlichem Abstand vorn. Auf den zweiten Platz kam die Türkei mit 170
Punkten. Dritter wurde Rumänien mit 162 Punkten.
Der 55. Eurovision Song Contest, bei dem einschließlich der beiden
Halbfinale insgesamt 39 Staaten teilnahmen, wurde von 18.000
Zuschauern in der Telenor-Arena in Oslo sowie rund 125 Millionen
Menschen innerhalb und außerhalb Europas am Fernsehschirm verfolgt.
Die Punkte wurden von jedem Land zur Hälfte nach dem Televotum der
Zuschauer und den Stimmen einer Jury vergeben.
Pläne
Lena zeigte sich unterdessen trotz der Euphorie um ihre Person
entspannt. "Gott sei Dank nehme ich das nicht so Ernst. Ich raste jetzt
nicht aus deswegen." Der Sieg in Oslo sei nicht so wichtig für sie,
sagte die Maturantin. "Es ist schön und es ist wahnsinnig, aber es ist
kein Grund, jetzt abzudrehen."
SIe will nun in absehbarer Zeit eine Europa-Tournee starten. Raab sagte,
"das wird ein lustiger Europaurlaub für Lena". Genaue Pläne gebe es aber
noch nicht. "Wir hetzen uns nicht", sagte Lena. Nun genieße sie
zunächst ihren Sieg, dann werde weitergesehen. "Pläne, Pläne, wir haben
keine Pläne. Also ich jetzt nicht. Pläne kommen noch, wenn Pläne da
sind, dann präsentieren wir auch Pläne."
Wiedersehen 2011?
Stefan Raab besteht indessen darauf: Lena Meyer-Landrut soll ihren Eurovisions-Titel nächstes Jahr zu Hause verteidigen. Die deutschen Zuschauer sollen nur noch entscheiden, welchen Titel sie singt. "Es wurde von einigen Journalisten für einen Scherz gehalten, ist aber keiner", verkündete Raab am Montag in seinem Kölner "TV Total"-Studio. Die Programm-Verantwortlichen vom NDR und von ProSieben sähen das genauso, und mit Lena habe er noch vor ihrem Sieg eine entsprechende Absprache getroffen. NDR-Intendant Lutz Marmor meinte, es gehe darum, für die
Titelverteidigung die besten Kräfte zu bündeln. "Es würde ja auch bei
der Nationalmannschaft keinen Sinn machen, wenn sie den besten
Torschützen zu Hause lassen." Auch Lena sekbst bekräftigte, dass sie wieder antreten wolle. "Auf jeden Fall. Ich bin dabei."
In der Geschichte des seit 1956 ausgetragenen Wettbewerbs, der früher
Grand Prix d'Eurovision hieß, gelang noch keinem Künstler die
Titelverteidigung. Allein der Ire Johnny Logan konnte zweimal gewinnen,
zwischen seinen Siegen 1980 und 1987 lagen aber sieben Jahre.
Wo das 2011er Finale stattfinden wird, steht noch nicht fest. NDR-Intendant
Marmor sagte, dies bedürfe "sorgfältiger Abwägung". So müsse mit
erheblichen Kosten für die Durchführung gerechnet werden, der ESC in
Oslo soll die norwegischen Gastgeber 25 Millionen Euro gekostet haben.
Deutschland wolle aber auch "ein toller Gastgeber" sein, weshalb es eine
fernsehtaugliche große Halle brauche sowie die passende
Verkehrsinfrastruktur und ausreichend Hotels, sagte Marmor.
ORF springt vielleicht wieder auf den Zug auf
Auch der ORF könnte vielleicht nach drei Jahren Pause 2011 wieder antreten. Generaldirektor Alexander Wrabetz erklärte dazu am Montag vor dem Publikumsrat, dass man die Ausstrahlung im kommenden Jahr, wo der Song Contest in Deutschland stattfindet, "sicher überdenken" werde. (APA/apn/red)