Neuseeland besiegt Serbien

29. Mai 2010, 22:35
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Serbische Fans stürmten aufs Spielfeld - Spanien müht sich gegen Saudi Arabien - Kamerun vs. Slowakei fand keinen Sieger - Deutschland schlägt Ungarn, USA die Türkei

Tirol/Klagenfurt - Fußball-Europameister Spanien hat am Samstagabend das erste von zwei Testspielen im Innsbrucker Tivoli-Stadion gegen Saudi Arabien mit 3:2 (1:1) gewonnen. Die Spanier konnten aber phasenweise nicht überzeugen. Gerade ihr berühmtes Kurzpassspiel funktionierte nicht immer und die Abwehr um Chef Carles Puyol war gegen die groß gewachsenen und robusten Saudis oft hilflos. Erst in der Nachspielzeit erzielte Fernando Llorente (92.) den Siegestreffer. Zuvor hatten David Villa (30.) und Xabi Alonso (58.) getroffen.

So waren es auch die Saudis, die schon nach neun Minuten ihre Gefährlichkeit andeuteten, als Al Numare nur das Außennetz traf. In der 16. Minute gingen die Saudis dann sogar in Führung, Osama gewann das Luftduell und setzte den Ball nach einem Eckball ins Kreuzeck.

Mit Fortdauer der Partie fand Spanien, die aktuelle Nummer zwei der Weltrangliste, besser ins Spiel. Und es war der vom FC Barcelona verpflichtete Villa, der in "seinem" Stadion glänzte. In der 30. Minute erzielte er per Kopf den Ausgleich und in der 37. Minute schoss er ganz knapp neben das Tor. Bei der EM vor zwei Jahren hatte Villa am Tivoli beim 4:1 über Russland drei Tore und beim 2:1 über Schweden den Siegestreffer in der 92. Minute erzielt.

Wie schon in der ersten Hälfte begannen die Saudis auch nach der Pause sehr stark. Die Spanier waren aber besser darauf eingestellt. Nach einem wunderschönen Spielzug über Iniesta und Xavi erzielte Alonso mit einem Schuss aus 25 Metern das Führungstor für die Iberer (58.).

Spaniens Teamchef Vicente del Bosque brachte nach der Führung vier neue Spieler und der Europameister bestimmte weiter das Geschehen. In der 74. Minute erzielte Saudi-Arabien jedoch überraschend den Ausgleich. Al Sahlawi kam am Sechzehner völlig frei zum Schuss und erwischte dabei Spaniens Nationaltorhüter Iker Casillas, der keine Reaktion zeigte, auf dem falschen Fuß.

Als alles schon auf ein überraschendes Remis hindeutete, erzielte Llorente, der für Villa gekommen war, in der Nachspielzeit den Siegestreffer. Nach einer Ecke versenkte er den Ball per Kopf im Tor.

Die Spanier übersiedeln am Sonntag in ihr Trainingslager nach Schruns/Tschagguns und bestreiten am kommenden Donnerstag (18 Uhr) noch ein Testspiel im Innsbrucker Tivoli-Stadion. Gegner wird dann WM-Teilnehmer Südkorea sein, der sich derzeit auf Trainingslager in Neustift im Stubaital befindet.

Neuseeland überrascht

Das WM-Testspiel-Doppel am Samstag im Klagenfurter Wörthersee-Stadion hat mit einer faustdicken Überraschung geendet. Fußball-Exot Neuseeland feierte vor 14.000 Zuschauern einen 1:0-Sieg über Serbien. Davor hatten sich Kamerun und die Slowakei mit 1:1 getrennt.

Die Neuseeländer brachten die Serben dank einer unorthodoxen, aber effizienten Taktik zum Verzweifeln. Mit einem 3-4-3-System, das sich bei Ballbesitz des Gegners blitzschnell in ein 5-4-1 verwandelte, ließen die diesmal ganz in Schwarz angetretenen "All Whites" der Balkan-Truppe keine Räume.

Die Serben, bei denen Inter-Mailand-Kicker Stankovic auf der Bank saß und Obradovic in der 21. Minute mit einer blutenden Nase vom Feld musste, hatten zwar deutlich mehr Ballbesitz, wussten sich zumeist aber nur mit harmlosen Weitschüssen zu helfen. Die beste Chance vergab Subotic in der 38. Minute, als er aus zwei Metern per Kopf das Tor verfehlte.

Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 1:0 für den krassen Außenseiter. In der 22. Minute war Smeltz nach einer Kopfball-Verlängerung von Fallon im Strafraum zum Ball gekommen, ließ Rukavina mühelos aussteigen und schoss trocken ein. Nur zwei Minuten später hatte Fallon das 2:0 auf dem Fuß, der Angreifer scheiterte vom Sechzehner aber an Goalie Stojkovic.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich bei strömendem Regen nichts am Geschehen. Die Serben waren überlegen, aber einfallslos, einzige Ausbeute blieb ein Schuss von Zigic in der 63. Minute aus sechs Metern genau auf Goalie Paston. In der 80. Minute hatten die Neuseeländer sogar noch die Chance auf das 2:0, Brockie traf aus kurzer Distanz jedoch nur das Außennetz.

Danach sorgten die serbischen Fans - unter den 14.000 Zuschauern in der klaren Mehrheit - für negative Höhepunkte. Zunächst wurden Feuerwerkskörper gezündet und eine Flasche aufs Feld geworfen, wenige Minuten vor Schluss stürmten dann einige Anhänger auf den Platz. Kapitän Vidic und seine Kollegen bemühten sich schließlich erfolgreich, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Slowakei - Kamerun 1:1

Deutlich ruhiger war es im ersten Match des Tages beim 1:1 zwischen der Slowakei und Kamerun durch Treffer von Kopunek (6.) bzw. Eyong (83.) zugegangen. Die Slowaken bestachen in einer Partie mit offensichtlichem Testmatch-Charakter zunächst mit jenen Vorzügen, die sie schon in der WM-Qualifikation ausgezeichnet hatten. Die Abwehr, angeführt von Liverpool-Legionär Skrtel, präsentierte sich über weite Strecken souverän und die Kollegen in der Offensive sorgten vor allem vor der Pause mit schnellen Vorstößen immer wieder für Gefahr - so auch in der 6. Minute, als Stoch für Kopunek ablegte. Der Mittelfeldspieler traf mit einem strammen Schuss aus 18 Metern genau ins Kreuzeck.

Die Kameruner fanden ohne Superstar Samuel Eto'o mit ihrem äußerst flexibel angelegten 4-3-3-System erst nach einer guten Viertelstunde besser ins Spiel, mehr als Halbchancen durch Schüsse von Webo (19., 30./Goalie Kuciak parierte) und Eyong (27./drüber) schauten jedoch nicht heraus. Nach dem Seitenwechsel kam Salzburg-Legionär Svento ins Spiel, der ebenfalls eingewechselte Sestak produzierte in der 50. Minute aus wenigen Metern einen Lattenpendler und reklamierte danach vergeblich, dass der Ball hinter der Linie aufgekommen sei.

In der Folge dominierten die Afrikaner klar das Geschehen und schafften in der 83. Minute noch den verdienten Ausgleich, als Eyong schneller als Kuciak war und den Ball aus wenigen Metern über die Linie bugsierte. Der slowakische Schlussmann verletzte sich in dieser Situation, wurde durch Pernis ersetzt und mit einer Fußverletzung ins Spital gebracht.

In der zweiten Hälfte blieb die Slowakei mit Ausnahme des Lattentreffers weitgehend harmlos, auch Svento konnte am linken Flügel keine Akzente setzen. Der einzige Spieler aus der österreichischen Bundesliga mit Aussicht auf eine WM-Teilnahme darf sich damit seines Platzes im 23-Mann-Kader nicht sicher sein.

Die Slowaken kämpfen in Gruppe F mit Neuseeland, Titelverteidiger Italien und Paraguay um den Aufstieg ins WM-Achtelfinale. Kamerun bekommt es in Pool E mit den Niederlanden, Dänemark und Japan zu tun, die Gegner von Serbien in Gruppe D heißen Deutschland, Ghana und Australien.

Deutschland ohne Probleme gegen Ungarn

Deutschland hat gegen Ungarn einen völlig ungefährdeten 3:0-(1:0)-Sieg gefeiert. Vor 20.000 Zuschauern im Ferenc-Puskas-Stadion von Budapest erzielten Lukas Podolski (5./Elfmeter), Mario Gomez (69.) und Cacau (72.) die Treffer für die ersatzgeschwächte Elf von Teamchef Joachim Löw. Es war der vorletzte WM-Test für die DFB-Elf, der letzte geht am 3. Juni in Frankfurt gegen Bosnien-Herzegowina über die Bühne.

Österreichs EM-Qualifikations-Gegner startete nach Maß, nach einem Foul von Sandor Torghelle an Per Mertesacker im Strafraum verwertete Podolski den verhängten Elfmeter sicher zur raschen 1:0-Führung (5.) und machte damit seinen 38. Treffer im 72. Länderspiel perfekt. Danach zündete die DFB-Auswahl ein wahres Offensivfeuerwerk, das allerdings unbelohnt blieb. Ungarn-Goalie Gabor Kiraly blieb gleich dreimal im Duell mit Mesut Özil (11., 15., 17.) Sieger. Mit Fortdauer der ersten Hälfte kamen die Ungarn etwas besser in die Partie und so hielt die Mannschaft von Trainer Erwin Koeman auch bis zur 69. Minute den knappen Rückstand. Innerhalb von drei Minuten war das Match dann aber endgültig entschieden. Gomez traf in einer Aktion zweier eben erst eingewechselter Spieler nach Vorarbeit von Marko Marin zum 2:0 (69.) und Cacau legte nach einer Kopfballvorlage von Mertesacker noch einen weiteren Treffer nach (72.).

In Abwesenheit von Neo-Kapitän Philipp Lahm und dessen "Vize" Bastian Schweinsteiger ließ Löw Miroslav Klose als Kapitän einlaufen. Während des Spiels kamen auch noch Arne Friedrich an seinem 31. Geburtstag sowie Per Mertesacker zu Kapitänsehren. Bayern Münchens Abwehrspieler Holger Badstuber gab ab der 71. Minute sein Debüt in der DFB-Elf. Goalie Manuel Neuer war in seinem ersten Spiel als Nummer eins kaum gefordert, machte aber einen sicheren Eindruck. "3:0, das kann sich sehen lassen", sagte der Schalke-Goalie. Überzeugend agierte auch Ballack-Ersatzmann Sami Khedira, der zur Pause allerdings verletzungsbedingt aufgrund einer Muskelverhärtung vom Feld musste.

Slowenien wärmt auf, USA schlägt Türkei

In Bruneck feierte Slowenien erwartungsgemäß einen 3:0-Erfolg gegen den italienischen Drittligisten FC Südtirol. Bei starkem Regen trugen sich Zlatan Ljubijankic (70., 80.) und Kapitän Robert Koren (72.) in die Schützenliste ein. Die Slowenen mussten ohne ihren verletzten Köln-Stürmer Milivoje Novakovic auskommen, der Routinier sollte aber rechtzeitig vor dem Turnier fit werden. "Von Tag zu Tag ist es besser, ich habe 31 Jahre für einen WM-Auftritt gelebt. Da werde ich halt die Zähne zusammenbeißen", sagte der an einer Zwerchfellverletzung leidende Novakovic. Die Slowenen bleiben noch bis Donnerstag in Bruneck und absolvieren am Freitag in Maribor ihr letztes Vorbereitungsspiel gegen Neuseeland.

Auch die USA waren erfolgreich. Die Amerikaner gewann ihren vorletzten Test in Philadelphia vor 55.047 Zuschauern gegen Österreichs EM-Qualifikations-Gegner Türkei mit 2:1 (0:1). Arda Turan hatte die Türken, bei denen Turgay Bahadir nicht zum Einsatz kam, zwar in Front gebracht, Jozy Altidore (57.) mit einem Abstaubertor und Clint Dempsey (75.) drehten die Partie aber zugunsten der nach der Pause klar dominierenden Gastgeber.

Die Mannschaft von Bob Bradley fliegt am Sonntag nach Südafrika und trifft dort in ihrem letzten Testspiel am 5. Juni auf Australien. (APA)

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    David Villa und seine Compañeros mühten sich am Tivoli gegen Saudi Arabien zu einem späten Sieg

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    Die in schwarzen Trikots spielenden All Whites ärgerten in Klagenfurt Serbien

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    Kamerun und die Slowakei testeten sich ohne Sieger.

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