Wie Hilfe für Bootsflüchtlinge verhindert wird

Irene Brickner, 30. Mai 2010, 14:12

Der jetzt rechtskräftig gewordene Freispruch der "Cap Anamur"-Besatzung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass man Zivilcourage weiter mit Härte bekämpft.

Vergangenen Freitag wurde endgültig bestätigt, dass die Rettung von 37 afrikanischen Bootsflüchtlingen aus akuter Lebensgefahr durch das Schiff „Cap Anamamur" 2004 keine „Beihilfe zur illegalen Einreise" nach Italien - und somit in die EU - war. Man erinnere sich: Der „Cap Anamur" war drei Wochen das Anlegen in Sizilien verweigert worden. Als es dann gewährt wurde, kam die Besatzung vor Gericht. Nun wurde der Freispruch des früheren Vorsitzenden der gleichnamigen deutschen Hilfsorganisation, Elias Bierdel, und zwei weiterer Schiffsoffiziere durch ein Gericht im sizilianischen Palermo rechtskräftig. Bierdel, der inzwischen am Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung in Stadtschlaining angehende UNO-Mitarbeiter für ihre Einsätze ausbildet, ist erleichtert. Aber er freut sich nicht. 


Denn leider stellt dieser rechtsgültige Freispruch überhaupt nicht klar, dass Schiffsbesatzungen, die auf hoher See Flüchtlinge aus Schlauch- oder kleinen Fischerbooten an Deck holen, von nun an straffrei bleiben. Und schon gar nicht wird jetzt in Italien oder anderswo die strikte europäische Abschottungspolitik überdacht, die jährlich tausenden Menschen das Leben kostet. Sei es, weil sie in den ungenügenden Booten verdursten, aus Entkräftung sterben oder als Schiffbrüchige ertrinken. Oder weil sie auf der Grundlage des bilateraler Abkommens zwischen Italien und Libyen nach Libyen zurückgeschickt werden und in Abschiebezentren in der Wüste kommen, wo Folter und Hunger an der Tagesordnung sind. 

Vielmehr müssen Schiffsbesatzungen mit Zivilcourage in Italien auch weiter mit behördlicher Härte rechnen. Zwei tunesische Kapitäne, die im August 2007 44 Migranten in Seenot auf ihr Schiff ließen, wurden im November 2008 in Sizilien zwar, wie Bierdel auch, vom Vorwurf der Schlepperei freigesprochen. Doch weil sie beim Versuch, mit den Flüchtlingen in Lampedusa an Land zu gehen - wo diese einen Asylantrag stellen wollten - einem Zoll- und einem Kriegsschiff ausgewichen sind, wurden sie wegen „Widerstand gegen die Staatsgewalt" zu je 30 Monaten Haft und insgesamt 440.000 Euro Geldstrafe verurteilt: einer für tunesische Fischer niemals aufbringbare Summe. Und ihre berufliche Existenz wurde ruiniert, weil ihre Schiffe behördlich konfisziert wurden, seither verrostet und somit unbrauchbar geworden sind. 


Die Berufung gegen das Urteil läuft. Doch laut Judith Gleitze, die für Bierdels neue Flüchtlingshilfsorganisation „Borderline Europe" ( www.borderline-europe.de ) in Sizilien arbeitet, hat es zur Folge, „dass Fischer Flüchtlingsbooten jetzt wenn möglich ausweichen, um rechtlichen Verwicklungen zu entgehen". Eine Selbstschutzreaktion, die zwangsläufig zu mehr Toten führt, so lange Bootsflüchtlinge übers Mittelmeer kommen, weil sie daheim keine Perspektiven haben und es keine Chance auf legale Einreise in die EU gibt. Alles in allem ist das eine Flüchtlings- und Flüchtlingshelferabschreckungspolitik, die in all ihren Facetten einem großangelegten Programm unterlassener Hilfeleistung gleichkommt. 

Irene.Brickner@derStandard.at

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beethovenfries
00
22.6.2010, 00:40

Liebe Irene Brickner, das ist ein ziemlich depperter Satz: "Denn leider stellt dieser rechtsgültige Freispruch überhaupt nicht klar, dass Schiffsbesatzungen, die auf hoher See Flüchtlinge aus Schlauch- oder kleinen Fischerbooten an Deck holen, von nun an straffrei bleiben."

Der Freispruch ist rechtsgültig und Ihr Kommentar relativiert ihn. Jetzt werden wieder jede Menge Schifferlfahrer aka Urlaubssegler sagen: "Aber ich konnte die doch garnicht retten, damit bringe ich mich in Gefahr." Und das ist blöd. Weil davon sterben Menschen. Erst denken, dann schreiben.

parapente
42
Wie wäre es,


wenn diese "Flüchtlinge" NICHT diese Absaufboote besteigen, noch dazu Unsummen sparen - und so ihr Leben retten??

beethovenfries
00
22.6.2010, 00:25

Weiter als mit einem Tretboot oder einer Luftmatratze auf die Alte Donau sind Sie auf dem Wasser noch nicht gekommen, oder?

rorschach
03
geh fahrens am besten

gleich in die betroffenen regionen und überzeugens die leut sie haben so bestechende argumente .. nur eine frage wenn die leute dann trotzdem flüchten - also trotz ihrer weisen ratschläge getätigt im holden heim vorm rechner und in seenot geraten was würden sie dann tun? sie retten oder sterben lassen?

Ahnungs Loser
53
31.5.2010, 13:26
selba schuld

weg mit de auslenda, danke eu!!!

trollvottel
35
31.5.2010, 15:54

Darf man dich denn als ignorantes, mordgeiles, gewissenloses Schwein bezeichnen? Was du im Klartext schreibst ist "lasst sie absaufen, weil ich will meine Ruhe". Mit Menschlichkeit und Charakter hat dies nichts mehr zu tun, das ist nur noch blutrünstige Stammtischwinselei.

Luky Pozzo
23
31.5.2010, 16:49

Ich glaube eher, dass sich der Ahnungs Lose als verhinderter Schlingensief definiert, als Schausteller in der Rolle des Ungustls.
Hoffentlich findet er aber wieder zu sich selbst zurück.

angelvoices
28
31.5.2010, 12:03
EU wird angeprangert

weil Libyen foltert...
(es gibt auch in Afrika sichere Länder und Schleppern gehört das Handwerk gelegt)

Luky Pozzo
02
31.5.2010, 14:12
Italien, nicht "EU"

Bilaterales Abkommen zwischen Italien und Libyen steht hier, nicht "EU" - UNHCR und EU-Kommission haben das italienische Zurückschiebungsabkommen mit Libyen ja wegen der inhumanen, unsicheren Situation in Libyen kritisiert und weil die Genfer Flüchtlingskonvention, deren Vertragspartei Italien ist, die Zurückschiebung in Länder verbietet, die AsylwerberInnen in die Verfolgerländer weiterschieben - was einem Berlusconi bekanntlich so wurscht wie vieles ist, was sich nicht auf sein Vermögen oder seine politische Macht bezieht.

RedFlea
810
31.5.2010, 11:58
Kommentare auf Krone Niveau

Geschrieben von Rechnern die am Ende ihrer Lebenszyklen auf afrikanischen Grund und Boden unter katastrophalen Bedingungen für Natur und Mensch „recycelt“ werden…. Aber genau, „wir“ könne da ja gar nix dafür…

salami
25
31.5.2010, 13:13
die kommentare hier

sind echt zum weinen.

G e o r g
512
31.5.2010, 13:12

Tja, dieser Menschenhass, der sich in den zynischen und gehässigen Postings zeigt, ist eben die hässliche Fraze des ressentimentgesteuerten Mobs. Solche Leute sind es, die Pogrome veranstalten. Schade, dass sie nicht weniger werden.

trollvottel
16
31.5.2010, 15:56

Wie sollen sie weniger werden? Hier in einem Land, wo ausgerechnet die nationalchauvinistische, antisemitische, das Rassendenken propagierende Krone den Mainstream stellt, wo rechtsextreme Bierzelt-Brandredner nicht 5% kriegen wie anderswo sondern eher 20?

dermartino
29
31.5.2010, 11:47

Wie wärs wenn die Flüchtlinge gerettet und dann den Behörden übergeben werden, anstatt Zoll und Polizei auszuweichen?

Wäre das kein gangbarer Weg?

razor blade
11

Wie doof kann man sein? Und dann noch so viele grüne Striche dafür bekommen?

die geretteten WOLLEN ja von den behörden übernommen werden. es sind die behörden, die sie nicht übernehmen (und nicht an land lassen) wollen.

die fischer KÖNNEN die geretteten nicht den behörden übergeben, weil diese sie nicht wollen, sondern sie aufs meer zurückschubsen. das ist ja das problem.

sie haben da was grundsätzlich missverstanden.

Alfred E.Neumann
00
31.5.2010, 17:11
Was aber ...

... wenn die Behörden die Schiffbrüchigen nicht übernehmen?

dermartino
22
31.5.2010, 17:14

Das ist doch nicht das Problem des Fischers, der Schiffbrüchigen das Leben rettet.

Alfred E.Neumann
02
31.5.2010, 17:18
Doch, das ist das Problem des Fischers.

Er hat die Geretteten an Bord und die Behörden hindern ihn, diese Leute an Land zu bringen bzw. mit seinem Boot überhaupt einen Hafen anzusteuern.

parapente
11
Den eigenen Hafen


darf er schon ansteuern - oder??

sudokista
01
Nein,

nach int. Seerecht hatte der Fischer den nächsten sicheren Hafen anzulaufen; in concreto hier Lampedusa. Macht er das nicht hat er Probleme in seinem Heimathafen - oder welchen Hafen er dann auch immer ansteuert.

Hellcat
313
31.5.2010, 11:39
Tausende Tote?

Im vergangenen Jahr erreichten 2.242 Immigranten die Kanarischen Inseln mit einem Flüchtlingsboot (im Jahr 2006 waren es noch 31.859!), insgesamt 32 Menschen kamen dabei ums Leben.
http://www.islacanaria.net/die-kanar... 15973.html
Auch im Mittelmeer zeigen die FRONTEX-Einsätze Wirkung. Die Zahl der Bootflüchtlinge ist stark zurückgegangen, in Italien hat sich die Zahl der Asylwerber gegenüber dem Vorjahr halbiert
.
Die Abschottungspolitik reduziert die Zahl der Bootflüchtlinge und die Zahl der Toten.

Konterrevolutionär
2115
31.5.2010, 00:35

Mir kommen gleich die Tränen, Frau Brickner. Was kann ich tun für Sie?

Ahnungs Loser
41
31.5.2010, 13:27
recht haben sie

menschenleben sind keine 2 cent wert - weg mit de auslenda, danke eu!!!

Luky Pozzo
99
31.5.2010, 11:18

Was Sie tun können? Hauen Sie sich z. B. über die Häuser.

Gottfried Scheickl
214
31.5.2010, 10:12
Ich hoffe nur SIE

geraten irgendwann in Seenot - und werden von ev. anwesenden Fischern mit einem Asylanten verwechselt.
Zudem hoffe ich, dass diese Fischer immer noch human genug sind, selbst Sie zu retten - ungeachtet der rechtl. Schwierigkeiten, die sie sich damit aufbürden.
Ob SIE - wenn Sie in der Situation der Fischer wären - in diesem Falle sich selbst retten würden?
Der Diktion Ihres Postings nach vermute ich eher nicht.

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