Melzer ist endlich Major-Achtelfinalist

29. Mai 2010, 17:37
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Dreisatzsieg über Ferrer bringt Österreicher ins Paris-Achtelfinale - Erstmals bei Major unter den besten 16

Paris - Im zwölften Anlauf ist es Jürgen Melzer endlich gelungen: Der 29-jährige Niederösterreicher hat am Samstag bei den French Open in Paris erstmals in seiner Karriere die vierte Runde, also das Achtelfinale, eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Melzer bezwang in überzeugender Manier den als Nummer 9 gesetzten Spanier David Ferrer nach nur 1:56 Stunden mit 6:4,6:0,7:6(1) und kämpft nun am Montag gegen Überraschungsmann Teimuras Gabaschwili (RUS) um den Einzug ins Viertelfinale.

Mit einem Kniefall wie nach einem Turniersieg, einem lauten Schrei und dem Pochen auf sein Herz dokumentierte Melzer auf dem Court 1 die Erleichterung, die er verspürt hat. "Endlich hab ich's, endlich vorbei. Gewonnen, vierte Runde, zweite Woche und jetzt fängt das Turnier an", schilderte Melzer später seine ersten Gedanken nach der Verwertung gleich des ersten Matchballs. Für Melzer war es eigentlich das Durchbrechen seiner persönlichen, sportlichen "Schallmauer", denn zu oft hatte er schon - bei allen vier Grand-Slam-Turnieren - in einer dritten Runde verloren.

Als insgesamt erst fünfter ÖTV-Spieler bei den Herren nach Peter Feigl, Thomas Muster, Alexander Antonitsch und Stefan Koubek erreichte Melzer damit das Achtelfinale bei einem der vier Majors. Zuletzt war dies Koubek vor mittlerweile acht Jahren (2002 Viertelfinale) bei den Australian Open gelungen. Melzer hat sich erstmals einen Platz in den Top 25 gesichert, ebenso hat er mindestens 70.000 Euro gewonnen.

"Das war ein extrem wichtiger Sieg für mich. Ferrer ist kein Unbekannter auf Sand, den muss man erst einmal schlagen, und ich habe ihn doch deutlich geschlagen", freute sich Melzer. "Es ist halt wichtig, dass man dabei bleibt und weiter an sich glaubt. Ich habe nie aufgehört, daran zu glauben, das ist ein Punkt, in dem ich mich am meisten verbessert habe."

Nur Wien ist schöner

Der zweifache Turniersieger stuft nur einen Erfolg höher ein: "Wien würde ich auf alle Fälle noch drüberstellen", spricht er den Triumph bei der Bank-Austria-Trophy im vergangenen Herbst an. Ein Titel, der bei ihm einen weiteren Schub ausgelöst hat. Durchaus möglich, dass das Knacken des Major-Achtelfinales einen weiteren Aufwärtstrend bedingt. "Für mich hat sich diese Frage, wann endlich vierte Runde bei einem Grand Slam, jetzt erledigt", schnaufte Melzer durch.

Und er hat es sich wirklich verdient, zu oft hatte Melzer schon durch die Finger geschaut. Doch sein Auftritt gegen den zweitbesten Sandplatz-Spieler dieser Saison (drei Halbfinali in Monte Carlo, Barcelona und Madrid, Finale in Rom) war wohl einer der besten seiner Karriere.

Von Beginn weg setzte Melzer den Weltranglisten-11. enorm unter Druck, machte schon im dritten Game das erste Break, das auch schon den Satzgewinn bedeutete. In nur 26 Minuten fegte er den Spanier im zweiten Durchgang mit 6:0 vom Court ("Der Satz war wohl noch besser als das Match gegen Wawrinka bei Olympia"), ehe es im dritten dann doch noch enger wurde.

Als bei 4:4 und 0:40 Aufschlag Ferrer Melzer schon auf dem Weg zur Bank war und er mental schon auf das Match aufschlagen wollte, wurde ein Ball Ferrers dann doch gut gegeben und der Spanier holte mit einer Portion Glück das Game noch. Bei 5:6 musste Melzer bei 0:30 und eigenem Service auch noch zittern. "Aber ich habe das gut gemeistert und dann ein wirklich gutes Tie-Break gespielt. Der Sieg geht in drei Sätzen in Ordnung", konstatierte Melzer und hatte damit Recht. "Ich bin einfach froh, dass ich das so geil durchgespielt habe."

Chance auf mehr

Und nun hat der Deutsch Wagramer, der auch am Samstag von Freundin Mirna Jukic und seinen Eltern angefeuert wurde, eine reelle Chance, hier sogar noch einen Schritt weiter zu machen: Denn der russische Qualifikant Teimuras Gabaschwili, aktuell nur 114. im ATP-Ranking, marschierte nach drei Zwei-Satzsiegen in der Qualifikation und drei weiteren Drei-Satz-Erfolgen ohne Satzverlust ins Achtelfinale. Der 6:4,6:4,6:2-Erfolg über den als Nummer 6 gesetzten US-Amerikaner Andy Roddick darf getrost als Sensation bezeichnet werden und Melzer war das freilich nicht unrecht.

"Gabaschwili ist mir nicht unangenehm, das muss ich ehrlich sagen", sagte Melzer, der einmal in der Qualifikation für Hamburg 2006 einen glatten 6:2,6:3-Sieg gegen den Russen gefeiert hat. "Man hat gesehen wie der spielen kann, jetzt zeigt er es schon sechs Partien hintereinander." Für Melzer ist der 25-jährige, gebürtige Georgier, der ein bisschen wie Quentin Tarantino aussieht, ein "sehr gefährlicher Spieler". Mit variantenreichem Spiel glaubt Melzer aber auch diese Nuss knacken zu können. Wer einen Ferrer auf Sand schlägt, muss sich freilich vor Gabaschwili nicht fürchten. Für beide wird es am Montag das erste Major-Achtelfinale ihrer Karriere. (APA)

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    Oft versucht, bisher nie erreicht: In Paris schafft es Melzer erstmals bei einem Major unter die letzten 16.

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