90 Prozent der Insassen "unbedeutende Kämpfer"

29. Mai 2010, 13:06
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"Washington Post" berichtet über Bericht der Task Force über umstrittenes Lager

Washington - Die Mehrheit der Häftlinge im US-Gefangenenlager Guantanamo waren laut einem Medienbericht zum Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama unbedeutende Kämpfer. Lediglich bei 24 der damals 240 Insassen werde in Erwägung gezogen, dass sie in geplante Anschläge gegen die USA verwickelt gewesen seien, berichtete die "Washington Post" am Freitag unter Berufung auf einen Bericht der mit einer Guantanamo-Überprüfung beauftragten Task Force. Etwa doppelt so viele Inhaftierte hätten wichtige Positionen bei Al-Kaida oder ähnlichen Extremistenorganisationen eingenommen.

Laut der Zeitung empfiehlt die Task Force, 126 der Gefangenen in ihre Heimat oder Drittländer zu schicken. 36 sollten vor ein Bundes- oder Militärgericht gestellt und 48 sollten unter Berufung auf das Kriegsrecht auf unbestimmte Zeit festgehalten werden. Nach Angaben der "Washington Post" wurde der Bericht im Jänner erstellt und Anfang dieser Woche an Abgeordnete versandt.

Das US-Gefangenenlager auf Kuba war 2002 eröffnet worden. Zeitweise saßen dort etwa 780 Menschen, derzeit sind es noch etwa 180 Gefangene. Entgegen den Absichtserklärungen von Präsident Obama, Guantanamo ganz zu schließen, sinkt die Zahl der Insassen nur langsam. Obamas Vorgänger George W. Bush und seine engsten Mitarbeiter haben nach Angaben des damaligen Stabschefs des US-Außenministers Colin Powell, Lawrence Wilkerson, von der Unschuld der meisten Guantanamo-Gefangenen gewusst, diese aber aus politischen Gründen weiter in der Sonderhaftanstalt gelassen.

Der unklare Rechtsstatus und die Behandlung der Häftlinge in Guantanamo sorgten jahrelang für Proteste internationaler Menschenrechtsorganisationen. UNO-Experten haben die Anwendung von Gewalt gegen Gefangene, die Überstellung von Häftlingen in Länder, in denen ihnen Folter droht, und die Verletzung ihrer religiösen Gefühle durch das Militärpersonal angeprangert. Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hatte über Guantanamo geschrieben: "All das passt zu Unrechtsstaaten, die von amerikanischen Präsidenten in der Vergangenheit immer verurteilt worden sind." (APA/Reuters)

 

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