Innsbrucker Rektor Lochs kritisiert Eignungstests

28. Mai 2010, 19:11
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Rektor der Medizin-Uni Innsbruck: "Diese Eignungstests müssen sicher noch weiter verbessert werde " - Prüfungsgebühren angedacht

Innsbruck - Kritik an den Eignungstests für angehende Medizinstudenten hat der Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck Herbert Lochs bei der Antrittsrede anlässlich seiner feierlichen Amtseinführung am Freitag geübt. "Diese Eignungstests müssen sicher noch verbessert werden", sagte er. Die Eignungstests kosten die Universität derzeit so viel wie das Gehalt von zehn Wissenschaftlern, gab Lochs an. Er schlug unter anderem Antrittsgebühren für den Eignungstest vor.

Grundsätzlich müsse die Auswahl der Studenten vor Beginn des Studiums getroffen werden, meinte der Rektor. Das Credo sollte seiner Ansicht nach sein: "Wir suchen uns die besten aus und aus denen machen wir was". Solche ehrgeizigen Ziele seien nicht umsonst zu haben. "Wenn wir exzellente Lehre wollen, muss sie uns auch etwas wert sein", meinte Lochs. Er forderte deshalb eine Studienplatzfinanzierung, die die tatsächlichen Kosten abdecke.

Karl will verkürzte Ausbildung

Warnende Worte kamen von Lochs bezüglich der Finanzierung von klinischen Studien durch die Industrie. Es sei von größter Bedeutung, die Finanzierung der klinischen Forschung nicht nur der Industrie zu überlassen. Immerhin beeinflusse auch die Finanzierung einer Studie deren Design und Ergebnis. Industriegesponserte Studien hätten mit einer 3,6-fach höheren Wahrscheinlichkeit ein positives Ergebnis als andere Studien, gab Lochs an. In diesem Zusammenhang freue er sich, dass der Wissenschaftsfonds (FWF) in diesem Jahr eine neue Förderschiene für klinische Studien eingeführt habe. Er hoffe, dass man dadurch hinreichend Mittel zur Verfügung haben werde, um patientenorientierte, objektiv publizierte Forschung, unabhängig von finanziellen Interessen eines Sponsors durchführen zu können.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) bekräftigte in ihrer Rede neuerlich, dass es ihr wichtig sei, den Ärzteberuf attraktiver zu machen. Das soll unter anderem die Verkürzung der Ausbildungszeit mit sich bringen. Anstatt des dreijährigen Turnus soll es ein einjähriges klinisch-praktisches Jahr geben. Bei Lochs stieß sie mit diesem Vorschlag auf offene Ohren.

Lochs zuvor in Pittsburgh und Berlin

Inauguriert wurden am Freitag neben Lochs auch Norbert Mutz, Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten, Doris Balogh, Vizerektorin für Personal, Personalentwicklung und Gleichbehandlung sowie Gabriele Döller, Vizerektorin für Finanzen und Günther Sperk, Vizerektor für Forschung. Der Gastroenterologe Lochs, der zuvor die Medizinische Klinik Charité in Berlin geleitet hatte, war bereits am 15. April des Vorjahres zum neuen Innsbrucker Rektor gewählt worden. Im Oktober trat er sein Amt offiziell an. Lochs studierte an der Universität Innsbruck, an der er 1970 zum Doktor promovierte. Anschließend aber zog es ihn in die "weite Welt" hinaus: Zunächst ging er nach Wien, wo er Assistent an der Universitätsklinik für Gastroenterologie und Hepatologie wurde. 1984 folgte ein zweijähriger Studienaufenthalt an der Universität in Pittsburgh, USA. Die Gastroenterologie der Charitè Berlin leitete der Tiroler 15 Jahr lang. (APA)

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