Rektor der Medizin-Uni Innsbruck: "Diese Eignungstests müssen sicher noch weiter verbessert werde " - Prüfungsgebühren angedacht
Innsbruck - Kritik an den Eignungstests für angehende
Medizinstudenten hat der Rektor der Medizinischen Universität
Innsbruck Herbert Lochs bei der Antrittsrede anlässlich seiner
feierlichen Amtseinführung am Freitag geübt. "Diese Eignungstests
müssen sicher noch verbessert werden", sagte er. Die Eignungstests
kosten die Universität derzeit so viel wie das Gehalt von zehn
Wissenschaftlern, gab Lochs an. Er schlug unter anderem
Antrittsgebühren für den Eignungstest vor.
Grundsätzlich müsse die Auswahl der Studenten vor Beginn des
Studiums getroffen werden, meinte der Rektor. Das Credo sollte seiner
Ansicht nach sein: "Wir suchen uns die besten aus und aus denen
machen wir was". Solche ehrgeizigen Ziele seien nicht umsonst zu
haben. "Wenn wir exzellente Lehre wollen, muss sie uns auch etwas
wert sein", meinte Lochs. Er forderte deshalb eine
Studienplatzfinanzierung, die die tatsächlichen Kosten abdecke.
Karl will verkürzte Ausbildung
Warnende Worte kamen von Lochs bezüglich der Finanzierung von
klinischen Studien durch die Industrie. Es sei von größter Bedeutung,
die Finanzierung der klinischen Forschung nicht nur der Industrie zu
überlassen. Immerhin beeinflusse auch die Finanzierung einer Studie
deren Design und Ergebnis. Industriegesponserte Studien hätten mit
einer 3,6-fach höheren Wahrscheinlichkeit ein positives Ergebnis als
andere Studien, gab Lochs an. In diesem Zusammenhang freue er sich,
dass der Wissenschaftsfonds (FWF) in diesem Jahr eine neue
Förderschiene für klinische Studien eingeführt habe. Er hoffe, dass
man dadurch hinreichend Mittel zur Verfügung haben werde, um
patientenorientierte, objektiv publizierte Forschung, unabhängig von
finanziellen Interessen eines Sponsors durchführen zu können.
Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) bekräftigte in ihrer
Rede
neuerlich, dass es ihr wichtig sei, den Ärzteberuf attraktiver zu
machen. Das soll unter anderem die Verkürzung der Ausbildungszeit mit
sich bringen. Anstatt des dreijährigen Turnus soll es ein einjähriges
klinisch-praktisches Jahr geben. Bei Lochs stieß sie mit diesem
Vorschlag auf offene Ohren.
Lochs zuvor in Pittsburgh und Berlin
Inauguriert wurden am Freitag neben Lochs auch Norbert Mutz,
Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten, Doris Balogh,
Vizerektorin für Personal, Personalentwicklung und Gleichbehandlung
sowie Gabriele Döller, Vizerektorin für Finanzen und Günther Sperk,
Vizerektor für Forschung. Der Gastroenterologe Lochs, der zuvor die
Medizinische Klinik Charité in Berlin geleitet hatte, war bereits am
15. April des Vorjahres zum neuen Innsbrucker Rektor gewählt worden.
Im Oktober trat er sein Amt offiziell an. Lochs studierte an der
Universität Innsbruck, an der er 1970 zum Doktor promovierte.
Anschließend aber zog es ihn in die "weite Welt" hinaus: Zunächst
ging er nach Wien, wo er Assistent an der Universitätsklinik für
Gastroenterologie und Hepatologie wurde. 1984 folgte ein zweijähriger
Studienaufenthalt an der Universität in Pittsburgh, USA. Die
Gastroenterologie der Charitè Berlin leitete der Tiroler 15 Jahr
lang. (APA)