Blüten der Zuneigung

28. Mai 2010, 18:36
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Versuchskaninchen mit Spielfreude: "Der Streit" von Marivaux

Die Frage, wer die Untreue in die Welt gebracht hat, Frauen oder Männer, dürfte den Aufklärer Marivaux ziemlich beschäftigt haben. In seinem Stück Der Streit werden drei Mädchen und drei Jungen getrennt voneinander und von der Außenwelt aufgezogen, um im Status nascendi zu sehen, welche Blüten die erste Zuneigung treibt.

Obwohl eine Komödie, ist Ironie hier nur ein zartes Pflänzchen, das Klischee regiert. In der Linzer Eisenhand zeigt nun die Abschlussklasse Schauspiel der Bruckner-Uni Peter Steins Fassung - mit reichlich Spielfreude. Zuvorderst zeigt Julian Sigl als Prinz und Gastgeber des Versuchs wunderbare Nuancen, während die von ihm angebetete Hermiane (Elisabeth Hütter) eher steif kokettiert.

Unter den Versuchskaninchen in Sportbekleidung herrscht schauspielerisch Ausgewogenheit, die Überschwänglichkeit der ersten Liebe müssen die Kerle (Serkan Temel und Jonathan Schimmer) in reichlich Bewegungsdrang ableiten, während die Mädchen (Aline Eydam und Felicitas Franz) vor allem sich selbst bewundern.

Die Fragwürdigkeiten des Stücks führt Regisseur Peter Wittenberg in Überhöhungen ab, was mit wechselhaftem Erfolg gelingt. Im Bidet kann man sich narzisstisch spiegeln, die Rolle der schwarzen Erzieher eignen sich Prinz und Hermiane mit Schminke und schlechtem Deutsch an. Wirklich gelungen ist nur die eingebaute Figur des Professors (Nick-Robin Dietrich), die akademischen Eifer zur Karikatur werden lässt. (wo, DER STANDARD/Printausgabe, 29./30.05.2010)

Landestheater Linz, Eisenhand, 0800/21 80 00. 20.00

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