Kunstvolle Old-Boys-Netzwerke

28. Mai 2010, 18:26
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Wenigstens Häusl für alle - Von Andrea Schurian

Eigentlich hätten wir es auch ohne Frauenbericht geahnt: Das Old-Boys-Netzwerk ist stabil. Die gläsernen Decken auch. Stur wehrte der Ex-Vorstand der Wiener Philharmoniker, Werner Resel, Musikerinnen ab.

"Die Wiener Philharmoniker sind ein Orchester von weißen Männern, die von weißen Männern geschriebene Musik für weiße Männer spielen" , soll er Schülern einmal erklärt haben (Ö1, 11. 12. 96). Vor allem die Damenklofrage beschäftigte ihn. Ja, so war das im vorigen Jahrhundert. Arg.

Und jetzt? im neuen Jahrtausend? Das Häuslproblem ist geklärt, seit 1997 lässt Österreichs berühmtester Klangkörper auch Frauen mitspielen. Und? Schande! Drei Musikerinnen sind dabei, vier noch in der Staatsopernorchester-Warteschleife. Die Frauenquote also unter einem Prozent. (Zum Vergleich: Die Dresdner Philharmonie hat den Anteil innerhalb von 14 Jahren auf 25 Prozent gesteigert.) Dabei absolvieren mehr Frauen als Männer die Musikuniversität.

Wie überhaupt im Durchschnitt aller Studienabschlüsse Frauen einen Vorsprung vor ihren männlichen Kollegen halten. Doch dann nimmt der Frauenanteil an den Universitäten rapide ab. Plus/minus zehn Prozent an den Unis sind Professorinnen. Einer Hochrechnung zufolge werden erst im Jahr 2917 gleich viel Frauen wie Männer inÖsterreich eine Universitätsprofessur innehalten. Na dann. Die Zeit vergeht eh wie im Flug. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 29./30.05.2010)

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