Aufstand in Lumpen

28. Mai 2010, 18:23
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Indien muss die Nöte der Adivasis ernst nehmen und ihnen eine Zukunft bieten - von Christine Möllhoff

Lange hat Indien die rebellierenden Maoisten kaum ernst genommen. Die Guerillas, anfangs oft nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet, galten als Plage, nicht aber als ernste Gefahr. Das Zuwarten rächt sich nun. Die Rebellen sind erstarkt und haben ganze Landstriche des Subkontinents unter ihre Kontrolle gebracht.

Der Konflikt eskaliert, seit die Regierung im vergangenen Jahr eine Offensive gegen die Rebellen startete. Die Maoisten schlagen blutig zurück. Erstmals scheinen sie nun auch Zivilisten ins Visier zu nehmen, wie beim jüngsten Anschlag auf einen Nachtzug. Anschläge auf das riesige Schienennetz Indiens sind besonders perfid, da dieses sich weder kontrollieren noch wirksam schützen lässt.

Die Regierung hat zwar längst erkannt, dass mittlerweile nicht die muslimischen Separatisten in Kaschmir, sondern die Maoisten die größte Gefahr für die innere Sicherheit des Landes darstellen. Doch bisher wirkt ihr Versuch, die Guerillas durch eine Offensive zurückzudrängen, eher hilflos. Deren Aufstand ist vor allem eine Revolte der armen Landbevölkerung, der "Adivasis" .

Diese sind die großen Verlierer des modernen Indiens. Ihre Ländereien sind voller Bodensschätze, die Konzerne heben möchten. Zusehends werden sie verdrängt und wenden sich radikalen Alternativen zu. Mit Waffen allein ist der Aufstand nicht zu bekämpfen. Indien muss die Nöte der Adivasis ernst nehmen und ihnen eine Zukunft bieten. (Christine Möllhoff/DER STANDARD, Printausgabe, 29.5.2010)

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