Die Sicherheit und ihre Dienstleister

28. Mai 2010, 19:38
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"Die Sicherheit" hat den pannonischen Wahlkampf geprägt - Dabei wurde von allen Seiten mit – wenn schon nicht hingebogenen, so doch etwas verzerrten – Zahlen argumentiert

Das beherrschende Thema im pannonischen Wahlgang war ohne Zweifel das Thema Sicherheit. Schon lange vor Eberau hat die burgenländische SPÖ sich auf Innenministerin Fekter eingeschossen. Sie ignoriere hartnäckig ihren eigenen Dienstpostenplan. Im Vergleich zu diesem würden 300 Polizisten - die sich bis 2013 auf 500 steigern würden - fehlen. Deshalb sei zumindest der Assistenzeinsatz notwendig. Denn die Kriminalität steige besorgniserregend.

Tatsächlich war im Vorjahr eine deutliche Steigerung bei den Einbrüchen in Einfamilienhäuser ablesbar. Burgenlands Sicherheitsdirektor Erhard Aminger warnt den Standard gleichwohl, das Kind der Sorge mit dem Bad der Angstmache auszuschütten. "Die Statistik verzerrt da etwas."

Anders als in den Ballungsräumen, habe man es im Burgenland ja mit geringen Fallzahlen zu tun. Ein paar Einbrüche mehr könnten deshalb einen dramatischen prozentuellen Anstieg ausmachen. Diesbezüglich mache der Vergleich (siehe nebenstehende Grafik) sicher.

Was die österreichische Kriminalitätsstatistik freilich auch verzerre, ist die Pro-Kopf-Quote an diensttuenden Polizisten. Das Innenministerium gibt diese fürs Burgenland mit 1:160 an, in Oberösterreich liege die mit 1:400 deutlich niedriger, dabei verzeichne das Burgenland 1,5 Prozent an der heimischen Gesamtkriminalität.

"Wir haben", sagt der pannonische Sicherheitsdirektor, "eine Anzeige-Statistik. Andererseits haben wir es im Burgenland mit grenzspezifischer Kriminalität zu tun." Diesbezüglich habe man sich - beziehungsweise das Ministerium ihm - Schwerpunkte verordnet: Drogen, Schlepperei, aber auch "KfZ-Verschiebung" . Immerhin verlaufe ja die "Balkanroute" mitten durchs Burgenland. Und das hat dann unter anderem zur Folge, dass das Burgenland sich polizeitechnisch für die Aufklärungsquote anderer Bundesländer ins Zeug zu legen habe. "Wenn etwa ein Auto in Linz gestohlen wird und wir es dann in Nickelsdorf sicherstellen, wo es immerhin 80 Millionen Reisebewegungen gibt im Jahr, dann haben wir den ganzen Aufwand - und die oberösterreichischen Kollegen den Erfolg."

Des Sicherheitsdirektors anschauliches Beispiel illustriert ein wenig, was Landeshauptmann Hans Niessl pauschal als "Wir sind der Sicherheitsdienstleister für die gesamte Ostregion" in die Wahlauseinandersetzung geworfen hat. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe, 29.05.2010)

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