"Krise durch Investitionen in Zukunftsmärkte überwinden"

28. Mai 2010, 17:54
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    foto: detlef guethenke

    Claudia Kemfert: "Jede Volkswirtschaft ist gut beraten, Energie einzusparen und wegzukommen von fossiler Energie."

Grüne Technologien verheißen laut DIW-Ökonomin Claudia Kemfert die Wachstumsraten, die für die Überwindung der Krise nötig sind

Grüne Technologien verheißen laut Claudia Kemfert die Wachstumsraten, die für die Überwindung der Krise notwendig sind. Gleichzeitig kann so effektiver Klimaschutz betrieben werden, erläutert sie Johanna Ruzicka.

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STANDARD: Trügt der Eindruck, oder sind aufgrund der Wirtschaftskrise Klimaschutzbemühungen ins Hintertreffen geraten?

Kemfert: Der Eindruck trügt nicht. Da uns die Finanzkrise seit gut zwei Jahren in Atem hält, geht es auf politischer Ebene darum, sich bei konkreten Emissionsminderungen möglichst wenig festzulegen, auch auf europäischer Ebene. Aber es geht ja darum, dass man Wirtschaftswachstum voranbringt und vom Energieverbrauch entkoppelt.

STANDARD: Spielen Sie da auf die wieder zurückgezogenen Überlegungen der EU-Kommission an, das 20-Prozent-Treibhausgas-Minus bis 2020 auf 30 Prozent auszuweiten?

Kemfert: Ja. Vorrangiges Ziel ist derzeit, aus der Krise herauszukommen, und das mit konkreten Investitionen in grüne Technologien. Klimapolitik wird nun nicht mit konkreten Emissionsminderungszielen betrieben, sondern eher durch den Umbau des Energie- und Mobilitätssystems hin zu mehr Nachhaltigkeit.

STANDARD:  Und wie beurteilen Sie diese Abkehr von den Emissionssparzielen?

Kemfert: Nun, das muss kein Malheur sein. Wir wissen, dass fossile Energien, insbesondere Öl, knapper und teurer werden. Jede Volkswirtschaft ist gut beraten, Energie einzusparen und wegzukommen von fossiler Energie. Das spart Kosten und ermöglicht so den Umbau des Energie- und Verkehrssystems. Wir benötigen also einen höheren Anteil erneuerbarer Energien, zudem müssen die Netze ausgebaut und intelligenter werden. Und außerdem sollten mehr klimaschonende Antriebsstoffe eingesetzt werden. Genau in diese Bereiche sollte investiert werden.

STANDARD: Also nach dem Motto: Never waste a good crisis?

Kemfert: Genau. Wir müssen drei Krisen mit einer Klappe schlagen: die Wirtschafts-, die Energie- und die Klimakrise. Die "grünen Märkte" ermöglichen unglaubliche Gewinn- und Absatzchancen. Viele Unternehmen haben dies bereits erkannt und investieren in die grünen Märkte. Viele Konjunkturprogramme haben gezielt Gelder für den Ausbau der grünen Technologien bereitgestellt. China hat 40 Prozent, Südkorea sogar über 80 Prozent seiner Gelder für den Ausbau der grünen Technologien investiert.

STANDARD: Sehen Sie diese Entwicklung auch in der EU?

Kemfert:  Ja. Europa hat konkrete Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energien, zur Verbesserung der Energieeffizienz sowie zum Ausbau der klimaschonenden Technologien und Energienetze vorgegeben und hat auch Gelder im Rahmen der Konjunkturprogramme dafür bereitgestellt. Man muss optimistisch in die Zukunft sehen. Die Wirtschaftskrise kann durch die Investitionen in die richtigen Zukunftsmärkte überwunden werden.

STANDARD: Ihr Optimismus in Ehren - aber gerade zurzeit wird in Deutschland Photovoltaik-Förderung zurückgenommen.

Kemfert:  Die Photovoltaik in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte und typisch dafür, was mit den entsprechenden Wirtschaftsprogrammen bewirkt werden kann. Diese Technologie ist mittlerweile weltweit gefragt und für Deutschland ein Exportschlager. Die Kosten sind somit stark gesunken, sodass die Förderung reduziert werden kann. Und genau deshalb ist das Instrument zur Förderung erneuerbaren Energien ja so erfolgreich: Es geht nicht um Dauersubventionierung, sondern um eine zielgerichtete und effektive Förderung. So etwas brauchen wir nun mit neuen Antriebsstoffen im Bereich Mobilität.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Chancen, beim Weltklimagipfel in Cancún im Dezember zu einem tragfähigen Ergebnis zu kommen?

Kemfert: Ich glaube nicht, dass es unter den derzeitigen Bedingungen zu einem globalen Abkommen zur Emissionsminderung kommen wird. Jedes Land wird erst einmal seine eigenen Ziele zum Umbau des Energiesystems und nachhaltiger Mobilität setzen. Also kein Ansatz "von oben" - Top down -, sondern "von unten" . Aber so kann auch sehr effektiv Klimaschutz betrieben werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.5.2010)

Zur Person

Die Wirtschaftswissenschafterin Claudia Kemfert (42) ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist Autorin zweier Bücher zu Klima- und Energiefragen und ist Gutachterin beim Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).

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Posting 1 bis 25 von 66
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bdbrot
 
00
30.5.2010, 17:31

Es ist also völlig unerheblich, ob der unser Lebensraum vor die Hunde geht, wenn nur Gewinn gemacht wird und die Wirtschaft läuft.

Wer hat eigentlich solche Blindgänger in die Regierungen gesetzt. Ich vermute, die haben sich das erkauft.

Wir sollten mit diesem Blödsinn aufhören und den alles in Ordnung bringen - ohne auf irgendwelchen Gewinn zu schauen.

LinksSchreiber
00
31.5.2010, 00:48
Das ist die junge ÖVP, grün statt schwarz.

bdbrot
 
00
30.5.2010, 17:26
So viel also zum Thema Uweltschutz

Es ging und geht bei Umweltschutz-Programmen der Wirtschaft und der von ihr abhängigen Politik nicht darum, Ressourcen zu schonen, Umwelt und Lebensraum zu erhalten. Es geht immer nur um Gewinne und Umsätze. Und wenn übermorgen die Erde aus welchem Grund auch immer unbewohnbar wird, Hauptsache die Unternehmen machen Gewinne und die Wirtschaft läuft.

Und wenn irgendein Unternehmer der letzte Mensch auf Erden ist, wird er nicht nach Lebensmitteln suchen, nicht nach Wasser, nein, er wird Umsätze und Gewinn suchen. Wow

Novomatic hat die ÖVP gekauft
01
30.5.2010, 12:32

Die Herstellung von 1Wp Solarzelle kostet ab 1$ bzw. 0.80 €. Mit 1Wp kann man bei uns ca. 1kWh Strom pro Jahr gewinnen.
Bei einem Preis von 20 Cent /kWh dauert es also 4 Jahre bis die PV Herstellungskosten abgegolten sind.

Die Herstellungskosten der PV Zellen werden weiter sinken, stellen aber nur mehr einen Bruchteil der Gesamtkosten dar.

Um die PV billiger zu machen muss jetzt vor allem der low tech Anteil am Gesamtsystem billiger werden.

sociovation
00
30.5.2010, 15:30
Zu ihrem Nick

Wieviel hat sie der SPÖ dafür gezahlt?

theEdge
 
01
30.5.2010, 10:59

jedes mal wieder, wenn ich dieses foto sehe, erinnert mich die frau an die hundesitterin in "King of Queens"...

Kapitalismus Luege
02
30.5.2010, 09:05
Technologie muss zentralistisch verwaltbar und bewirtschaftbar sein


wenn jeder Haushalt ein dezentraler Stromproduzent wird, so ist fuer das Kapital uninteressant.

sociovation
02
30.5.2010, 09:35
Für mein Kapital wär das schon interessant

her wig
00
30.5.2010, 08:12
Die Krise als Chance

Wir sparen bei den Invesititionen in unrealisierte Innovation, und nützen die Krise als Chance um diesen lästigen Alternativen endgültig den Gar aus zu machen!

giftwitwe
00
30.5.2010, 06:53
das interview erinnert mich an einen spruch aus 'muttertag':

a kredit is wie a sparbüchl, nur dass man das geld vorher kriegt.

kernkraft ausbauen !

R. M.
00
30.5.2010, 05:43
"Krise [...] überwinden" - Wie bitte?

Hallo! Die Krise ist vorbei!
Eigentlich hat es sie nie gegeben...

Koe1
00
29.5.2010, 21:01
ich bin auch für den weltfrieden

june8
00
29.5.2010, 16:20

die frauen von stepford sind realität

schulmeister
00
29.5.2010, 15:30

wie wärs wenn die "westlichen finanziers" endlich mal die fertigentwicklung der kalten fusion zulassen würden?!

Josef Obermaier
10
29.5.2010, 20:54


Kalte Fusion ist ein fake.

her wig
00
30.5.2010, 08:18

Ein Gutmensch, er spricht davon wie man die Welt verbessern könnte. Klar, dass das heutzutage nix wird. Nicht solange er nicht auf die grossen für die Investoren erzielbaren Profite hinweist...

José Atento
13
29.5.2010, 09:20
Hirngespinste

<Wir wissen, dass fossile Energien, insbesondere Öl, knapper und teurer werden.>

JA, besonders damals, als der Rohölpreis bei 140 $ stand, wussten das praktisch ALLE ;-)

Diese Dame sollte sich einmal die Solarfirmen (PV) genauer ansehen. Die meisten sind wieder in der Versenkung verschwunden. Das war eine riesige Blase. Der Strom aus solchen PV- Anlagen ist praktisch nicht konkurrenzfähig und das wird noch sehr viele Jahre so sein.

Politiker haben keine Ahnung und steuern grundsätzlich in die falsche Richtung, weil sie von Lobbyisten dazu bewegt werden.

Politiker werden dieses Thema vorantreiben, klar, aber das wird wie immer das Volk über neue Steuern bezahlen müssen.

Novomatic hat die ÖVP gekauft
00
30.5.2010, 11:36

Bei der DotCom Blase wurde viel Geld vernichtet. Die Infrastruktur ist aber jetzt vorhanden.

Wenn die PV Hersteller auch so viel Geld vernichten und am ende billige PV System verhanden sind, dann passt alles.

José Atento
00
31.5.2010, 12:22

Grundsätzlich ist richtig, dass Unternehmen, die das Risiko der Entwicklung auf sich nehmen, auch pleite gehen dürfen/können.

Doch die gigantische dot.com Blase hat auch sehr viel Schaden angerichtet. Das sollte man dabei nicht vergessen. Jede derartige Blase richtet Schaden an, weil vor allem Politiker versuchen der folgenden Rezession durch das Drucken von billigem Geld (aus dem Nichts produziert) entgegenzuwirken.

Jojo07
02
29.5.2010, 13:06
Zitat: "eine riesige Blase"

Oh ja, eine gigantische Blase, eine Blase von interstellaren Ausmaßen! Dagegen waren die seinerzeitigen Dotcomblase, Technologieblase, die Immoblase und alle anderen Blasen nichts als harmlose Lercherlschasse.

Witzig ist ja: Trotz z.B. tatsächlich "riesiger" Technologieblase, die Anfang 2000 die Märkte auf dramatische Talfahrt schickte, würden nur die allerletzten Hinterwäldler behaupten, dass "Technologie" schlicht und ergreifend zu vergessen ist - alles nur eine Verschwörung, die falschen Pferde, auf die die Politiker da setzen etc.

Aber im Fall von zukunftsweisender Technologie - da ist manchen Hinterwäldlern einfach kein "Argument" zu blöd. Es geht ja schließlich ums eigene Auto, mit dem man gerne weiter die Umwelt versauen möchte!

Der Blinde mit dem Seehund
00
30.5.2010, 11:59
Die einzig wahre Blase

Biermösl Blosn

José Atento
03
29.5.2010, 15:08
Also die PV Technologie existiert jetzt bereits seit ca. 20 Jahren.

Warum bitte hat sie sich nicht durchgesetzt? Warum hat nicht jedes EF- Haus am Dach eine PV Anlage und versorgt sich autark mit Strom?
Warum?

Nur weil ein Politiker viel Steuergeld, das überall fehlt, da hineinsteckt, wird sich das Ganze nicht besser rechnen, oder?

martin mayer2
 
11
29.5.2010, 18:04
Technologie

Haben Sie schon mal was davon gehört das eine neue Technologie zuerst mal ein bisschen weiterentwickelt werden muss bevor sie wirklich Serienreif ist?

Woher wissen Sie denn bitte an welchem Punkt des Produktlebenszyklus die PV gerade steht? Vielleich ist die Technik ja immer noch im Entwicklungsstadium!

Oder wollen Sie allen ernstes baupten das sich der Computer nicht durchgesetzt hat weil er circa 40 Jahre gebraucht hat bis das erste massenfähige Modell (IBM-PC)auf den Markt kam?

hellipirelli
03
29.5.2010, 19:58
Lieber 2ermartinmayer!

Wenn Sie von der Photovoltaik derart überzeugt sind, dann gehen Sie doch gleich am Montag zu Ihrer Hausbank und kaufen sich Aktien deutscher Photovoltaik-Firmen. Das ist eine fast ebenso gute Möglichkeit, Ihr Geld zu versenken wie eine Photovoltaikanlage auf Ihrem Hausdach.
Und schauen Sie sich einmal die Energiebilanz einer solchen Anlage (natürlich inclusive Fertigung), bezogen auf ihren Lebensdauer an!
Dass hier einige, die ein wenig mehr von der Materie als Sie verstehen, auf den Käse, den Frau Kemfert in Sachen Photovoltaik absondert, sauer reagieren, heißt doch nicht, dass ALLE alternativen Energieformen (Windkraft, Wasserkraft, Biomasse, KWK...) schlecht sind! Für Sie scheint es nur die Alternative Erdöl/Photovoltaik zu geben.

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