Am großen Braten säbeln

28. Mai 2010, 17:52
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Seit ein paar Monaten scheint ein neuer Wind im Pfarrwirt in Wien-Heiligenstadt zu wehen

Der Pfarrwirt in Wien-Heiligenstadt mag ein schönes, altes und dank der verglasten Veranda und dem Kastaniengarten gerade im Sommer auch ein sehr angenehmes Wirtshaus sein. Nur: Es hat seit der Großrenovierung vor ein paar Jahren nie so richtig vollgasmäßig funktioniert, wie die Gastronomen sagen.

Waren es zuerst die extremen Wartezeiten, mit denen die Küche die Gäste zu verärgern wusste, verschreckten später die geschmalzenen Preise. Seit ein paar Monaten aber scheint ein neuer Wind im Pfarrwirt zu wehen: Keine Speise (mit Ausnahme des im Ganzen gebratenen Wildsaiblings) wagt sich mehr über die 20-Euro-Schallmauer hinaus, gleichzeitig dürfte die Küche jenen schmalen Pfad entdeckt haben, auf dem der Wiener Gast am liebsten spazieren geführt wird: jede Menge konservative Klassiker, gleichzeitig aber doch ein paar Gerichte, die das aktuelle (oder zumindest das zuletzt vergangene) Jahrhundert illustrieren.

Am Allerschönsten aber sind die großen Braten, die Sonntagmittag durchs Lokal getragen und bei Tisch tranchiert werden. Ob Kalbsnierenbraten, im Ganzen geschmorte Kalbsstelze oder gefüllte Kalbsbrust: Wenn Genuss in derart massiver Form vorbeigetragen wird, dann kann man gar nicht anders als lauthals „Halt!" schreien. (corti/Der Standard, Printausgabe, 29./30. 5. 2010)

Adresse:

Restaurant Pfarrwirt
Pfarrplatz 5, 1190 Wien
Tel.: 01/370 73 73
täglich 12-24 Uhr
www.pfarrwirt.com

  •  Am Allerschönsten aber sind die großen Braten, die Sonntagmittag durchs 
Lokal getragen und bei Tisch tranchiert werden.
    foto: derstandard.at / moser

    Am Allerschönsten aber sind die großen Braten, die Sonntagmittag durchs Lokal getragen und bei Tisch tranchiert werden.

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