UNHCR: 17.000 Flüchtlinge nach Kämpfen in Mogadischu

28. Mai 2010, 16:56
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Menschen sitzen ohne jegliche Versorgung fest

Genf - Neuerliche schwere Kämpfe in der somalischen Hauptstadt Mogadischu haben nach Angaben des Flüchtlings-Hochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) seit Anfang Mai mehr als 17.000 Menschen in die Flucht getrieben. Die meisten lebten ohne die nötigste Versorgung auf der Straße, weil sie kein Geld hätten, um in behelfsmäßige Lager außerhalb der Stadt zu gelangen, heißt es in einem am Freitag in Genf veröffentlichten Bericht. Bei den jüngsten Gefechten wurden nach Angaben eines UNHCR-Sprechers mindestens 60 Menschen getötet. Seit Jahresbeginn sind demnach schätzungsweise 200.000 Menschen in Somalia zu Flüchtlingen geworden.

In dem ostafrikanischen Bürgerkriegsland gibt es nach Angaben des UNHCR eineinhalb bis zwei Millionen Binnenflüchtlinge. Nach Angaben vom März erreicht die bedürftigen Menschen nur die Hälfte der nach Somalia gelieferten Lebensmittel des Welternährungsprogramms (WFP). Bis zu 600.000 Menschen sind in Nachbarländer geflohen, allein 170.000 über das Meer in den Jemen.

Islamistische Kräfte wollen die vom Westen gestützte Regierung des Präsidenten Sheikh Sharif Sheikh Ahmed stürzen, die nur Teile der Hauptstadt kontrolliert. In Somalia ist die staatliche Ordnung bereits seit dem Sturz des Diktators General Mohammed Siad Barre 1991 zusammengebrochen. 2006 war die Armee des Nachbarlandes Äthiopien mit Zustimmung der USA in Somalia einmarschiert, die Intervention erwies sich als Fiasko. Das rücksichtslose Vorgehen der Besatzungstruppen, wie auch der Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten hatten wesentlich zur Radikalisierung der Bevölkerung beigetragen. Die jetzige Übergangsregierung hat nach dem Abzug der Äthiopier die Scharia eingeführt, wird aber von islamistischen Milizen hart bekämpft. In den Landesteilen Somaliland und Puntland bestehen separatistische Administrationen. (APA/apn)

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