OECD schätzt höheres Wachstum in der Eurozone

28. Mai 2010, 15:27
posten

Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Eine weitere turbulente Handelswoche an den europäischen Börsen liegt hinter uns. Abermals gaben dabei die Entwicklungen an den internationalen Währungsmärkten die Richtung vor. Am vergangenen Wochenende war es zur Verstaatlichung einer spanischen Sparkasse gekommen und Befürchtungen wurden laut, dass das gesamte spanische Bankensystem ins Trudeln geraten könnte. Daher stieg der Abgabedruck auf den Euro. Die Gemeinschaftswährung fiel bis Mittwoch fast auf die wichtige Unterstützung bei EUR 1,2144. Erst das Bekenntnis der chinesischen Zentralbank ihre Investments in der Eurzone nicht abzubauen beendete den Abwärtstrend. Der Euro stieg auf über 1,24. Diese Erholungsrallye beflügelte die Aktienmärkte und so konnte der Stoxx 600 auf Wochensicht 2,73% auf 245 Punkte zulegen.

TED Spread stabilisiert sich, Swap-Spread stieg leicht

Neben den Währungsmärkten ist es weiterhin wichtig die Zinsentwicklungen auf dem europäischen Interbankenmarkt zu beobachten. Der dreimonatige Geldmarktsatz Euribor, der als wichtigster Indikator für den Interbankenmarkt in Europa gilt, kletterte leicht auf 70 BP. Das ist der höchste Stand seit Anfang Januar. Der TED- Spread stabilisierte sich im Bereich von 37 BP. Der 2-Jahres Euro- Swap- Spread stieg leicht von 75 BP auf 80 BP. Erst ein fallender Trend der Spreads an den Geldmärkten würde die sich leicht aufhellende Stimmung an den europäischen Börsen bestätigen.

Ein Blick auf die Performance der Sektoren im Stoxx 600 zeigt, dass Rohstoffproduzenten weiterhin sehr volatil sind. Der Sektor stieg diese Woche um 11% und war damit der klare Outperformer. Die ebenfalls volatilen Banken stiegen hingegen nach dem teils starkem Abgabedruck diese Woche mit einem Plus von 2,3% nur durchschnittlich an. Insgesamt konnten alle 19 Sektoren Zugewinne verbuchen.

An den Rohstoffmärkten ging es im Einklang mit der positiven Entwicklung der Börsen weltweitauch wieder nach oben. Kupfer stieg um 6% auf USD 7,000/t. Aluminium verteuerte sich um 4% auf knapp über 2,000USD/t. Eine freundliche Entwicklung zeigt weiterhin der Baltic Dry Index (+9%), welcher unbeeindruckt von den derzeitigen Turbulenzen seinen Aufwärtstrend seit Jahresbeginn (+38%) fortsetzt.

Für positive Impulse an den Börsen sorgte auch die neuste Wirtschaftsprognose der OECD. Laut ihrer aktuellen Schätzung soll das BIP- Wachstum im Euroraum dieses Jahr 1,2% betragen. 2011 sollen es gar 1,8% werden. Zum Vergleich die EU-Kommission geht lediglich von 0,7% bzw. 1,5% aus. In den USA soll die Tätigkeit voraussichtlich um 3,2% in diesem Jahr und weitere 3,2% in 2011 steigen. Die Industrie in der Eurozone hat im März unerwartet deutliche Zuwächse bei den Auftragseingängen verzeichnet. Das Auftragsvolumen stieg im Monatsvergleich um 5,2%. Der Konsens hatte lediglich mit einem Anstieg von 2,5% gerechnet. Im Jahresvergleich legten die Aufträge um knapp 20% zu.

Die Stimmung der Konsumenten in Frankreich hat sich im Mai signifikant verschlechtert. Der Index fiel mit minus 38 Punkten auf den tiefsten Wert seit einem Jahr. Die Eurokrise drückte auch auf die Stimmung der deutschen Verbraucher. Der GfK-Konsumklimaindex für Juni fiel von 3,7 auf 3,5 Punkte und damit stärker als erwartet. Dabei gehen sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartungen deutlich zurück, zudem befürchten viele Bürger Steuererhöhungen. Die Konsumlaune kann sich allerdings schnell wieder heben, wenn die Diskussionen um die Stabilität des Euro abflauen.

Prudential will den Preis für AIA drücken

Prudential sah sich am Donnerstag zu einer Mitteilung gezwungen, wonach man den geplanten Kauf des Asiengeschäfts von AIG weiterhin anstrebt. Auslöser waren Spekulationen am Markt, wonach der von Prudential- Aktionären kritisierte Zukauf von AIA im Gesamtwert von USD 35,5 Mrd. abgeblasen worden sei. Die Aktie des Konzerns wurde dadurch um 8% nach oben katapultiert, weil sich Investoren erleichtert zeigten von der Aussicht, nicht das Risiko der Übernahme schultern zu müssen. Nicht bestätigten Nachrichten zufolge verlangt Prudential aber einen Preisnachlass, um den Zukauf doch noch bei seinen Aktionären durchzubringen. AIG will nun Pläne für den Börsengang von AIA wieder aufnehmen.

Boeing verschärft im Ringen um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag in den USA den Ton. Der Konzern warf EADS vor, Geschäfte mit dem international geächteten Iran angestrebt zu haben. K+S wird als möglicher Käufer des Kaliumsulfatgeschäfts des belgischen Chemiekonzerns Tessenderlo gehandelt. Den Nordhessen wird zudem Interesse am 65,6 % Anteil von Dimitri Rybolow-lew am Kaliförderer Uralkali nachgesagt, nachdem der russische Milliardär mitgeteilt hatte, mit mehreren Parteien Verkaufsgespräche zu führen. Norilsk Nickel und Polyus Gold sollen dazugehören.

RWE will mit einer Milliardeninvestition vor der ägyptischen Küste seine Gasproduktion ausbauen. Der Konzern will EUR 2,8 Mrd. Partner wird BP. RWE will sich damit auf eine höhere Gasnachfrage in Europa vorbereiten. Konkurrent Eon wird sich an der Trans Adriatic Pipeline beteiligen. Die neue Gaspipeline soll Europa an die Gasreserven in der Kaspischen Region und in Nahost anbinden, was EUR 1,5 Mrd. kosten soll. Hochtief hat einen Vertrag über die Errichtung eines neuen Stadtteils in Katar unterzeichnet. Das Gesamtvolumen des Projekts wird auf EUR 8-10 Mrd. geschätzt. Hochtief selbst hofft auf ein Volumen von rund einer Milliarde.

Q-Cells will seinen Wettbewerbern auf dem heimischen Markt Anteile abjagen. Die Firma verkauft ab sofort eigene Solarmodule zu einem günstigeren Preis als deutsche Rivalen wie Solarworld. Preislich sollen die Module nach Konzernaussagen teurer sein als ein chinesisches Modul oder ein No-Name-Produkt aus Europa. Man wird irgendwo in der Mitte liegen zwischen diesen Modulen den deutschen Markenprodukten liegen. Der neue Chef baut Q-Cells derzeit massiv um. Mit der reinen Herstellung von Solarzellen, einem Vorprodukt der Module, lässt sich nicht mehr genug Geld verdienen. Während der Prozess einst Hochtechnologie war, mit der einige spezialisierte Unternehmen reich wurden, sind Solarzellen in den vergangenen zwei Jahren zur billigen Massenware geworden.

Share if you care.