Oder-Hochwasser erreichte Höchststand

28. Mai 2010, 21:09
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Auf den Deichen lastet weiterhin enormer Druck - Orte evakuiert

Frankfurt/Oder - Das Oder-Hochwasser hat am Freitag in Süd-Brandenburgs einen Höchsstand erreicht. In Ratzdorf stand der Pegel in der Früh bei 6,28 Meter - in der Nacht waren es noch ein bis zwei Zentimeter mehr, teilte das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt an der Oder mit. Bei der Flut von 1997 hatte der Höchststand bei 6,91 Meter gelegen. Auch die Deiche standen weiter unter immensem Druck.

In der an Warthe und Oder liegenden polnischen Grenzstadt Kostrzyn spitzt sich die Hochwasserlage zu. In den vergangenen Tagen hätten etwa 200 von 500 Bewohnern des Ortsteils Szumilowo ihre Häuser verlassen, sagte am Freitag der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Przemyslaw Jocz. Die Stadt habe Notunterkünfte bereitgestellt.

Am Samstagmorgen werde der Hochwasserscheitel der Oder erwartet. Auch Teile des an der Warthe liegenden Dorfs Warniki seien evakuiert worden. Im Stadtzentrum von Kostrzyn werde mit mehr als 30.000 Sandsäcken versucht, das Wasser zurückzuhalten.

Riss im Deich

In der Nacht auf Freitag wurde an einem noch nicht sanierten Deich nahe dem deutschen Ratzdorf ein langer Riss entdeckt. Die Grasnarbe war abgerutscht. Dutzende Helfer waren im Einsatz, um die Stelle zu sichern und abzudichten. "Der Deich ist in seinem Wesen nicht gefährdet", sagte Innenminister Rainer Speer. Am frühen Nachmittag sollte bei Schwedt nördlich von Frankfurt ein Polder geöffnet werden, um Druck von den Deichen zu nehmen.

Im Landkreis Oder-Spree - in dem auch Ratzdorf liegt - galt weiter die höchste Alarmstufe 4. Es wurde damit gerechnet, dass sie auch für Frankfurt ausgerufen wird. In der Grenzstadt war nach Angaben der Stadt am Morgen ein Straßenzug überschwemmt.

Bei Slubice, der teilweise zwei Meter unter dem Flussniveau liegenden polnischen Nachbarstadt von Frankfurt, wurden zwei Dörfer evakuiert. Schulen und Kindertagesstätten blieben geschlossen. Zunächst hielten die Deiche aber auch dort.

Der polnische Innenminister Jerzy Miller sagte am Freitagmorgen, er halte die Hochwasserlage am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder für stabil. "Der Pegel ist hoch, aber nicht so hoch, dass dort Dammbrüche drohen würden", sagte Miller in Warschau. Das Wasser sei an einigen Stellen durch die Deiche durchgesickert, es drohe jedoch keine Katastrophe. Dagegen blieb die Lage an der Warthe, einem Nebenfluss der Oder, angespannt. Die größte Stadt der Region, Posen, bereitete sich auf den Hochwasserscheitel vor. (APA)

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