Energie AG OÖ plant für heuer Turnaround

28. Mai 2010, 14:03
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Nach dem "schwierigsten Geschäftsjahr" seit dem Weltkrieg geht es mit der Energie AG Oberösterreich wieder bergauf

Linz - Im noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 will der Energieversorger den Turnaround schaffen, kündigte Generaldirektor Leo Windtner am Freitag vor Journalisten in Wien an. Danach soll es kontinuierlich aufwärtsgehen, bis das Betriebsergebnis (EBIT) in den Jahren 2011/2012 auf einen Wert von über 150 Mio. Euro anwächst. 2008/2009 lag das EBIT bei 105,5 Mio. Euro (-35,6 Prozent), im ersten Geschäftshalbjahr 09/10 betrug es 72,6 Mio. Euro, das entsprach einem plus von 15,8 Prozent.

Beim Umsatz knackte das Unternehmen mit 1,02 Mrd. Euro erstmals in einem Halbjahr die Milliardengrenze. Das Umsatzwachstum betrug allerdings nur 2,5 Prozent - im Vorjahr ist die Energie AG unter anderem durch die Übernahme der Mehrheit an der OÖ. Ferngas AG stark gewachsen, erläuterte Windtner. Um die Zeit nach der Krise einzuleiten, muss die Energie AG einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen, das Geld soll aus unterschiedlichen Projekten, wie dem AVE-Relaunch, lukriert werden, so Windtner.

Während sich die Segmente Energie und Wasser in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres wieder erholt haben, ist der Abfallentsorger AVE, Tochter der Energie AG, nach wie vor "erheblich" von den Folgen der Krise betroffen. Die Entsorgungsbranche ist im Vorjahr dramatisch eingebrochen, die Wertstoffpreise befanden sich auf einem historischen Tiefstand. Zwar steigen die Preise für Altholz, Papier, Karton und Altmetall nun wieder, in Österreich, Deutschland und Südtirol bleibt die Lage aber, anders als in Osteuropa, angespannt. Dennoch wolle sich die Energie AG mit ihrer Entsorgungstochter AVE nicht vom deutschen Markt zurückziehen, betonte Windtner. Wohl aber wurde eine sogenannte "Drohverlustrückstellung" gebildet, weshalb das Betriebsergebnis im Segment Entsorgung im 1. Halbjahr mit 12,5 Mio. Euro negativ war.

Deutliche Erholung

Im Energiebereich gab es zwar eine "deutliche Erholung", so Windtner, die Abgabemengen bei Strom sind aber nach wie vor zurückgegangen (von 3.400 auf 3.212 Gigawattstunden). Dies sei auf die geringere Abnahmemenge der Industriekunden zurückzuführen gewesen. "Wenn die Konjunktur wieder anspringt, wird es auch bei uns überproportional nach oben gehen", ist Windtner zuversichtlich. Im Vorjahr hätten Großkunden wie die Voest, MAN oder Miba krisenbedingt um 25 Prozent weniger Energie gebraucht.

Im Bereich Gas sah es etwas anders aus: Hier wurden mit 12.692 GWh um 17,4 Prozent mehr Erdgas transportiert als im 1. Halbjahr 08/09. Die Zunahme war in erster Linie auf den Betrieb des neuen Gas- und Dampfkraftwerkes in Timelkam zurückzuführen. Im Bereich Fernwärme wurden in den Netzen in Oberösterreich und Tschechien 387,3 GWh abgegeben, annähernd so viel wie im Jahr davor. In Summe wurden im Segment Energie 786,9 Mio. Euro umgesetzt, nach 781,5 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Betriebsergebnis legte um satte 48,5 Prozent auf 82,7 Mio. Euro zu.

Das Segment Wasser ist von den volatilen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen nur gering betroffen, die Trinkwassermenge stieg von 23,9 auf 25,8 Millionen Kubikmeter. Die Abwassermenge legte von 20,5 auf 21,1 Millionen Kubikmeter zu. Im Bereich Wasser wurden 58 Mio. Euro umgesetzt, um 8,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Das EBIT kletterte von 2,0 auf 2,4 Mio. Euro. Die Zunahme resultiere vor allem aus dem Erwerb der Gesellschaft VHOS a.s. in Mähren. Die Energie AG ist am tschechischen Wassermarkt sehr aktiv und versorgt dort 1 Million Menschen mit Trinkwasser und wickelt die Abwasserversorgung von fast 660.000 Einwohnern ab.

Im 1. Halbjahr 09/10 beschäftigte der Energiekonzern 7.159 Mitarbeiter, um 4 Prozent oder 278 Personen mehr als ein Jahr zuvor. Die Zunahme resultiere aus der vorjährigen Konsolidierung. (APA)

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