Neues Medikament gegen Knochenschwund

28. Mai 2010, 13:57
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Monoklonaler Antikörper hemmt Protein, das die Funktion von Knochen-Fresszellen reguliert - Medikament wird zweimal jährlich unter die Haut injiziert

Wien - Ein neues Wirkprinzip und ein neues Medikament gegen krankhaften Knochenschwund: Die EU-Kommission hat den monoklonalen Antikörper Denosumab ("Prolioa") zugelassen. Das Medikament soll für die Behandlung der Osteoporose bei Frauen nach der Menopause, einem erhöhten Frakturrisiko, sowie zur Behandlung eines Knochendichteverlustes durch eine Anti-Androgen-Therapie bei Männern mit Prostatakarzinom und einem erhöhten Bruchrisiko eingesetzt werden.

Denosumab ist ein monoklonaler Antikörper, der zweimal jährlich unter die Haut injiziert wird. Er hemmt den sogenannten RANK-Liganden, ein Protein, das die Funktion von Knochen-Fresszellen (Osteoklasten) reguliert. Das Medikament erweitert die Behandlungsmöglichkeiten bei krankhaftem Knochenschwund. Erfolgreich eingesetzt werden auf diesem Gebiet seit Jahren die sogenannten Bisphosphonate. In jüngerer Zeit kamen auch Parathormon-Präparate (Förderung des Knochenaufbaus) und Strontium-Ranelat, das sowohl den Knochenaufbau steigern als auch den Abbau bremsen soll. Denosumab entfaltet seine Wirksamkeit über die "Bremse" von RANKL.

Schutz vor Knochenbrüchen

"Osteoporose ist eine schwerwiegende chronische Erkrankung, die Millionen von betroffenen Frauen erheblich beeinträchtigen kann", so Socrates E. Papapoulos, Direktor der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Medizinischen Zentrum der Universität Leiden (Niederlande). "Obwohl es wirksame Therapien gibt, benötigen wir weitere Optionen, um vor Frakturen zu schützen. 'Prolia' bietet mit seinem innovativen Ansatz der RANK-Ligand-Hemmung eine neue Perspektive."

An der Entdeckung des Wirkprinzips war Josef Penninger, Wissenschaftlicher Direktor des IMBA Wien (Institut für Molekulare Biotechnologie) wesentlich beteiligt. Er unterstrich in einer Aussendung von Amgen die Bedeutung der Entdeckung des Wirkmechanismus: "Es gibt hundert Gründe für Knochenschwund - entweder im ganzen Körper oder lokal - aber das System RANKL und RANK wird immer durchlaufen. Es war ein wunderbarer Glücksfall, das zu entdecken. Damit kennen wir den zentralen Schalter, über den Osteoklasten angeschaltet werden. Man hat eine rationale Erklärung gewonnen, wie Erkrankungen oder Medikamente zu Knochenschwund führen können, oder warum es nach der Menopause zu Knochenschwund kommt, und konnte daher eine rationale Therapie entwickeln."

Einsatz bei Prostatakrebs

Das Arzneimittel besitzt die erste Zulassung für eine Behandlung von Männern mit Prostatakarzinom und einer antihormonellen Therapie. Dabei kommt es ebenfalls zum Knochenschwund. Allerdings wurden hier bisher auch schon Bisphosphonate eingesetzt.

In der zulassungsrelevanten Studie wurde die Wirksamkeit einer zweimal jährlichen subkutanen Injektion von des Medikaments mit der von Placebo verglichen. Teilnehmerinnen waren 7.808 Frauen mit postmenopausaler Osteoporose. Dabei sank das Risiko für neue Wirbelkörperfrakturen um 68 Prozent, jenes einer Hüftfraktur um 40 Prozent verringert. Bei Männern mit Prostatakarzinom und antihormoneller Therapie verringerte sich das Risiko für Wirbelkörperfrakturen um 62 Prozent. An den klinischen Studien waren auch österreichische Ärzte beteiligt.

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Infekte der Harn- und der oberen Atemwege, Ischialgien, Katarakte, Verstopfung, Hautausschläge und Gliederschmerzen. In den Studien zur postmenopausalen Osteoporose traten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse meist als Hautinfektionen und dabei vorwiegend als bakterielle Entzündungen des Unterhautgewebes in Erscheinung. Sie wurden unter Denosumab häufiger als unter Placebo beobachtet (0,4 versus 0,1 Prozent). (APA)

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    Osteoporose-Medikamente zielen darauf ab, den beschleunigten Verlust an Knochenmasse aufzuhalten und den Aufbau des Knochens zu unterstützen.

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