Waldschutz und Armutsbekämpfung

28. Mai 2010, 12:47
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In Oslo wird das UN-Abkommen zur Reduzierung von CO2-Emissionen durch den Erhalt von Regenwald verhandelt

Oslo - Der Schutz der Regenwälder befindet sich derzeit in einer entscheidenden Phase. Die Wald- und Klimakonferenz verhandelt diese Woche in Oslo das in Kopenhagen vereinbarte UN-Abkommen "REDD+" (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation), das die Richtung des Waldschutzes der kommenden Jahre vorgeben wird. Die Verringerung der Regenwald-Abholzung drängt, verursacht sie doch ein Fünftel der weltweiten CO2-Emissionen. "Derzeit wird der Mitteleinsatz diskutiert. Ziel sollte sein, die Lokalbevölkerung in die Schutzmaßnahmen richtig einzubinden", berichtet Konferenzteilnehmer Paul Chatterton vom WWF.

Vier Milliarden Dollar (3,22 Mrd. Euro) stehen für die Umsetzung bis 2012 zur Verfügung - darauf einigten sich bei der Konferenz am Donnerstag rund 50 Staaten. Chatterton geht davon aus, dass eine Gesamtsumme von bis zu sechs Milliarden Dollar (4,8 Mrd. Euro) nötig sein wird. Indonesien als einer der größten CO2-Emittenten hat am Mittwoch ein zweijähriges Moratorium für Abholzungsgenehmigungen unterzeichnet. Norwegen hat angekündigt, den Inselstaat dabei mit einer Milliarde US-Dollar (804 Mio. Euro) zu unterstützen.

Ähnliche Prozesse

Allzu oft zeigte sich bisher, dass die Vernichtung von Regenwald als erstes den Waldbewohnern - oft indigenen Gruppen - schadet. Die Prozesse gleichen sich zumeist, schildert Chatterton: "Abholzungsfirmen bieten den Anrainern Geld für den Wald oder versprechen Schulen oder Gesundheitsversorgung. Diese stimmen zu, da sie in Armut leben. Langfristig bleibt jedoch außer verschmutztem Wasser oft wenig. Zudem ist der Weg zurück zur Subsistenzwirtschaft versperrt, da mit dem Wald die Grundlage dafür aufgegeben wurde."

Wie sich der Schutz des Regenwaldes auf die Bewohner auswirkt, wurde zuletzt an der Georgia State University untersucht. Laut der Zeitschrift PNAS trägt die Errichtung von Naturparks langfristig zu einer Reduzierung der Armut der lokalen Bewohner bei. Zwar schränken diese Landwirtschaft und Jägerei ein, doch entstehen etwa durch Wildaufsicht, Ökotourismus und Straßenbau neue Berufe, die in Summe das Haushaltseinkommen steigen lassen, zeigten die Wissenschaftler um Paul Ferraro für Costa Rica und Thailand.

Der entscheidende Faktor für Nachhaltigkeit

Dennoch ist die Diskussion kontrovers, zumal Waldschutz alleine keine Garantie für Armutsbekämpfung ist. "Grund ist, dass hier in der Vergangenheit große Fehler gemacht wurden. Die Lokalbevölkerung wurde bei der Planung der Maßnahmen oft nicht genügend einbezogen, wodurch sie an diesen eher litten als davon zu profitieren", erklärt Chatterton. Dieser Einbezug sei somit entscheidender Faktor für Nachhaltigkeit, zudem könnten die Waldbewohner die besten Wächter des Waldes sein.

Während Organisationen wie WWF und CARE auf konkreter Ausformulierung, Transparenz und Verantwortung bei der Durchführung von REDD pochen, kommt aus anderen Reihen grundsätzliche Kritik an dem Abkommen. Thomas Brose, Experte für die Kooperation mit indigenen Völkern beim Klimabündnis, warnt etwa davor, dass sich die Industrieländer durch das Instrumentarium von Verpflichtungen freikaufen. Zudem würden Geldflüsse an indigene Bewohner deren Landtitel aufs Spiel setzen, könnten diese vereinbarte CO2-Grenzwerte nicht erfüllen. (pte/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Mau-Wald in Kenia reguliert den Wasserhaushalt des Landes. Der Wald wird jedoch zunehmend zerstört.

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