Die Werktagsblase und das Freilichttheater

Sebastian Pumberger, 31. Mai 2010, 13:05
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    foto: reuter/prammer

    Mittlerweile leben nur mehr 17.000 Menschen in der "Inneren Stadt". Ein Zehntel der Anzahl von Menschen, die täglich in die Stadt zur Arbeit fahren.

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    Der erste Bezirk war bei den Gemeinderatswahlen fest in schwarzer Hand. Quelle: www.wien.gv.at

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    Auch bei der Bezirksvertretungswahl 2005 konnte die ÖVP die meisten Stimmen erzielen, Ursula Stenzel wurde Bezirksvorsteherin. Quelle: www.wien.gv.at

Innere Stadt: Der erste Bezirk ist Wirtschafts- und Politikzentrum, Bewohner gibt es jedoch immer weniger

Wenn am 10. Oktober in Wien gewählt wird, wird es ruhig sein im ersten Wiener Gemeindebezirk, der „Inneren Stadt". Tausende Touristen werden ungeachtet des Wahltags zwischen Kaisergruft, Albertina und Stephansplatz umherirren, die Feierlaunigen zieht es nach langer Nacht noch in der Früh in ein Café. Erst am Nachmittag werden sich im Rathaus die Politiker versammeln, um den Wahlausgang zu diskutieren.

Ursula Stenzel und ihre Kontrahenten werden auf den Plakaten um die wenigen zu erhaltenen Stimmen in Wiens bevölkerungsärmsten Bezirk werben. Wiens Zentrum ist eine Werktagsblase. Hier wird gearbeitet, gehandelt, gefeiert  - doch gewohnt wird hier immer seltener.

Arbeit und Konsum

Horrende Mietpreise und eine zunehmende Musealisierung der Innenstadt führen zu einer sinkenden Einwohnerzahl. Eine negative Geburtenbilanz und Abwanderungstendenzen führten allein in den Jahren 2004 bis 2008 zu einer Abnahme der Wohnbevölkerung um 2,5 Prozent.

1961 wohnten noch gut 32.000 Menschen im direkten Zentrum Wiens, heute sind es nur mehr rund 17.000 Menschen - so wenig wie in keinem anderen Bezirk. Rund 19,6 Prozent der Einwohner sind nicht österreichische Staatsbürger, die Lebenserwartung ist mit 82,5 Jahren die höchste in ganz Wien

Mittlerweile gibt es mehr Lehrlinge (18.000) als Einwohner, rund 20 Prozent der Wiener Werktätigen arbeiten im ersten Wiener Gemeindebezirk (167.230 Personen). 10,7 Prozent der gesamten Kaufkraft werden im 1. Bezirk wirksam. Es sind diese Menschen, die die Hülle der Gebäude und Plätze mit Leben befüllen.

Ruhe und Sicherheit

Wiens Zentrum hat sich verändert in den letzten Jahrzehnten. Früher konnte man mit dem Auto noch die Kärntnerstraße entlangfahren, die U-Bahn schleust erst seit den 1970er Jahren die arbeitende Bevölkerung ins Zentrum. In den letzten Jahren wurden Kärntnerstraße, Graben und Stephansplatz mit einem neuen Bodenbelag versehen.

Lampenform und Gestaltungsfragen führten immer wieder zu Konflikten zwischen ÖVP-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel und dem SPÖ-regierten Rathaus. Umgebaut soll bis 2013 auch die Passage zwischen Oper und Karlsplatz werden, dabei wird die Sozialeinrichtung, die einen Spritzentausch für Drogensüchtige anbietet, geschlossen (derStandard.at berichtete). Die Drogenszene rund um den Karlsplatz passt nicht zu Stenzels Bild des Bezirkes. Von der Wiener ÖVP wurde die Forderung der "Zerschlagung" der Drogenszene laut.

Stenzel trat in den letzten Jahren vehement für mehr Ruhe und Sicherheit im ersten Bezirk ein. Die Rathaus-SPÖ wurde da schon mal scharf attackiert, die Fanzone bei der Fußballeuropameisterschaft kritisierte Stenzel ebenso wie eine geplante Garage ab Neuen Markt. In dem Bezirk der vielen Hotels forderte Stenzel sogar ein Nachtfahrverbot für Reisebusse. Sie sei ein "Störfaktor" so Stenzel selbst über ihre Rolle in der Wiener Politik.

Schwarze Hochburg

Politisch ist der erste Bezirk fest in schwarzer Hand. Die ÖVP stellt hier seit 1946 durchgängig den Bezirksvorsteher. Bei den letzten Wiener Wahlen im Jahr 2005 konnte die ÖVP 43,3 Prozent der Stimmen auf Bezirksebene erzielen, die SPÖ musste sich mit 29,8 Prozent begnügen. Ursula Stenzel wurde in der Folge Bezirksvorsteherin. Die Grünen konnten 2005 auf Bezirksebene 18,3 Prozent erzielen, die FPÖ rund 6 Prozent. Bei der Bundespräsidentenwahl wurde zuletzt Heinz Fischer mit rund 81 Prozent wiedergewählt.

(seb, derStandard.at, 30.5.2010)

Infos zum Bezirk:

Wahlberechtigte bei der Gemeinderatswahl 2005: 12.871

Bezirksvorsteherin: Ursula Stenzel (ÖVP)

Bezirksvertretung in Mandaten: 18 ÖVP,  13 SPÖ, 7 Grüne, 2 FPÖ

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 114
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El Chó
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10.6.2010, 08:07

Die Stenzel ist eine meiner absoluten Lieblingskabarettisten.

grog
 
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Ich hoffe

die ganzen Poster wohnen nicht im 1. Wenn ja, dann würde ich schleunigst das Weite suchen.

Gibts auch irgend etwas Positives zu berichten? Also ich wohne im 5. und finde es immer ganz nett durch den 1. zu spazieren.

Zitat Qualtinger: "Die einzige Zufriedenheit, die man in Wien bekommt, ist der Tod."

PERLENQWIEN
 
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Rund 19,6 Prozent der Einwohner sind nicht österreichische Staatsbürger...

sondern?... Russen?

Cape Of Green Hope
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Die Grünen sind die einzigen...

...die sich in der Inneren Stadt noch für Menschen, Freiräume und lebenswertes Wohnen einsetzen einsetzen.

Viktor Adler
00
Welche Grünen?

brechmittelderrechten-juckreizderlinken
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"die Feierlaunigen zieht es nach langer Nacht noch in der Früh in ein Café"

dank der ursel muss ja eh schon alles um 4 zusperren (wie herrlich war das seinerzeit, als man noch bis 8 uhr morgens im flex rumkugeln konnte) ...welches cafe hat da schon offen ?

Kon01
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26.7.2010, 22:22
Dafür

sind sie doch eh schon viel zu alt

Angelika70
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Was ist mit dem Cafe Drechsler? Oder dem Salz und Pfeffer?

dieglut
 
00
11.10.2010, 07:24

Offen, aber beide nicht im Ersten.

cannery row
00
Ruhe und Sicherheit..

gibts dort mit sicherheit nicht mehr. und die mietpreise für kleine wohnungen sind auch nicht mehr so hoch - weil sich immer weniger den lärm dieser mozartkugelverpackung antun will. oder im bermudadreieck eins auf die rübe kriegen.

Angelika70
01

Mozartkugelverpackung? Sie meinen die falsche Landeshauptstadt.

realodox
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der erste bezirk


is doch völlig heruntergekommen.

Joe Jo
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Nicht gelungen ist die Sanierung der Kärntnerstrasse und des Grabens

mit diesen hässlichen Platten am Boden, die jetzt schon ausschauen als wären sie 20 Jahre alt.
Und die Maiglöckchenlampen dazu...lächerlich!

platz, hirsch!
13
die maiglöckchen sind auch auf stenzels mist gewachsen.

ursprünglich waren moderne lampen geplant. die platten finde ich allerdings schön. schade, dass es nicht zu einer pflanzung mit magnolien gekommen ist, wie im sieger-entwurf geplant. jetzt stehen wieder irgendwelche 08/15-stauden herum.

kleingeister
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magnolienblätter machen flecken, die ihnen keine putzerei herausbekommt

platz, hirsch!
10
es ist in der tat wahrscheinlich, dass das der grund war,

warum stenzel dagegen war...

wenn sie mit einer weißen hose bei regen auf der straße gehen, ist die unten dann auch so dreckig, dass meist nur noch danchlor hilft. wollen sie deswg wien überdachen?

sappalotterie
01
der magnolienbaum war ursprünglich im zentrum

der sitzbänke angeordnet. die magnolienblätter fallen auf die sitzbänke, die passanten setzen sich drauf.

eine allée aus magnolien produziert tonnenweise blätter, einmal nach der blüte, und noch einmal im herbst.

irgendwer muss das ganze zeug auch wegräumen. der baum ist völlig ungeeignet auf öffentlichen gehwegen und neben sitzgelegenheiten.

platz hirsch, nehmen sie es bitte zur kenntnis: schön alleine ist zuwenig.

platz, hirsch!
10

Also praktische Überlegungen finde ich wichtig aber den Passantinnen nicht zuzutrauen, dass sie das Bankerl abwischen bevor sie ihr Hoserl draufsetzen ist ziemlich überheblich.

Üblicherweise räumt Laub die MA46 (?) weg. Auch von Platanen, Robinien und dgl.

Michael Jack Dundee
 
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"Üblicherweise räumt Laub die MA46 (?) weg."

MA48

sappalotterie
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sie lassen lieber andere für sich arbeiten?

nach dem motto: solange sie nicht selber den dreck wegwischen und wegräumen müssen?

platz, hirsch!
02
das ist jetzt aber nicht ihr ernst, oder?

auch wenn das für sie vielleicht dekadent klingt: ich leiste mir eine putzfrau, ich wasche mein auto nicht selbst, ich sauge es nicht einmal, sondern zahle andere dafür, dass sie es tun. wenn eine lampe kaputt ist, lasse ich sie reparieren, wenn die heizung spinnt, kommt der installateur, wenn die straßen dreckig sind, kommt der straßenkehrer, wenn die straßen zu asphaltieren sind eine baufirma etc.

ich mache nicht alles selbst. dafür zahle ich. entweder direkt oder durch meine steuern.

ich hoffe, sie haben diese attacke von größenwahnsinn halbwegs unbeschadet überstanden. sonst rufe ich für sie die rettung und lasse sie wiederbeleben. auch dafür zahle ich.

sappalotterie
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achso, sie sind ein kammerfunktionär!

gratulation, auch schon was.

platz, hirsch!
00
???

jetzt dürfte die wirkung ihrer medikamente entgültig nachlassen haben...

sappalotterie
00
feine sache, wenn sie arbeitsplätze schaffen,

natürlich im rahmen ihrer bereits aufgezählten mehr oder weniger bescheidenen möglichkeiten.

aber: künstlich sinnlose neue arbeit schaffen zu wollen, etwa "laubkehren auf der kärntner strasse", das ganze durchgeführt vom wiener magistrat, wie sie eingangs locker vorschlagen, zeugt nicht gerade von überragender intelligenz.

metacomet
00
31.5.2010, 21:12
1010 Wien, ist das nicht die Adresse der grössten

Damenzstation des KAV?

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