Frauen in Teilzeit, gut ausgebildet, schlechter bezahlt

28. Mai 2010, 09:18
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Erstmals seit 15 Jahren liegt wieder ein Bericht über die Situation von Frauen vor - Fortschritte bei Bildung, Einkommensschere wurde größer

Wien - Frauenministerin Heinisch-Hosek hat heute den Frauenbericht 2010 präsentiert - der erste seit 15 Jahren. Auf rund 550 Seiten enthält der Bericht Informationen über die Lebenssituation von Frauen in Österreich. Es zeigt sich demnach, dass es in den vergangenen Jahren zwar Fortschritte gegeben hat - allerdings herrscht auch noch großer Nachholbedarf und von einer Gleichstellung mit Männern kann noch immer keine Rede sein.

Der Frauenbericht 2010 enthält statistische Daten zu Demografie, Bildung oder Erwerbstätigkeit, thematisiert werden aber auch - laut Angaben des Ministeriums erstmals - Frauen im ländlichen Raum und Migrantinnen. Die Daten zeigen, dass Frauen heutzutage so gut ausgebildet sind wie nie zuvor und die Männer teilweise in der Bildung sogar überholt haben. 1971 konnten noch rund 70,4 Prozent als höchste Ausbildung nur einen Pflichtschulabschluss vorweisen, 2008 waren es nur mehr rund 22,3 Prozent. Von rund 1,4 Prozent im Jahr 1971 auf rund 13,8 Prozent im Jahr 2008 gestiegen sind hingegen Abschlüsse an Universitäten, Hochschulen und hochschulverwandten Lehranstalten. Technische und naturwissenschaftlicher Ausbildungen werden aber immer noch vorwiegend von Männern absolviert.

Dennoch gibt es auch noch Nachholbedarf: So werden etwa zwei Drittel der Kinderbetreuung und Hausarbeit nach wie vor von Frauen erledigt, der Anteil von Frauen in den Führungsetagen der großen Wirtschaftsunternehmen liegt immer noch bei unter zehn Prozent.

Über 40 Prozent in Teilzeit

Die Erwerbstätigkeit ist gestiegen, sieben von zehn Frauen sind mittlerweile berufstätig. Allerdings arbeiten über 40 Prozent von ihnen Teilzeit. Jede vierte Frau würde jedoch gern ihre Arbeitszeit aufstocken und jede zweite arbeitet wegen Betreuungspflichten Teilzeit. Die Einkommensschere ist in den vergangenen Jahren sogar größer geworden, Frauen verdienen für die gleiche Arbeit bis zu 18 Prozent weniger als Männer. Diese 18 Prozent zeugen von der Diskriminierung, die allein auf der Tatsache basiert, eine Frau zu sein. Längere Unterbrechungen, unterschiedlich entlohnte Berufe, Teilzeit oder unterschiedliche Postionen sind bei diesen 18 Prozent bereits berücksichtigt. Die seit 30 Jahren bestehende gesetzliche Verankerung von "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist somit noch immer nicht Realität. Gemessen am Bruttojahreseinkommen der Männer verdienen Frauen nur rund 58,4 Prozent, teilzeitbereinigt (nur ganzjährige Vollzeitarbeit wird verglichen) bekommen sie immer noch um ca. ein Viertel weniger als Männer. Zum Vergleich: Die Hälfte der Frauen verdient unter 1.740 Euro brutto, bei den Männern sind es 2.232 Euro brutto.

Unbezahlte Arbeit

Spitzenreiterinnen sind Frauen hingegen bei der unbezahlten Arbeit. So pflegen etwa 66,4 Prozent der Frauen ihre Angehörige zuhause und nur 33,6 Prozent der Männer, die die Pflege von Verwandten oftmals an ihre Schwiegertöchter oder Töchter weitergeben. Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass sich die Kinderbetreuungssituation zwar verbessert hat, es aber immer noch Verbesserungsbedarf vor allem bei den unter Dreijährigen gibt.

Der Frauenbericht soll "helfen, den Blick dafür zu schärfen, wo Österreich in der Frauenpolitik heute steht und wo es weiter Nachholbedarf gibt", erklärte Heinisch-Hosek im Vorfeld der Präsentation. 1975 auf Initiative des damaligen Kanzlers Bruno Kreisky gestartet, sollte der Frauenbericht alle zehn Jahre veröffentlicht werden. Unter Schwarz-Blau habe es ihn in dieser Form allerdings nicht gegeben, hieß es aus Heinisch-Hoseks Büro.


Die Eckpunkte des Berichtes 

  • Frauen waren noch nie besser ausgebildet.
  • Die Erwerbstätigkeit von Frauen war noch nie so hoch - 40 Prozent arbeiten Teilzeit.
  • Einkommensunterschiede wurden größer: 18 Prozent weniger Lohn für gleiche Arbeit.
  • Es gibt mehr Kinderbetreuungsplätze, Nachholbedarf bei den unter 3-Jährigen.
  • Am stärksten von Armut betroffen sind Alleinerzieherinnen.
  • Unbezahlte Arbeit wird von Frauen geleistet: 2/3 der Hausarbeit und Kinderbetreuung erledigen Frauen.
  • Nur 10 Prozent der Frauen sind in den Führungsetagen großer Unternehmen zu finden. 
  • Migrantinnen leiden unter Mehrfachdiskriminierung, sie befinden sich häufiger in prekären Arbeitsverhältnissen und sind öfter ohne Arbeit. (APA, red)
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    Der Frauenbericht soll "helfen, den Blick dafür zu schärfen, wo Österreich in der Frauenpolitik heute steht und wo es weiter Nachholbedarf gibt", so Heinisch-Hosek im Vorfeld.

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