Google Street View

Online-Burka

27. Mai 2010, 19:10

Die als Panne dargestellte Aktion ist ein Übergriff des Konzerns und bedarf ausführlicher Beleuchtung - Von Helmut Spudich

Dumm gelaufen für Google. Eigentlich sollten seine Kameraautos Straßenzüge für Landkarten abfotografieren und Standorte drahtloser Wifi-Internetzugänge protokollieren. Diese Standorte - bei denen der Inhaber des Netzes nicht bekannt ist - dienen als Ersatz für die Satellitennavigation GPS. Sie wären also durchaus auch im Interesse von Staaten, die 2,4 Milliarden Euro für das EU-Satellitennavigationssystem Galileo aufwenden.

Aber Google baute auch noch gleich ein Schnüffelprogramm mit ein und las "irrtümlich" im Datenverkehr mit. Der Konzern gab das zu, streute Asche auf sein Haupt und ist am Freitag der Aufforderung der Datenschutzkommission zur Löschung der angefallenen Daten nachgekommen.

Dass die Kommission jetzt offenbar nicht zur Tagesordnung übergehen will und vorübergehend Google Street View stoppte, ist eine vernünftige Reaktion. Die als Panne dargestellte Aktion ist ein Übergriff des Konzerns und bedarf ausführlicher Beleuchtung.

Die wohl illegale Schnüffelei sollte jedoch kein Vorwand dafür sein, Street View als Ganzes abzudrehen. Die Diskussion, ob man auch online sehen darf, was öffentlich zu sehen ist (Häuser und unkenntlich gemachte Personen und Autoschilder), muss unabhängig davon geführt werden. Und es wäre merkwürdig, wenn eine Gesellschaft, die gerade ein Verbot der Gesichtsverschleierung erwägt, künftig eine virtuelle Burka für Häuser verlangt. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
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ChesneyB
00
30.5.2010, 18:34

Schlecht recherchiert: Google hat nur das Photographieren bei der Datenschutzkommission angemeldet, aber nicht daß WLAN-Daten gesammelt werden. Das ist der eigentliche Grund.

http://www.heise.de/newsticke... 09279.html

Es gibt auch bei der DSK einen Artikel dazu: http://www.dsk.gv.at/site/6733... fault.aspx

alcharismi
 
00
28.5.2010, 16:27
Daten

Streetview gestoppt. Vorratsdatenspeicherung geplant.
?

iohui
00
28.5.2010, 18:10
die vorratsdatenspeicherung darf nicht beschlossen werden. die ist rechtswidrig.


streetview kann man schon machen, aber muss eindeutig auf öffentliche flächen und daten begrenzt werden.
sichtgeschützte privatgrundstücke und private post sowie verbindungsdaten dürfen ohne ausdrückliche persönliche einladung oder zustimmung nicht zu maps oder street view verwertungszwecken aufgezeichnet werden.
solche daten - einschliesslich bilder von personen - dürfen nicht veröffentlicht und geschäftlich verwertet werden, wenn keine ausdrückliche persönliche einladung oder zustimmung vorliegt.


kaum zu glauben, dass sich die juristen, gesetzgeber und behörden mit so simplen und logischen sachverhalten derartig schwer tun und überhaupt nicht durchblicken, worum es bei persönlichkeitsrechten und privatsphäre geht.

Anna Purna
 
01
28.5.2010, 12:24
Unter Standard-Schreiber.....n

ist der Rau König, mittlerweile. Wer hätte sich das mal gedacht.
Schade um die Zeit.

randolf
08
28.5.2010, 11:47
Ja ja

Wau, ein neuer Tiefstand wurde erreicht. Burka ist gleich Datenschutz, alles klar. Helmut ein toller Vergleich.

Was kommt als nächstes? Steinigung ist gleich Kulturpflege...

Kristof Grabmayer
05
28.5.2010, 11:27

huiuiui... das war mal ein tollpatschiger versuch eines vergleiches...

Whisker
07
28.5.2010, 10:46
Sorry, aber...

...wäre der Standard nicht per se rosa, er würde ob dieses Kommentares vor Scham erröten. Das ist kein Ruhmesblatt, sondern für eine mMn Qualitätszeitung wie den Standard sogar eine ziemliche Blamage.

Google StreetView ist ein äußerst bedenklicher Eingriff in die Privatsphäre. Ohne den geringsten erkennbaren Nutzen, der einen derartig unverschämten Eingriff auch nur irgendwie rechtfertigt.
Eine zwei Meter hohe Hecke dient als Sichtschutz, damit man ungestört ist und _eben_nicht_ beobachtet wird.

Das mit einer Burka zu vergleichen - Ich kann mir lebhaft vorstellen, was sich ein Volontär an seinem zweiten Tag dafür anhören müßte (und wie laut).

So etwas von einem durchaus erfahrenen Journalisten zu lesen, ist jedenfalls ziemlich traurig...

The Man With the Plan
00
28.5.2010, 14:21

Und wenn jemand 2m groß ist, sieht er trotzdem drüber. Wollen sie das auch verbieten?

Oder bei welcher Höhe finden sie's akzeptabel?

Ich verrate ihnen was...wenn sie jetzt in ihren Vorgarten gehen, kann sie niemand auf StreetView sehen. Erstaunlich, was?

Whisker
00
29.5.2010, 12:23
Beg your pardon?

Zwischen einem Menschen, der an meinem Garten vorbeigeht und zufällig hineinsieht und Fahrzeugen, die systematisch und flächendeckend die Umgebung aufzeichnen und im Internet verfügbar machen, besteht ja wohl ein eindeutiger Unterschied.

Kann mir jemand bitte endlich einmal etwas erklären:
Und zwar, was der Nutzen für jemanden zB in irgendeinem Kaff im hintersten Winkel von Texas sein soll, daß er sieht, ob ich am Tag der Aufzeichnung durch Google StreetView meinen leeren Wäscheständer oder meinen Liegestuhl auf der Terrasse stehen hatte?

Das würde mich nämlich langsam wirklich interessieren.

The Man With the Plan
00
31.5.2010, 09:40

Ach ja, richtig! Wie kann es sein, dass es jemanden interessiert, wie es anderswo aussieht? Ist wirklich an den Haaren herbeigezogen.

Und nichts für ungut...ihre Wäsche interessiert wirklich niemanden. Sie brauchen sich also keine Sorgen darüber zu machen, welchen Eindruck ihr Vorgarten auf die Welt macht.

Whisker
00
11.6.2010, 17:37

Noch einmal:
Ich habe ein Recht auf Privatsphäre.
Und ich nehme dieses Recht in Anspruch.

I rest my case.

Andrew Jones
12
28.5.2010, 10:46
Gab solche Probleme in anderen Ländern?

Ich liebe Google-Street-View!! Schade, dass Menschengesichter, die die Kamera 95% freundlich und spasshaft anlächeln, nur verschwommen zu sehen sind..

Das ist echt eine Burka.. Nur in Burka sieht man Augen, bei Google-View nicht...

The Dark
00
28.5.2010, 10:02
Jedes Smartphone

wählt sich AUTOMATISCH in freie verfügbare (offene) WLAN Netze ein, sofern man das so eingestellt hat. Wie schaut da die rechtliche Situation aus?

max mustermann10000103
00
28.5.2010, 12:28
Gute Frage

Denn nicht alles was - und wenn auch leicht - möglich ist, ist auch erlaubt.

Eventuell hilft hier das TKG weiter; jedenfalls, denke ich, wird man das ausjudizieren müssen. Es wäre spätestens jetzt an der Zeit.

Robert Wetzlmayr
02
28.5.2010, 06:42
Neben der offensichtlichen Polemik etwas zur Technik

Kristian Köhntopp erklärt, wie man WLAN-Standorte erfasst:

http://twtr.at/isotopp

Fazit: Das Mitschneiden von Nutzdaten ist per se unvermeidbar und kein "eingebautes Schnüffelprogramm". Der Fehler passiert später.

Zum den Vergleich mit dem Burka-Verbot fällt mir nur eins ein: "Man merkt die Absicht, und ist verstimmt."

iohui
03
28.5.2010, 00:16
die frage ist: was ist öffentlich zu sehen?

ich denke, die indiskretion besteht darin, in 3 m höhe über mannshohe mauern und hecken zu fotografieren.

das ist so wie auf der strasse allen frauen unter den rock zu fotografieren.

die leut haben sich ja was dabei gedacht, wenn sie röcke anziehn oder mauern und hecken errichten.

Der Schurke mit der Gurke
01
28.5.2010, 08:21

Der Gesetzgeber hat sich auch etwas dazu gedacht. Es gibt ein Recht am eigenen Bild für Personen.

Einer Frau unter den Rock zu fotografieren und das Bild zu veröffentlichen ist somit nur erlaubt, wenn sie dazu ihre Zustimmung gibt.

Ein Haus darf vom öffentlichen Raum aus fotografiert werden, egal wie hoch die Mauer oder Hecke ist. Wenn aber eine Person dahinter zu sehen ist, darf das Bild nur mit dessen Zustimmung veröffentlicht werden, oder die Person muss unkenntlich gemacht werden.

iohui
00
28.5.2010, 14:07
ja aber was soll das unkenntlich machen bringen, wenn eine person auf einem privatgrundstück fotografiert wird und die adresse weltweit veröffentlicht wird?


was google macht, ist quasi allen frauen unter den rock fotografieren, das gesicht auspixeln, aber ihre wohnadresse mit dem bild weltweit veröffentlichen,
und damit als unternehmen viel geld zu verdienen.

und die frauen müssen dann auch noch selbst regelmässig im internet suchen, ob ihre intimzone mit angabe ihrer genauen wohnadresse veröffentlicht wurde oder ob sie glück hatten und an dem tag zufällig jeans anhatten.

wer schützt die, die kein internet haben?

eine gesetzgebung oder eine behörde, die sowas erlaubt und sogar ausdrücklich genehmigt, kann doch nicht bei verstand sein.

Der Schurke mit der Gurke
00
28.5.2010, 15:06

Das Recht am eigenen Bild gilt nicht nur für das Gesicht. Die Intimzone allein darf auch nicht ohne Zustimmung veröffentlicht werden.

iohui
00
28.5.2010, 17:46

das gilt genau so für alle intimzonen, dazu gehören auch schriftliches und persönliche lebensumstände.

die behörden haben nicht das recht, über unsere köpfe hinweg der aufzeichnung, weltweiten öffentlichen verbreitung und geschäftlichen verwertung dieser privaten informationen zuzustimmen.

Urfahraner Auge
00
28.5.2010, 09:58
Und was spricht dagegen,

wenn der Gesetzgeber neben dem Recht an eigenen Daten (Datenschutzgesetz) auch ein Recht am eigenen Bild von Privateigentum einführt?

gesteckteziele
02
28.5.2010, 11:54
Denken sie auch manchmal nach bevor sie was posten?

Was soll den der Blödsinn?

Und weder japansiche Tourist in Wien der Aufnahme einer Straße eines Innenstadtbezirkes darf dann Gebühren an die Besitzer der dort geparkten Autos zahlen?
Und so richtig teuer wird es dann bei Fotos die z.B. vom Donauturm aus gemacht wurden, gell?

Lächerlich...

iohui
00
28.5.2010, 14:11

es geht ja nicht um strassen und sehenswürdigkeiten sondern um privatgrundstücke, welche vor normalen strassenbenützern ausreichend blickgeschützt sind.

Urfahraner Auge
00
28.5.2010, 12:12
Kostet dann ungefähr so viel,

wie Sie bereits heute von einem Japaner bekommen, der Sie auf der Kärtnerstraße fotografiert.

Urfahraner Auge
03
28.5.2010, 12:00
Der Unterschied zwischen Fotos machen

und Fotos veröffentlichen ist Ihnen schon bekannt?

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