Deichläufer kämpfen gegen Oder-Flut

27. Mai 2010, 19:03
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In Brandenburg steigt der Hochwasserpegel schneller als befürchtet

"Es kommt schneller und es kommt mehr." Mit diesen Worten beschreibt Ingo Decker, Sprecher des Umweltministerium in Brandenburg, das viele Wasser, das die Oder derzeit führt. Früher als eigentlich berechnet, hat das Hochwasser, das in Polen bereits große Schäden anrichtete, nun auch das ostdeutsche Bundesland Brandenburg erreicht.

Entlang des deutsch-polnischen Grenzflusses galt am Donnerstag die höchste Alarmstufe. In Ratzdorf, einem kleinen Ort südlich von Frankfurt/Oder, wo Oder und Neiße zusammenfließen, stand das Wasser am Nachmittag 6,20 Meter hoch. Normalerweise sind es drei bis 3,80 Meter.

Die Wassermassen im Grenzgebiet lösen bei vielen Einwohnern Ängste und Erinnerungen an das Jahr 1997 aus. Damals hatte eine "Jahrhundertflut" ganze Landstriche wochenlang unter Wasser gesetzt, in Ratzdorf stand die braune Brühe 6,90 Meter hoch. Jetzt fragen sich viele bange: "Werden die Dämme diesmal halten?"

Ja, sagt Brandenburgs Innenminister Rainer Speer (SPD), der den Katastropheneinsatz koordiniert. Seit 1997 hat das Land Brandenburg 220 Millionen Euro in die Sanierung von Deichen und den Hochwasserschutz investiert. "Ich hoffe, dass wir diesmal mit dem Schrecken davonkommen. Die Deiche werden nicht so stark beansprucht werden wie 1997", meint Speer.

Sandsäcke sichern ab 

Unzählige Helfer sind seit Tagen im Einsatz. Kritische Stellen werden mit Spundwänden oder zehntausenden Sandsäcken gesichert. Seit die höchste Alarmstufe ausgelöst wurde, sind hundert sogenannte "Deichläufer" rund um die Uhr unterwegs. Sie kontrollieren permanent, ob die Deiche irgendwo lecken.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat seinen Pfingsturlaub wegen des Hochwassers abgebrochen. 1997 hatte er als brandenburgischer Umweltminister bundesweite Bekanntheit erlangt. Er war damals wochenlang in den Krisengebieten vor Ort, was ihm den Spitznamen "Deichgraf" eintrug. (Birgit Baumann, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Mai 2010)

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    Schutzwall in Ratzdorf in Brandenburg am Donnerstag.

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