Filmische Rhythmusübung

27. Mai 2010, 19:08
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Vienna Independent Shorts Festival in Wien mit Specials zu "Film, Tanz und Rhythmus"

Beim Tanz mit der Kamera geben für gewöhnlich die Körper die Bewegung vor. In Miranda Pennells "you made me love" you (2005) hingegen schauen junge Frauen gespannt und erwartungsvoll auf die Apparatur, deren leichte Schwenks erst ihre Schritte motivieren. Dass der Bildausschnitt auf die Gesichter konzentriert bleibt, verstärkt die Spannung, die bei dieser Verlagerung des Bewegungsimpulses ans andere Ende der Bildachse entsteht. Das Bildfeld, durch das Gesichter und Körper wippen und wirbeln, wird dagegen gewissermaßen selbst zur Tanzfläche.

Das 7. Kurzfilmfestival Vienna Independent Shorts (VIS) bietet als thematische Orientierungshilfe im überbordenden Filmangebot die Trias "Film, Tanz und Rhythmus" an. Das schlägt sich in Kompilationen wie "Rrrhythm in Pictures!" nieder, wo Michel Klöfkorns und Oliver Husains schön auf den Punkt gebrachte Garagentor-Choreografie ("Star Escalator", 1998) beispielsweise auf Martin Arnolds rhythmisch bebendes Familienfrühstücksdrama "passage à l'acte" (1993) trifft.

Die Initiative Screensessions präsentiert sich an zwei Terminen mit heimischen Musikvideos von The Beautiful Kantine Band bis Bulbul. "Animated Music in Austria 1937-2008" zeigt Verwandtes und Vorläufer wie Hans Albalas famose Werbespots oder eine Cartoon-Carmen von 1937. Sixpack-Film hat das Programm "One Step, One Dance, One Song" kuratiert und das "Tribute to Miranda Pennell", das die Tänzerin, Choreografin und Filmemacherin vorstellt. Miniaturen, die Squaredance mit Tresenschlägereien wie aus einem Spaghetti-Western kombinieren oder den Schlittschuhkufen finnischer Teenager Heavy-Metal-Bezüge entlocken. Pennell bildet mit ihrer deutschen Kollegin Maike Mia Höhne und dem Kanadier Benny Nemerofsky Ramsay außerdem die Jury des Wiener Kurzfilmpreises.

Auch das zweite VIS-Tribute ist einem Filmkünstler gewidmet, der sehr rhythmusorientiert arbeitet: Der Österreicher Thomas Draschan studierte in den 90er-Jahren an der Städelschule in Frankfurt, seit gut zehn Jahren montiert er seine Kurzfilme vornehmlich aus Found-Footage-Material. Bilder aus Industriefilmen, Werbespots oder den eher abseitigeren Feldern der Spielfilmproduktion werden entlang thematischer oder visueller Entsprechungen gebündelt. Getanzt wird auch - sogar von Kopflosen. (irr / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.5.2010)

 

Bis 2. Juni im Metro und weiteren Kinos

  • Griff aufs Herz: Tribute an Thomas Draschan
    foto: vis

    Griff aufs Herz: Tribute an Thomas Draschan

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