Unumstritten erfolgreich, mit Erfolg umstritten

27. Mai 2010, 19:12
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José Mário dos Santos Félix Mourinho, "The special One", dirigiert das weiße Ballett

Zweimal Sieger der Champions League, je zweimal Meister und einmal Pokalsieger in Portugal, England und Italien, Gewinner des Uefa-Cups - die Aufzählung nur der wichtigsten Verdienste ist unabdingbar bei der Annäherung an die Person des Fußballtrainers José Mário dos Santos Félix Mourinho.

Denn der Portugiese, am 26. Jänner 1963 in Sétubal geboren, definiert sich selbst über den Erfolg. Noch bei jedem Verein, der sich seiner Arbeit erfreuen durfte, hat dieser sich eingestellt, eher früher als später, weshalb sich Real Madrid, der umsatzstärkste, aber eben derzeit nicht erfolgreichste Fußballklub um jeden Preis mit Mourinho schmücken will.

Dabei ist "The Special One" , wie Mourinho seit seiner Zeit bei Chelsea genannt wird, fast ein Schnäppchen. 16 Millionen Euro fordert Champions-League-Sieger Inter Mailand von Real für den laut Diego Maradona diskussionslos besten Coach der Welt. Eine lächerliche Summe für die Königlichen, die im Vorjahr fast 160 Millionen für die Kicker Cristiano Ronaldo und Kaká zahlten, um dann spanischer Vizemeister zu werden.

Ob sich Real für die 16 Millionen zuzüglich 40 Millionen Nettosalär für vier Jahre den größten Arroganzler zwischen Scheibbs und Nebraska oder einen auch im Umgang mit der Öffentlichkeit begnadeten Taktiker einhandelt, ist umstritten. Unumstritten ist, dass der stets topmodisch gekleidete Mourinho den Fußball wie kein anderer lesen und richtige Schlüsse daraus ziehen kann. Erlernt hat das der selbst nur mittelmäßige Kicker zuerst bei den Spielen seines Vaters Félix, der Profi-Torhüter war, und später dann als Ko-Trainer, vor allem bei Barcelona, wo er Louis van Gaal offiziell nur als Übersetzer diente.

Ein zweites Erfolgsgeheimnis ist Mourinhos Draht zu den Spielern. Die ihre spricht er ebenso fließend wie weitere fünf Sprachen. Von seinen Schützlingen gibt es nur Lobeshymnen auf den völlig skandalfrei verheirateten Vater von zwei Kindern, der seinen Hauptwohnsitz noch immer in Sétubal hat. "Für Mourinho würde ich mir die Füße brechen lassen" , sagte einst Chelseas Stürmerstar Didier Drogba.

Mourinho nimmt ihnen Druck, sei es durch Dauerfehden mit Journalisten und Funktionären oder durch Eitelkeiten à la "George Clooney wäre die ideale Besetzung für die Verfilmung meines Lebens" . Anfeindungen nimmt er im Interesse des Erfolges gerne in Kauf, denn "auch Jesus wurde nicht von allen geliebt" . (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 28.05.2010)

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    José Mourinho (47) wird Trainer von Real Madrid.

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