Gutes Gewissen im Netz

27. Mai 2010 18:53

Gemacht wird zunächst das, was technisch gemacht werden kann

Es ist sehr einfach: gemacht wird zunächst das, was technisch gemacht werden kann. Gleichgültig, ob es ethisch fragwürdig, möglicherweise schädlich und gesetzlich nicht eindeutig geklärt ist. Dann sind die Reaktionen voll von - echter - Überraschung und Empörung, dass man ihnen - ausgerechnet ihnen! - etwas Böses zutraut oder unterstellt. Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, ist gewiss ehrlich überzeugt, dass er eine Art großer Guru des Neuen Kommunikationszeitalters ist. Und dass es an den Leuten liegt, ihre Privatsphäre selbst zu schützen.

Ähnlich die "Googler" (US-Nighttalker Conan O'Brien). Das ist doch etwas Gutes, das wir tun und wenn jemand nicht im Garten seines Hauses bei illegalen und/oder allzu privaten Tätigkeiten fotografiert werden will, dann soll diese eben unterlassen. Dass die bloße Existenz von persönlichen Informationen im Netz eine Gefahrenquelle darstellt und von Stalkern, Hoaxern, Pädophilen, Mobbern, Diktatoren, politischen Gegnern, Idioten mit Tagesfreizeit etc. jederzeit instrumentalisiert werden können, diese Erkenntnis setzt sich kaum durch. Bei Jungen schon gar nicht. Was im Netz ist, geht nie wieder raus.

Die deutschen Vertreter von Google weigern sich unter Berufung auf die Datenschutzgesetze(!), jene W-Lan-Daten herauszurücken, die sie unabsichtlich(!) beim Häuserfilmen aufgeschnappt haben. Und sie haben wohl noch ein gutes Gewissen dabei. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
paradewohlstandskind
28.05.2010 22:01

autofahren ist noch immer gefährlicher als internet.

papst benedikt
28.05.2010 17:44

was soll's? wir haben die google zentrale seit jahren "unabsichtlich" verwanzt, rücken aber nicht raus mit den abgehörten gesprächen und abgefangenen mails. uns ist datenschutz eben wichtig. und nachdem die justiz ja nur mehr existiert, um den kleinen mann zu verfolgen, machen wir uns auch keine allzu grossen sorgen...

invodaseibua
28.05.2010 16:13
der internetausdrucker hans rauscher


als netzexperte.

atomlol

Nik M
28.05.2010 12:04
Ich sehe einen roten Faden

Hedgefunds - BP - Google - Facebook - Griechenland. In allen Faellen wurde darauf bestanden, dass staatliche Kontrollen nicht noetig sind (im Fall Griechenland, dass der Staat nicht noetig ist), weil Private verantwortlich handeln wuerden. Es reiche, freie Vertraege unter freien Menschen zu ermoeglichen, und alles wuerde sich zum Besten wenden.

Die Moral der Geschichte ist dass der Neoliberalismus zwar eine schoene Idee ist, aber in der Praxis nicht funktioniert. Die Menschheit ist nicht reif genug fuer den Turbokapitalsmus/Neoliberalismus/Wirtschaftsliberalismus.

Der Staat muss Privaten klare Rahmenbedingungen vorgeben, streng kontrollieren, immer bereit sein, nachzujustieren, sonst enden wir im Chaos.

tempa
28.05.2010 19:20
III.)Wenn es nach der staatlichen Post/Telekom gegangen wäre, wäre Österreich heute ähnlich weit in diesen Dingen entwickelt wie Zentralafrika.Mein geliebtes USR habt mir damals (illegalerweise!) gute Dienste geleistet.Wenn ich mich recht erinnere,

jagte die Post ja die subversiven Elemente,die ihre wertvollen Leitungen mittels teuflicher importierter Modems und neumodisches Zeugs wie "Datenübertragung" quasi vergewaltigten.
Ja,die guten,alten Tagen,wo der Staat seine Untertanen,ähmm Bürger, gegen böse,ausländische Konzerne beschützte.Und man sich Postbeamten unterwürfig zu nähern hatte,um anzufragen,wieviele Jahre die Installation eines vollwertigen Telefonanschlusses wohl noch dauern würde.
Tja,ehrlich gesagt,vermisse ich die guten,alten Tage weit weniger als so mancher hier.
Ach,und so nebenbei:Habe in den letzten Monaten viel für Lokalpolitiker gearbeitet.Manchen würde wohl der Schlag treffen,wie mit sensiblen Bürgerdaten in diesen Kreisen umgegangen wird.

tempa
28.05.2010 18:55
II.)Der Staat muss Privaten klare Rahmenbedingungen vorgeben, streng kontrollieren, immer bereit sein, nachzujustieren, sonst enden wir im Chaos.Oje dazu fällt mir zuallerst eine 70-jährige Tante ein,deren Grundstück sowie Haus von (quasistaatlichen)

(quasistaatlichen)Gis-Leuten auf den Kopf gestellt.Nachdem sie verschüchtert angab, im Haus befinde sich nur ein Fernsehgerät,wurde ihr im barschen Beamtentonfall beschieden,ein Mitarbeiter habe durch "Hörproben" an jedem Fenster deutlich ein zweites Fernsehgerät vernommen und man möchte nun die Einteilung der Räumlichkeiten überprüfen.
Ich erinnere mich an eine Reihe von ähnlichen Geschichten,unter anderen wurde die Wohnung einer befreundeten,jungen,taiwanische Studentin gefilzt.Oder erinnern sie sich vielleicht an die guten,alten,ersten Tage der Datenkommunikation?Wenn ich mich recht erinnere erklärte ein Vertreter der staatlichen Post/Telekom,ihre Leitungen seien viel zu "wertvoll" für etwas anders als Gespräche.

tempa
28.05.2010 18:39
I.)Zum Thema Google und wlan/streetview:Weitverbreitete wlan-router(802.11g) haben eine relativ geringe Reichweite.

Man kann davon ausgehen,das Verschlüsselung aktiviert ist(ansonsten ist wohl weniger das Google-Auto,sondern vielmehr jeder Nachbar/jeder beliebige Wardriver das Problem).Im unverschlüsselten Fall fängt Google-Auto in Fahrt nur für wenige Momente Daten eines Routers auf,der sich irgendwo im Umkreis befindet.
Das ist aufgrund der Tatsache,das Wlan-Router sich mittlerweile in fast jedem Haushalt befinden,ungefähr so aufregend wie die Vermutung,in jedem Haushalt befinde sich ein Handy.Im übrigen kann jeder Wlans katographieren:
http://maps.wgv.at/
Über andere Dienstleistungen (und deren indirekte "Kosten") Googles kann und sollte durchaus debatiert werden.

skip it
28.05.2010 13:05
der "neo"liberalismus hat nie funktioniert...

..."liberalismus" hingegen immer.

warum? weil letzterer eine sozio-humanistische konnotation in sich traegt, ersterer hauptsaechlich oekonomisch bestimmt ist.

nur eines der resultate des neoliberalismus ist, dass unschuldige zu ihrer "sicherheit" staendig beobachtet werden, weil tatsaechlich "schuldige" nicht mehr ueberwacht werden (koennen).

so gesehen ist es einem neolib tatsaechlich unverstaendlich, warum manche menschen sich weigern, ihr hab und gut und sich selbst "beobachtet" zu wissen.

mikromalist
 
28.05.2010 13:25
Sie hätten mehr googeln

und sich mehr in qualitätsvollen Network-Foren umsehen sollen.
Die Krise wurde durch Auswüchse politischer Interventionitis eingeleitet und verursacht (Bush und Greenspan, kostenloses Geld von der EZB zur Befeuerung der Staatsdefizite und nun die politische Tilgungshysterie mit neuerlicher gigantischer Geldvernichtung durch politische Besicherung).
Gierige Finanzinstitute bedienen sich dieser kostenlosen Knebelung der Märkte, zu ihrem eigenen Vorteil.
Demnächst wird der Markt völlig ausgetrocknet, indem wir dem "Gärtner" verbieten austrocknende PlPflanzen mit geliehenem Wasser vom Nachbarn zu giessen; Short Selling). Wer wird DAVON profitieren? WIR nicht.

p.s. jeder Bausparvertrag ist Zocken mit Steuergeld.

skip it
28.05.2010 14:24
ich denke, ich bin mit der materie zur genuege nicht gaenzlich unvertraut...

...um behaupten zu koennen, dass ein zu wenig enges regelwerk vorlag.

erschwerend kommt hinzu, dass sich dort, wo der staat sich zurueckzog und gleich den banken die gestaltung ebendieser regelwerke ueberließ (zb USA, D, A) die auswirkungen entsprechend schaedlich waren.

nein, ich moechte nicht im detail auf sinn und unsinn der geltenden regeln naeher eingehen.

nur soviel: gewinne werden derzeit privatisiert, schulden werden vergesellschaftlicht.

und das ist nicht im sinne des erfinders des republikanischen prinzips.

mikromalist
 
31.05.2010 09:01
Es ist ein wenig schade,

dass selbst pfiffige Menschen, deren Meinung ich sehr schätze, wie Sie, diesen Haupt- und Nebenwiderspruch nicht auflösen (wollen?).
Finanzinstitutionen sind Ausführende. Kapitalkumulierer sind private und staatliche Monopolisten, die den Markt für ihren eigenen Vorteil ausschalten. Staaten betreiben Kapitalismus mit Steuergeld.

Dass Linke in dieses Keynsianische Falle tappten ist bedauerlich.

Nik M
28.05.2010 13:18

Liberalismus ist ja auch das Gegenteil von Wirtschaftsliberalismus. Ich hab nie verstanden, wie das LiF behaupten konnte, beide Extreme unter einen Hut gebracht zu haben. Und um den Wirtschaftsliberalismus gehts mir. Ein CEO hat, im Rahmen der Gesetzgebung, ein optimales Ergebnis fuer seine Aktionaere zu erzielen. Gutes Handeln (gut moralisch gemeint) kann man nicht erwarten, ohne das Boese zu meinen.

Dh, man muss ihm Rahmenbedingungen vorgeben - und das seh ich keineswegs als Beschraenkung von Buergerrechten.

mikromalist
 
28.05.2010 09:40
Nein, Rau, in die Falle getappt.

Sie tauschen Freiheit gegen Sicherheitsangst an der falschen Stelle.
a) Daten zur Bereitstellug besserer Information. Ich erhalte heute Information und Wissen kostenlos, deren Beschaffung ich mir früher nicht leisten konnte.
b) Daten die zu meiner Klassifizierung und Typisierung verwendet werden.
b) ist längst Praxis der "Obrigkeit".
Von den gleichen inferioren Politikern durchgewunken, die jetzt "Scheingefechte" führen.

p.s. einer wurde auf dem Weg von Australien nach USA in London 6 Monate arretiert, weil er zufällig so wie ein IRA Terrorist heisst. Deshalb möchte ich, dass meinem DNA und Fingerabdruck auf jedem Dokument aufscheinen.
Aber Atheist, rheuma-anfällig, .. geht niemand etwas an (und genau DAS hat "Obrigkeit" und nicht Google)

man of constant sorrow
28.05.2010 11:17

Das Wissen ist nicht kostenlos. Das Internet ist nicht gratis.

mikromalist
 
28.05.2010 11:36
Werter Freund,

ich kann heute eine tiefgreifende Markt-Studie, finden, für welche ich früher EUR 100.000 zahlen musste. Ein kostenloses Web-Trainng zu "Programmieren mit Design Patterns", hätte früher hunderte von EUR ..
Ich glaube, Sie repräsentieren genau jene naive Gruppe, mit welcher die Ärmelschoner-Fraktion im Datenschutz ihre eigen Position rechtfertigt.
Goofer Datenschutz ist wie goofer Konsumentenschutz, freiheits-beraubend.

skip it
28.05.2010 13:10
nicht zu vergessen: "wikipedia"...

...zwar nicht das ende der geschichte, aber doch die realisierung des sozialistischen traums von gratis erwerbbarem (sic!) wissen.

bei aller vorsicht, mit der das medium teilweise zu genießen ist, aber der fortschritt ist gewaltig.

nur bis in oesterreichs schulklassen hat sich das noch nicht herumgesprochen, was wiederum dazu fuehrt, dass sogar die polizei kandidaten ablehnen muss, weil die schlicht zu teppert sind.

aber ich schweife ab...

man of constant sorrow
28.05.2010 11:54

Na, da haben sie ja ordentlich gespart! Das freut mich. Ich nehme mal an, dass diese hunderttausende von Euros, die sie durchs Netz gespart haben, und die Ihnen einen geschäftlichen Vorsprung vor den Mitbewerbern verschafft hat, zu einem märchenhaften Reichtum verhalf.
Im Namen der naiven Gruppe (die ich repräsentiere), jener ungebildeten, hakenstaden und nur an Pornos und e-bay interessierten Unterschicht (der eh olles wurscht is), möchte ich herzlich gratulieren!

mikromalist
 
28.05.2010 12:27
Da sind Sie ja dann in

bester Allianz: Politiker, Bürokraten und jene, die sich untergebuttert fühlten waren schon immer gegen jede Form von Demokratisierung von Information und Wissen.
Sie merken nur nicht, dass das das genau dazu dient SIE weiter untergebuttert zu lassen.
Die besten Untertanen sind jene, die im infantilen Stadium verharren.

p.s. Meine Mitabeiterinnen denken da anders. Sie profitieren nämlich von meiner Netzausbeutung. Sie erhalten 50% über dem Branchendurchschnitt Gehalt. Dafür habe ich mir ausbedungen, dass ich in meiner Arbeitszeit posten darf (Ich wüte in ca 5 Foren gleichzeitig). Und sie natürlich auch, weil das macht sie gescheiter.

man of constant sorrow
28.05.2010 13:27

Ich finde es sehr interessant, dass sie als Chef bei ihren Mitarbeitern, die, notabene, 50 % über dem Durchschnitt verdienen, etwas "ausbedingen" müssen.
Nun, da ich ja ziemlich infantil bin, kann man mir ja jeden Schmu reindrücken. Ich glaub's auf jeden Fall. Wenn's nur von einem "Chef" kommt...

mikromalist
 
28.05.2010 13:30
Ja, unser Stil ist etwas anders,

partizipativ nenne es manche.
Nichts für Apparatschiks, er benötigt eine neuronale Grundversorgung aller Beteiligten, und ein offenes aufgeschlossenes Klima.

man of constant sorrow
28.05.2010 14:21

Das ist ja unglaublich fortschrittlich! Man vermag es kaum zu fassen, dass in diesem Land solche Dinge geschehen. Unbemerkt von der großen Masse der Untertanen. Also, sag einer...
Ich nehme mal an, dass ihre neuronal bestens versorgten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hin und wieder einen Blick auf ihre geistsprühenden Postings werfen dürfen, nur schon damit ihnen der Sinn für die Vorteile der partizipativen Lebensgestaltung nicht verloren geht, die, wie wir ja erfahren durften, zu 50% besser entlohnt wird als die halbviehische Maloche normaler, neuronal unterversorgter HIWIS, die kaum einen Laptop von einer Pizza mit extra Käse unterscheiden können.

mikromalist
 
31.05.2010 09:18
Wir müssten diese

unsägliche Diskussion nicht führen, hätten Sie sich verkneifen können in diese Diskussion einen Gemeinplatz einzuwerfen?
Auch das Wasser ist nicht gratis. Trotzdem wird es bei uns als demokratisches Verteilgut verstanden.

Viel Glück.

p.s. der Diskussion hätte viel besser getan, hätten Sie meinen Beitrag, aus diesem oder jenem inhaltlichen Grund, als Quargelkas klassifiziert.

man of constant sorrow
31.05.2010 09:46
Es ist immer noch der Ton, der die Musik macht.

mikromalist
 
31.05.2010 10:06
Ja, dieser Punkt geht an Sie.

Für persönliche, statt inhaltliche, Angriffe entschuldige ich mich, ehrlich!

man of constant sorrow
31.05.2010 10:26

Schon vergessen.
Weiter im Text!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.